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Bild aus Archiv

Im Sektor Main Wall, Kletterin: Frauke

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Klettern im Tessin

Eigentlich wollte ich schon lange mal etwas übers Tessin schreiben, da es mithin eines meiner favorisierten Gebiete ist und dieses Jahr Ostern war ich wieder dort und wollte nun schon lange drüber geschrieben haben. Doch wie es so kommt keine Zeit.... anderes zu tun...
Nun jetzt hab ich was geschrieben, wenn auch etwas spät und es war an Ostern Smile

Da das Osterfest etwas später im Jahr lag und für Südfrankreich die Zeit fehlte wurde relativ kurzfristig und nach viel Überzeugungsarbeit das Tessin als Ziel ausgemacht.
Nicht das erste Mal dass ich im Tessin zum Klettern oder Bouldern bin, nein ich war auch schon zum Radfahren hier :-), ist es immer wieder gut diesen Gneis zu spüren der eine meist gigantische Haftung an Slopern, kl. Kanten, Auflegern gewährleistet.
Tessin ist nicht nur der südlichste und sonnenverwöhnteste Kanton der Schweiz, nein es hat auch italienisches Flair und ab und zu heftige Gewitter.

Tessin ist aber auch ein Land der Steine, Blöcke und Felsen. Häuser und ganze Dörfer sind aus diesem oft grauen Gneis gebaut, Wege sind eingebettet in Mauern und gepflastert mit der runden Variation des Gesteins. Einige Steinbildhauer haben ihre Lager aufgeschlagen und bearbeiten das Material, mannshohe Gebilde stehen in Vorgärten. Steinbrüche gibt es ebenfalls zur Genüge in denen der "Tessiner Granit" abgebaut wird. Selbst die Stützpfähle für den Weinrebenanbau sind aus diesem Material. Es läßt sich eben auch ganz gut spalten, entlang der Schieferung.

An den Berghängen bis in höhere Lagen wachsen ganze Esskastanienwälder unter denen wiederum der ganze Hang terassiert ist. Zeichen dafür das die Landwirtschaft vormals intensiver betrieben wurde.
Am Übergang von Dorf zu Hang und Wald finden sich dann oft die sogenannten Grottos.

Der Name rührt von natürlichen Felshöhlen (Grotten) her, in denen die Landbevölkerung im Tessin ursprünglich Wein, Schinken und Käse aufbewahrte. Als moderne Kühlungs- und Konservierungsmethoden diese Art der Vorratshaltung
verderblicher Lebensmittel überflüssig machten, verwandelten viele Bauern diese Vorratshöhlen in soziale Begegnungsstätten zur Weinprobe und sonstigen Verkostung der eigenen Produkte. Im 19. Jahrhundert gab es die ersten Ausschankgenehmigungen, und im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden die Grotten zu öffentlichen Gastwirtschaften, die von ihrer Funktion her kaum mehr von einer Trattoria zu unterscheiden waren.
Ein Grotto im heutigen Sinne ist häufig kein Felsenkeller mehr, sondern ein einfaches traditionelles Steinhaus; fast immer hat es jedoch Tische und Bänke aus Granit. (Anm: der Granit ist meist aber Gneis!) Da der Schwerpunkt des Restaurationsbetriebs im Gegensatz zu früher auf dem Außenbereich liegt, haben die meisten Grotti nur in der Sommersaison geöffnet.
aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Grotto_(Tessin)

Es verwundert nicht das es auch schon früher und immer noch viele "Aussteiger" hier herzieht um in der Einsamkeit eines der aufgelassenen Bauernhöfe oder Weiler zu wohnen, ob dies nun hoch droben über dem Centovalli ist oder im Malcantone oder um hier magische Orte zu besuchen.
Leicht läßt sich auch Sutters Geschichte über die Dunkle Seite des Mondes ins Tessin überführen.... weit droben in abgelegenen halbverfallenen Gehöften auf Wiesen wird mit Pilzen experimentiert....
Künstler und Schriftsteller wie Frisch und Hesse lebten lange Zeit hier. So lebte Frisch im Onsernone Tal und Hesse lebte ab 1919 in Montagnola, nahe von Lugano. Durch Bekanntschaft mit Gusto Gräser, einer der Mitbegründer der Landkommune am Monte Verita bei Ascona ließ sich Hesse zu der Erzählung Demian und andere Gestalten in seinem Werk inspirieren.
Der Monte Verità ist ein Hügel über Ascona, der in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts der Sitz einer lebensreformerischen Künstlerkolonie war, die heute als eine der Wiegen der Alternativbewegung gilt. In ihr sammelte sich der Widerstand gegen die patriarchale militaristische Kultur und Gesellschaft der Zeit. Monte Verità wurde ein Zentrum neuer Bewegungen: Lebensreform, Pazifismus, Anarchismus, Theosophie, Anthroposophie, OTO, Psychoanalyse, östliche Weisheit, Ausdruckstanz.
http://de.wikipedia.org/wiki/Monte_Verit%C3%A0

Nahe dem Monte Verita gibt es einen Waldparkplatz den Anlaufpunkt zum Klettergebiet von Balladrum darstellt und dafür sind wir ja nun auch hier, genug der Abschweifungen auch wenn diese interessant sind:
Wir sind zum Klettern hier.

Früh morgens losfahren, sind die ca. 480km bis Locarno in fünf Stunden gefahren. Allerdings besteht die permanente Gefahr am Gotthardtunnel im Stau zu stehen. Nach dem Tunnel sieht das Wetter ausnahmsweise genauso aus wie davor - leicht bewölkt.
Am frühen nachmittag dann, Ankunft in Ponte Brolla am Beginn des Maggiatals. Der Zustieg zum Klettergebiet ist dann gerade mal mit drei Minuten geschafft. Bestechend für den angefangenen Tag.
Der nach Osten ausgerichtete Sektor "Est" bietet geniale, auch leicht überhängende Klettereien an kleinen Kanten und Auflegern. Der Sektor bietet Schwierigkeiten von 5a - 8b+, somit ist beinahe für jeden was dabei. Im Sektor kann auch im Sommer geklettert werden, denn dann bietet der umgebende Wald etwas Schatten und ab 14 Uhr ist die Sonne weg.
Dies ist wohl einer der ersten Sektoren die im Tessin fürs Sportklettern eingebohrt wurden und reicht zurück bis Anfang der 80er Jahre.
Viele lohnende Routen z.B. Tuffarsi in Acqua 7b, Schattenjagd 8a (geniale überhängende Kante), Sonnenkönig 7c, Occidente 7a+, Gamba leggere 6c+, Vergessene Welten 6c.
Wer es leichter haben will geht sofort am Beginn des Sektors Est geradeaus weiter und befindet sich dann beinahe sofort an den Einstiegen der Süd ausgerichteten Mehrseillängen Plattenrouten des Rovine del Castelliere. Dort befinden sich vor allem leichte Touren im Bereich von 3 - 6a.

Am nächsten Tag befindet sich die Wahl des Gebietes ganz unter dem Einfluß der Besonnung. Das Klettergebiet direkt am Ortsausgang von Someo im Maggiatal mit gleichlautendem Namen ist südwest ausgerichtet und hat dementsprechend viel Sonne. Insbesondere im Winter eine ideale Wahl. Der Zustieg zum Sektor Ranch geht von einem kl. Parkplatz am Ortsausgang auf anderer Straßenseite direkt steil hoch. zu laufen sind es ca. eine Viertelstunde. Die bis zu 50m hohe Wand des Sektors bietet von 6a+ - 8c ca. 35 Touren von denen keine kürzer als 20 Meter ist. Mehrere Routen sind in verschiedenen Etagen gegliedert, so ist der Anfang oft bei 6b nach einem Umlenker geht es dann schwerer weiter um dann in der "dritten Etage" ganz schwer zu werden. Die Struktur des Gneises unterscheidet sich zu P.Brolla, so sind wesentlich mehr Aufleger zu finden, alles runder.
Auch hier viele lohnende Touren, so: Etemenanki 6c, Meraviglia 7a, Cobra 6c, Shamballa 7c.
Ein weiterer Sektor mit Namen Garpagnone findet sich wenn 700m hinter dem ersten Parkplatz auf einem nächsten Parkplatz geparkt wird und dann den mit Steinmännern gekennzeichnetet Weg hochläuft ca. 20min. ca. 20 Touren
Seit diesem Jahr gibt es einen weiteren Sektor etwas weiter links beim Aufstieg mit Namen Red Island. in diesem befinden sich weitere sieben Routen bis 7c und zwei Projekte.

Bilder anklicken (3 von 9)

Etemenanki 6c 9 Vitamine 6a+, RussoDer Ort Someo im Maggiatal

 

 

 

 

 

Im Maggiatal gibt es noch viel mehr Sportklettergebiete. Kurz hinter Avegno talaufwärts befindet sich auf der rechten Seite das klassische Mehrseillängengebiet "Scaladri". Wer lange abwechslungsreiche Plattenklettereien bis 13 Seillängen im Gneis mag der ist hier bestens bedient.
Gegenüber des Scaladri befindet sich das kleine Gebiet von Torbeccio und wartet mit zwei Sektoren auf, einer für den Plaisir Kletterer und ein Sektor bis in den Grad 7c.
Einige Kilometer nach Someo kommt der Ort Cevio. Am Ortsausgang gibt es nach der Kirche, aber vor dem Altenheim einen Parkplatz auf der rechten Seite. Auf diesem parken. Der kleine Parkplatz 400m näher am Fels direkt am Hang wird von Mitarbeitern (Hausmeister?) des Altenheims beansprucht.
Die große Wand des Gebietes läßt sich schon von Cevio aus sehen. Also nach dem Parken straße überqueren, Feldweg entlang bis Feldweg kreuzt, dann kurz rechts dann geht links ein Pfad hoch ca. 20 min zu laufen.
Vom Ambiente her ist das Gebiet Cevio nicht umwerfend, doch die Klettereien der ca. 45 Touren zwischen 6c - 8b+ sind vom Besten. Lang und abdrängend und das Beste: absolut regensicher. Es kann auch nach ergiebigen Regenfällen bestens geklettert werden, no problem.
Weiter Talaufwärts ca. 36 km von Locarno entfernt kommt der Ort Prato. Hoch über Prato gibt es einen Felsriegel aus hellem Gneis im überhängenden Bereich und einem senkrechten dunklen (durch Mineralablagerung entstanden) Bereich. Der Felsriegel mit vier Sektoren ist ein relativ neues Klettergebiet, komplett eingebohrt durch Pesche Wütherich Ende 2006. Hoch oberhalb dem idyllischen Dorf Prato bietet der knapp 100m hohe Felsriegel Möglichkeiten für alle. Gut abgesicherte Routen im Plaisirbereich auf einem vorgelagerten Felsband über senkrechte Leistenkletterei bis zu ordentlichen Dynamos im überhängenden Bereich. Die nach Südwesten ausgerichteten Felsen erlauben das Klettern das ganze Jahr hindurch. Es können sich je nach Temperaturverhältnissen im Winter Eiszapfen am oberen Rand der Wand bilden, die bei entsprechend warmen Temperaturen bei Tag sich lösen können.
(Käptn Blaubär 7c, Via Aurelia 7a+)
Weitere Klettermöglichkeiten insbesondere Mehrseillängentouren sind im ganzen Maggiatal und Seitentäler z.B. Val Bavona zu finden.

Mehr Informationen im aktuellen Führer oder auch unter  bigwall.ch: www.bigwall.ch/Topos/Topos.html

Tags darauf - bewölkt. Bedenken für unser heutiges Ziel: Russo im Onsernone Tal, da eventuell zu hoch gelegen (ca. 900m). Das Onsernone Tal ist ein Nebental des Centovalli und läuft praktisch parallel zum Maggiatal in Richtung Westen. Die Bedenken zerstreuen sich bald da das Gebiet recht windgeschützt ist. Die Sonne ist relativ bald weg doch der Behaglichkeit macht das keinen Abbruch.
Nach Russo geht es vom Centovalli steil bergauf, über kleine, schmale an das tiefe Tal angepaßte Straßen geht es durch einige an den Hang geklebte Orte und Örtchen. Viele Häuser auf traditionelle Weise mit dem örtlichen Stein (Gneis) erbaut.
Dann in Russo parken vor der Kirche, den Weg neben der Kirche hoch, dieser schlängelt sich zwischen den Häusern nach oben zur Wand.
Erstmal Erstaunen über die Wand, da diese von unten zwar hoch aber dennoch unscheinbar aussieht. Dann noch mehr Staunen über die Reibung des Fels. Doch diese wird benötigt. Die Kletterei spielt sich oft an steilen Rissen oder seichten Schuppen ab die meist auch nach links zu ziehen sind und meist so schmal sind dass kein Schuh hineinpasst und besonders an den senkrechten Rissen des Sektors "Macaco"von 7b - 7c  wird die Reibung dringend benötigt, da rutscht der Fuß dann doch schon mal weg. Bewegungsrepertoire ist gefragt.
Topo: http://www.bigwall.ch/Topos/Russo.pdf

Nimmt man den weiteren Weg durch das Onsernone Tal findet sich dann kein bedeutendes Klettergebiet mehr doch verläßt man Spruga den letzten Ort im Tal weiter auf nicht mehr mit dem Auto befahrbarer Straße, so kommt man nach
kurzer Strecke an die italienische Grenze am Talgrund. Diese ist markiert mit einem Schild. Von dort aus zieht ein Pfad weiter über den Bach zu einem verfallenen alten Thermalbad. Die Athmosphäre birgt etwas Surreales - es wird was geschehen - insbesondere wenn in die halbverfallenen Räume des ehemaligen Bades geschaut wird. Dort reihen sich, mit warmem Wasser gefüllt, eine Badewanne an die nächste. Bagni di Craveggia wurde 1823 eröffnet und 1951 von einer Lawine zerstört.

Neben den hier kurz beschriebenen Gebieten gibt es noch jede Menge mehr an Klettermöglichkeiten wie

  • Arcegno oberhalb Losone, dort auch viele Bouldermöglichkeiten http://www.bigwall.ch/Topos/Arcegno Boulder 2.pdf
  • Balladrum schön, klein, herrlicher Blick auf den See
  • Claro
  • Cresciano - klettern direkt hinter den weltweit bekannten Boulderblöcken

Eine gute Übersicht über die Gebiete gibt es auf der Seite von P.Wütherich bigwall.ch: www.bigwall.ch

Ein paar Tage im Tessin zum Klettern oder Bouldern sind immer lohnenswert eben auch wegen dem etwas anderen Flair.

Eine Übersicht über einige Klettergebiete im Tessin gibt es in dieser Google-Map


Klettern im Tessin auf einer größeren Karte anzeigen

Der momentan aktuelle Topo: