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Bavella vom Norden

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Klettern in Rodellar

Das Klettergebiet Rodellar zählt  zu einem der besten Gebiete weltweit


Rodellar
- Dorf am Rande der Schlucht von Mascún, inmitten der Sierra de Guara im nördlichen Aragon. Noch vor  nicht all zu langer Zeit wurde das Dorf von nur noch wenigen Familien bewohnt, doch das änderte sich als Outdoor - Begeisterte allen voran Kletterer und Canyoning-Aktive ins Dorf kamen.
Kletterer erkannten das enorme Potential an Kletterrouten in der direkt unterhalb von Rodellar gelegenen Schlucht von Mascun. In wenigen Gehminuten sind die Klettersektoren erreicht, das Gebiet liegt dort praktisch vor der Haustür.
Über Jahrmillionen hat sich der Bach in den Kalk gefräßt und in den Mäanderschlingen hohe Wände mit vorwiegend überhängenden Bereichen in verschiedenen hohen Ebenen erschaffen die im Nachhinein eine Versinterung erfuhren.
Bis zu 50 Meter ausladende Dächer gespickt mit Stalaktiten und Sintern machen das Klettergebiet zu einem Mekka der athletischen Ausdauerkletterei.

Zu fünft sind wir von Heidelberg am Abend gestartet. Nach einer gefahrenen Nacht mitten durch Frankreich gabs die verdienten französischen Croissants zum Frühstück in der Nähe von Toulouse. Jetzt noch über die Pyrenäen, dann endlich dort.....  
Doch in den Bergen sind die Straßen kurvig, der Tunnel von Bielsa schlecht beleuchtet und in Spanien dann die Idee eine kleine, vermutlich auch kürzere Seitenstraße durch die Sierra nach Bierge zu nehmen. Für die wenigen Kilometer brauchten wir dann aber auch doppelt so lange.
Am frühen Nachmittag am "Camping Mascún" in Rodellar angekommen, hatten wir schon das Fieber. Also schnell das Zelt aufbauen, noch einen Kaffee und trotz Müdigkeit gehts los.
Durch die wenigen Häuser von Rodellar, dann der Blick in den Canyon, die eindrucksvollen Überhänge des Sektors Gran Boveda vor Augen und das alles in Fußnähe in wenigen Minuten zu erreichen. Kurzer Abstieg zum östl. ausgerichteten Sektor Nuit de Temps. Gerade richtig zum Akklimatisieren, lange Touren nicht zu steil. Nach einigen 7a's sind wir erstmal zufrieden und die lange Nacht macht sich nun extrem bemerkbar.
Nächsten morgen nach einem ausgedehnten Frühstück unter den Schatten spendenden Bäumen des Campings zieht es uns auch zum Klettern in den Schatten. Der Sektor Café Solo, gerade richtig, den ganzen Tag Schatten, die Touren noch nicht so lang (Cafe solo 7b+, Monica 7b, Cafe con leche 7b, Welcome to Tijuana 8c).
Doch schon am späten Nachmittag nach einem erfrischenden Bad im Wasser des in der Schlucht entspringenden Baches zog es uns dann noch in den steileren Sektor Egocentrismo um dort mit einigen Henkelparaden den Tag zu beschließen. (Pequeno Pablo)
Schon jetzt wurde uns bewußt dass die Dauerkraft für die noch längeren Routen in den ausladenden Dächern zum Großteil fehlt. Woher diese auch nehmen? Dreimal durchs Kletterhallendach das macht Spaß.
Im Camping ist mittlerweile die Slackline am Start. Die benötigt zwar noch einen Platz aber von denen gibts außer am Wochenende genug. So können die, die können ihre Slackline-Battle austragen.

In den nächsten Tagen gehen wir öfter praktisch "on the fly" am späten Vormittag am Sektor El Camino vorbei. Auf der östl. Seite der Schlucht gelegen ist diese orangenfarbenen Wand ideal zum Einklettern im morgendlichen Schatten. Dei leicht abdrängende Wand weist viele Routen zwischen 6b - 7b aus. Da sind wir aber nicht die einzigen die das Einklettern dort praktizieren, drum sind die meist großen Griffe auch schon recht abgenutzt.
Wenn dann die Sonne langsam in den Sektor kommt wird es langsam Zeit denSektor zu wechseln. Dann gehts in die Ost ausgerichteten ganz steilen Sektoren. Zu dieser Zeit kann dann auch der Sichernde im Schatten stehen.
Unsere stetigen Ziele waren dann die Sektoren Gran Boveda, Las Ventanas del Mascún und Pince sans rire.
Mittlerweile hat sich Kletterprominenz eingefunden. Chris Sharma und Daila Ojeda haben ihr Lager auf dem Camping aufgeschlagen, die gehen dann aber mit Dani Andrada an den Fels. Patxi Usobiaga klettert dann mal einige 8b+ hintereinander weg. Hier wird dann auch recht schnell bewußt das Spitzenkletterer sich in anderen Dimensionen bewegen.

In unseren genannten "Lieblingssektoren" herrschen extrem lange, steile Ausdauerouten vor. Eine Tour neben der anderen schraubt sich im 8ten Franzosengrad (Spaniengrad) empor. Oftmals and Henkeln und Sintern gehts steil und steiler 30 - 35 Meter nach oben. Spätestens nach der Hälfte des Weges sind die Arme dick, die Züge werden subjektiv schwerer. Jetzt heißt es eine Position zum Schütteln zu finden. Zwischen den Sintern geht meistens irgendwo ein Klemmer, je nach Knie-, Beingröße ist der mehr oder weniger angenehm. Die Kunst besteht dann auch die Position zu finden, so angenehm, dass man dann auch wirklich schütteln kann. Die Klemmer mit komplett verdrehtem Knie können genauso schmerzhaft sein wie klemmen mit dem blanken Knie auf rauhem Kalk. Um sich dem Schmerz nicht aussetzen zu müssen bringen einige Kletterer ihre "Kniegamaschen" mit.
Doch trotz Rastposition reicht die Kraft nicht immer zum Umlenker. Nicht immer sind die Rastpositionen schmerzhaft, so kann in der Route "Pince sans rire 7b+" im gleichnamigen Sektor bequem zwischen den Sintern geruht werden, so lange bis der Sichernde unruhig wird und Hunger hat. So lange sollte es nicht dauern denn dafür ist dieser Sektor mit seinen überhängenden Touren und ausladenden Dächern zu schade. Hier will geklettert werden.
Der langgezogenen Sektor Las Ventanas del Mascún besitzt die gleichen Eigenschaften und noch mehr gute Linien. Etwas erhöht über der Schlucht weht hier ganztägig ein leichter Wind. Auf der nördlichen Seite des Sektors insbesondere im Bereich der zwei Felsentore welche die Natur dort geschaffen hat, kann dieser Wind auch stärker sein und über uns kreisen die Geier ganz nah in stattlicher Zahl.....
Auf der nördlichen bzw. südlichen Seite des Sektors gibts einige wenige 7a´s zum eingewöhnen und dann gehts los.....
Touren: El Delfin 7c+, Juan y Fran se nos van 7a+, Canita brava 7b+, Mal des amores 8a+, Pata Negra 8c, Espirit rebeld 8b, A cravita 8a und viel mehr gute Routen

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Lukas im Delfin 7c+ (Photo: R. Hansen)Raphael in 7a im Sektor Nuit de TempsLas ventanas del mascún

Bilder des Sektors Las ventanas del mascún

Verschlagen hat es uns eines Tages auch in die Ali Baba Cave direkt am Bach. Neben den nur Dach - Touren gibt es auf der rechten Seite auch vier kurze gemäßigt überhängende Kleingriffuge Touren von ca. 6 - 7 Meter Länge von 6c - 8a. Kurz und knackig. Angeschaut haben wir dann die 9b Ali Hulk von Dani Andrada die durchs ganze Dach geht, nun enorme Leistung - beeindruckend, nur leider ist die Cave  max. drei - vier Meter hoch. Dementsprechend lochig und dunkel ist diese. Einer King-Line entspricht die Tour nicht. Vorstellbar ist noch ein wenig zu warten bis hier die Erosion ein Bogen oder eine weitere Wand mit ausladendem Dach geschaffen hat - leider wird das noch einige Mios an Jahren dauern - dann lieber jetzt. Angeschaut haben wir uns auch das Andrada Einfingerloch zum Aufwärmen. Alle habens schnell mal hochgezogen und wir waren uns einig - zum Aufwärmen.

Ein Stück talaufwärts nach dem direkt im Tal gelegenen Sektor Furia Latina und La fuente, direkt gegenüber ist die starke Quelle die den Bach speist mit klarem, kaltem Wasser - erfrischend, kommt auch schon der Sektor Surgencia in Sicht. Einer der einfruckvollsten Sektoren in Puncto Steilheit.  Im Mittelteil zieht sich die Route El corredor de la muerte 8a,  40 Meter empor. Vom Start an ca. 50 Grad überhängend, kein einziger kleiner Griff will die Route auch ohne kleinen Griff durchstiegen sein - ein Muß. Ein ganzes Stück rechts davon gibt es eine neuere sehr lohnende 7c.

Immer wieder zieht es uns auch in den Sektor Gran Boveda, dort am linken (südl.) Rand gibt es erstmal ein kurzes stark überhängendes Teilstück mit Routen von ca. 15 Meter Länge dann kommen einige lohnende 7b - 7c+ (Commando cono 7b+, Aquiles 7c+, Sopas de ajo 7b+, Nanuk 7c) Routen um dann weiter in die Mitte des Sektors ziehend 8a und schwerer zu werden. Erstmal wieder fast senkrecht bei kleinen Griffen ( Delocalication 8a, Ambicion cero 8a) und in der Mitte dann die Linien von Gladiator 8b, die überhägende Verschneidung von Coliseum 8a und daneben Geminis 8c. Alle 40 Meter lang.
Natürlich haben wir uns auch noch andere Sektoren angeschaut oder angeklettert wie Boulder de Jon (kurze Touren 7a - 7b), Familia Manson, Aquest any si (Ausdauer direkt am Bach). Viele Sektoren sind einfach einzigartig.
Diese grandiose Kletterei zusammen mit dem Ambiente mitten in der Sierra ergibt eines der besten Gebiete für den etwas ambitionierten Kletterer.

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Sektor Gran Boveda Alex in City no 7c+, Ali Baba CaveDer Einfingrige zum Aufwärmen in der Ali Baba Cave

 

 

 

 


Bilder von Gran Boveda

Unser Video dazu

 

Sektoren:
Es gibt ca. 40 Sektoren im Hauptgebiet Mascún. Die subjektiv lohnendsten will ich hier mal aufzählen von Nord nach Süd dem Bachgefälle folgend
- Surgencia, La fuente, Las ventanas del mascún, Aquest any si, Maldita codicia, El camino,  Criminal tango, Pince sans rire, Travesia de los angeles, Nuit de temps, Gran Boveda, Familia manson, Ali baba, L'école, Bikini, Egocentrismo, Bulder de jon, Cafe solo, Laperne
Die Mehrzahl der Touren liegt über dem Grad 6c. Es dominiert Ausdauerkletterei im Überhängenden Bereich an Sintern. Es gibt aber auch einige beinahe senkrechte Touren gehäuft im Grad bis 7a. Routenlänge oft bis 35 Meter einige auch länger.

Für Mehrseillängen gibt es die großen Sektoren Andrebot, nach dem letzten Sportklettersektor flußaufwärts links in das ansteigende Seitental einbiegen und Alcanadre unterhalb von Rodellar gelegen wo die Gewässer Mascún und Alcanadre zusammenfließen kommt von Westen die Schlucht des Alcanadre - dort hinein.

Anfahrt:
Durch Frankreich über Muhlhouse, Dole, Vichy, Clermont-Ferrand, Kurz vor Millau Richtung Albi, dann Toulouse, über die Pyrenäen nach Bielsa, Ainsa, Richtung Barbastro nach Adahuesca, Bierge - ca. 1360 km
oder über die Rhone Autobahn weiter nach Montpellier, Bezier, Carcassone,Toulouse dann wie oben ca. 1450 km aber etwas schneller und teurer
Mit dem Flugzeug nach Barcelona und dort ein Auto mieten dann über Llerida in ca. 3,5 Stunden nach Rodellar.

Übernachtung:
Es gibt zwei Campingplätze. El Puente ca. 1km unterhalb von Rodellar (http://www.campingelpuente.com/) und den direkt neben Rodellar gelegenen Camping Mascún (http://www.campingmascun.com/).
Preise ca. 5 Euro Übernachtung/Person hinzu kommt Zelt 4 Euro (kleines Zelt) und Auto 4,50 Euro.
In beiden Campingplätzen gibt es ein Restaurant und Bar, Internetzugang, Bungalows für die kältere Jahreszeit und ein kleiner Laden für das ganz dringende.
Dann gibt es noch das Refugio Kalandraka, 200 Meter hinter Rodellar direkt an der Schlucht. Übernachtungspreise bei 6,50 Euro. Es gibt zwei Bett bis 10 Bett Zimmer, Bar, Restaurant oder Selbstverpflegung (Selbstkocher Küche), Billiard. Sehr schön gelegen, schönes Ambiente (http://www.refugio-kalandraka.es/)
Im Aufbau befindet sich eine größere Anlage (Hotel? Zimmer?) direkt am Ortseingang.

Verpflegung:
Neben den schon genannten Restaurants, Bars gibt es noch drei weitere in Rodellar. Einen Supermarkt gibt es nicht. Deswegen sollte schon rechtzeitig bei der Hinfahrt eingekauft werden. Der nächste große Supermarkt ist dann in Barbastro oder Huesca (beides ca. 60 km). Auch eine Tankstelle ist etwas entfernt auf der Hauptverbindungsstraße von Barbastro nach Huesca ca. 28 km.

Beste Jahreszeit:
Klettern geht das ganze Jahr über. Die beste Zeit ist der Frühling und der Herbst. Im frühen Jahr kann noch mit nassen Sintern gerechnet werden durch die winterlichen Niederschläge. Im Sommer ist es heiß aber nicht unerträglich. Es gibt immer irgendwo Schatten in den Sektoren und oft weht auch ein angenehmer Wind durch die Schlucht.

Topo:

Es gibt einen Kletterführer Rodellar doch der ist schon veraltet. Es sind viele Routen neu hinzugekommen. Am besten vor Ort informieren.  Topo Rodellar

 

Weitere Infos:
Martin Tekles im Bergzeit Magazin -  "Kletterparadies Pyrenäen"

Sonstiges zu tun:
Es gibt ein Riesen Angebot in der Umgebung an Canyoning. Die Sierra hat etwa 100 Canyons zum Begehen. Jeder Camping leiht das Equipment gegen Gebühr aus. In den kleinen Städten in der Sierra gibt es mit Sicherheit in jeder eine Agentur wo ebenso das Material ausgeliehen oder eine geführte Tour gebucht werden kann. Gut vorher informieren über die Bedingungen im Canyon falls auf eigene Faust gegangen wird.
Wandern in der Sierra oder Biken.
Weitere gute Klettergebiete sind auch nicht weit weg. Mallos Riglos ca. 90 km, Alquezar ca. 20 km, St. Linya ca. 130 km, Terradets ca. 150 km, Oliana ca. 170 km, Margalef, Siurana, La Mussara, Montsant (alle ca. 170 km)

 

Bilder anklicken (3 von 11)

Der Sektor Aquest any si Weit im oberen Teil des Canon von MascúnDer Ort Rodellar

 

 

 

 

 

 

 

 

Google-Map einiger Klettergebiete in Nordspanien

 

Klettern in Nordspanien auf einer größeren Karte anzeigen