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Klettern in El Chorro, Andalusien, Spanien

da ich mich letztes Jahr für einige Zeit im Süden in der Vertikalen bewegt habe, hier nun ein Überblick über das Klettern in El Chorro.

El Chorro - eines der schon lange erschlossenen Klettergebiete in Andalusien hat an Attraktivität, Ambiente und vor allem schönen Klettermetern nichts verloren. Die eine oder andere Tour hat im Laufe der Jahre, wie im Kalk so üblich, gelitten und kommt da etwas glatt daher insbesondere dann wenn Anfahrts oder Zulaufwege nicht weit sind. Doch dafür ist jede Menge an Neuland dazugekommen.

Geschichte

El Chorro entstand aus einer Arbeitersiedlung am Anfang letzten Jahrhunderts. Die Arbeiter siedelten sich an um die heute hinter der Sierra de Huma liegenden Stauseen zu erstellen (Embalse del Guadalhorce). Aus dieser Zeit stammt auch der berüchtigte, dank seines desolaten Zustandes, Caminito del Rey - der kleine Königsweg. Eigentlich stellt dieser ursprünglich einen Versorgungsweg der Arbeiter dar. Dieser zieht sich auch heute noch in schwindelnder Höhe durch die eindrucksvolle Schlucht von El Chorro, geschaffen durch den Río Guadalhorce. Leider mittlerweile arg mitgenommen sind Teile davon weggebrochen oder die zwischen zwei Eisenbahnträgern gemauerte Lage aus Backsteinen durch Steinschlag durchlöchert.
Der Zugang zum Camino wurde aufgrund eines Unfalls mit drei Toten von beiden Seiten geschlossen bzw. die jeweils ersten 20 Meter wurden abgerissen. Heute gibt es einen Weg an Stahlstiften über den Wandfuß bzw. von der Nordseite kann eine Kletterroute abgeseilt werden um zum "begehbaren" Teil zu gelangen. Zum zustande kommen des Unfalls war der Weg nicht das ausschlaggebende sondern eher die Verunglückten selbst. Über die Schlucht gespannt gab es ein Stahlseil welches den früheren Arbeitern als Versorgungslift von der einen zur anderen Seite diente. Einige Wagemutige rutschten dann von einer Seite, der Anziehungskraft folgend auf die andere Seite. Im Unglücksfall rutschten gleich drei Personen auf einmal übers Seil. Das altersschwache Seil bzw. die Verankerung hielt dem nicht stand...... das Seil liegt heute noch in der Schlucht.

Artikel von El Pais 12.08.2000 wer des spanischen mächtig ist

in Wikipedia (engl.)
wikipedia.org/wiki/Caminito_del_Rey

Video über eine Begehung des Camino


 

Im aufkommenden Sportklettern wurde die Location dann auch bald entdeckt. Nicht weit von Malaga in der imposanten, wildromantischen Landschaft der Sierra de Huma hat das Kletterherz dort alles was es benötigt.

Klettern und Sektoren

Die Möglichkeiten an Klettereien im dortigen Kalk sind sehr vielfältig. Platten, senkrechte Wandklettereien, abdrängende - und überhängende Klettereien, bestens gesicherte Sportklettereien und auch Mehrseillängenrouten von leicht bis schwer - gut mit Bolts gesichert oder auch zum selbst absichern. Zum Sportklettern ist ein 70 Meter Seil zu empfehlen und ab und zu ein 80 Meter Seil gut.
Eine Auswahl an Sektoren sind direkt im, sich hinter EL Chorro aufbauenden Felsriegel (Frontales) zu finden. Zu den ersten Sektoren am Fuß kann noch direkt mit dem Auto gefahren werden, während die oberen Sektoren, El Chorro liegt im Tal, zu Fuß erreicht werden müssen. Die existierende Forststraße ist für Autos gesperrt. Die wiederum ganz am oberen Ende liegenden Sektoren können dann mit 5 - 6 Kilometer Fahrt von oben über Piste erreicht werden.
Fährt oder geht man direkt bei den Häusern von El Chorro liegenden Stausee entlang so erscheint die nächste Wandflucht mit Sektoren. Dort wo die Bahnbrücke an der Wand in einem Tunnel endet war der ursprüngliche Aufgang zum Camino el Rey. Über den Camino, zur Sicherheit an einem Stahlseil gesichert, gehts ins Innere der Schlucht (Garganta del Chorro). Im Schatten befinden sich dort weitere Sektoren im ersten Teil und im zweiten Teil der Schlucht.
Spektakulär hier das Ambiente. Hoch über Schluchtgrund auf dem brüchigen Band des Caminos steht der Sichernde oder das Kletterteam läßt sich erstmal vom Camino nach unten ab und beginnt von dort. Auch mehrere Routen bis 10 Längen führen aus der Schlucht heraus. In der Schlucht zu empfehlen ist der Sektor El Recodo (arriba) da hier auch neuere Touren und bessere Haken, während in vielen anderen Touren innerhalb der Schlucht noch die erste Generation Bohrhaken stecken.

Auf eines der Bilder klicken
Camino über der SchluchtDie Bahn aus der Mehrseillängen Tour 'Zeppelin'Blick in die zweite Schlucht

Bilder des Caminos

Wenn sich die Schlucht zwischen dem ersten und dem zweiten Canon erweitert, münden Seitentäler. Hier finden sich dann ebenfalls weitere Sektoren. Absolutes Highlight hier ist der Felsriegel an dessen oberem Ende der Sektor Makinodromo liegt. Einzelne Routen werden dort Dank ihres Bekanntheitgrades im Winter regelmäßig zwei Monate "belagert".
Eine weitere Auswahl an super Sektoren befindet sich im Gebiet Desplomlandia. Ein Auto ist hier von Vorteil den es muß von El Chorro aus entweder im Osten über Valle Abdalajis oder in westlicher Richtung über die Stauseen angefahren werden (ca. 15km). Die Sektoren dort sind jünger, meist abdrängend und im Schatten, da nördlich ausgerichtet also super tauglich wenns noch wärmer ist.

Sektoren

Inklusiv der Sektoren im Desplomlandia gibt es momentan ca. 55 Sektoren mit ca. 1200 Touren und das Potenzial für mehr besteht. In der Nähe unweit des Ortes Valle Abdalajis gibt es ebenfalls noch mehrere Sektoren (ca. 6km).
Was die Schwierigkeit der Touren angeht, kommt jeder auf seine Kosten, den die Spanne greift von 3 - 8c+.
Bei der Auswahl der Sektoren muß auf Ausrichtung, Wind und das eigene Können geachtet werden. Da die Hauptsaison eher Mitte Oktober losgeht sollte im Sommer keinesfalls an Südwänden die Klettererfüllung gesucht werden. Diese Sektoren kann man sich fürs spätere oder frühere Jahr aufheben.
Wie erwähnt sind die Klettereien sehr vielfältig, wobei sich leichtere Klettereien auf Sektoren mit Platten oder senkrechtes Klettern beschränken. Überhängende und abdrängende Wände sind meist recht athletisch, ausdauernd und lang und eher für den gehobenen Grad. Es sind auch Touren im Bereich über 8a an senkrechten Wänden zu finden.

Der Beginner und Leichtkletterer findet sehr viel in der oberen Verlängerung der "Frontales" also des ersten hohen Felsriegels. Noch in den Frontales Medias gibt es den Sektor Austria, weiter nach oben Escalera suiza, Rocca Bella und in Richtung Valle Abdalajis die dortigen Sektoren auf Platten. Im Inneren der Schlucht gibt es die drei Sektoren der Cotos die auch einiges für den Leichtkletterer bieten. Wobei zu den älteren Sektoren gehörend zeigen sich diese mittlerweile doch recht "abgespeckt". Abgesehen vom oben genannten befinden sich auch in anderen Sektoren die eine oder andere leichte Route (Albercones, Castrojo, Escalera Arabe).
Leichte Mehrseillängen gibt es in den Sektoren Austria (Valentins day), Frontales Bajas (Amptrax) und Los Venenos. Manchmal mit Eigenabsicherung.

Der "ambitioniertere" Kletterer wird in El Chorro die meiste Auswahl finden. Sei es in den direkt oberhalb der Häuser befindlichen senkrechten "Las Encantadas", in den Frontales Bajas und Medias mit seinen Untersektoren, Escalera Arabe und insbesondere auch in allen Sektoren von Desplomlandia, innerhalb der Canons als auch auf der östl. Seite des Makinodromos findet dieser sein Betätigungsfeld. Auch die meisten Mehrseillängen Touren befinden sich in diesen Graden (Zeppelin, Cafe con Bourbon, Frente popular de Judea).

Für den Kletternden über den Grad 7c verringert sich dann das Betätigungsfeld wieder doch wird er dennoch einige Zeit dort verweilen können. Kleingriffige, senkrechte Wandkletterei bis 8b, 35m findet sich in den Las Encantadas. Selbst mit guter Hornhaut auf den Fingern schmerzen diese nach spätestens drei Versuchen. Wer die überhängenden Routen bevorzugt, wird im mittleren Teil der Frontales Medias fündig werden. Dort gibt es mit dem Sektor Poema de Roca eine große höhlengleiche überhängende, versinterte Wand bis 8a+. Dort reiht sich eine 7c/8a an die nächste. Richtig überhängend wird es dann zumeist in der zweiten Seillänge, die zusammen mit der ersten geklettert zu einer richtigen Ausdauertour mutiert. Doch hin und wieder geht mal ein Knieklemmer zwischen den Sintern und den zu finden kann von Vorteil sein. Zwingend für diese Kombinationen ist ein 80m Seil. Auch schwere Mehrseillängen wie die namensgebende Poema de Roca 7c+, deren erste Seillänge wohl die am meist gekletterte 7a ist, und die von Ines Papert und Stephan Siegrist gekletterte Muchachito Bombo Inferno 7c+ befindet sich dort.

Bilder anklicken

Frontales Medias in der Mehrseillängentour: Cafe con Bourbon 7aAblassen aus der zweiten Länge im Sektor Poema de Roca

 

 

 

 

 

 

Makinodromo
Ein absolutes Muß für den schwer überhängend kletternden ist der Sektor Makinodromo mit grandiosen Linien und tollem Ambiente. Über die Bahngleise in 1,25 Stunden zu erreichen birgt diese bis 40m hohe, bis 15m überhängende, versinterte Wand eine Vielzahl von Touren zwischen 7c und 8c+. Im überhängndsten Teil auch, DER Klassiker dort schlechthin, Lourdes 8a. An großen Sintern braucht es etwas Ausdauer um den Umlenker zu klippen. Zum Großteil bezieht EL Chorro den Ruf als Weltklasse Klettergebiet aus genau diesem Sektor.

Auch die Sektoren Triangulo, (- 8a+), Buena Sombra (- 8a) und Los Bichos (- 8b+) im Desplomlandia sind mehrere Besuche wert.

Persönliche Favoriten: Poema de Roca, La Mombia (links unterhalb von Poema), Escalera Arabe, Makinodromo, Las Encantadas, Buena Sombra.

Bilder anklicken

Makinodromo Pepe el Boludo 8a, MakinodromoLos Zauden 8a, Buena Sombra, DesplomlandiaPina disfruta 7b+, Sektor Poza de la mona, Desplomlandia

 

 

 

 

 

 

Zugang allgemein

Generell sind die Sektoren im Desplomlandia gut zu erreichen und ca. bis zu 10min. ab Parkplatz zu gehen. Es ist allerdings ein Auto notwendig um dorthin zu gelangen. Ansonsten sind von EL Chorro aus viele Sektoren zu Fuß zuerreichen. Insbesondere Las Encantadas, Los Albercones, Castrojo und der Riegel von Frontales Bajas und Medias maximal 15min. Die Sektoren im Inneren der Schlucht erreicht man in max. 1,5 Stunden. (Bahngleise)

Probleme mit dem Zugang
Die kürzeste Verbindung geht durch die Eisenbahntunnels immer entlang der Strecke, was - wen wundert es - verboten ist. Lange Zeit wurde es geduldet da zumeist doch recht viel Platz im dunklen Loch ist und den Körper an die Wand gedrückt der Zug vorbeirauschen kann. Doch seit ganze Familien mit Kind und Hund
durchspazieren hat die Bahngesellschaft striktere Maßnahmen ergriffen und die Bahnstrecke zumindest am Anfang besser abgezäunt bzw. am Wochenende wird kontrolliert und das Vergehen wird laut Verbotsschild mit bis zu 6000,-Euro geahndet. Weitere Möglichkeiten bestehen eben über den Camino zu gehen doch dies ist aufwändiger und zeitraubender. Ein weiterer Pfad führt vor der grünen Bahnbrücke nach oben, dieser biegt dann ab nach Norden, zwischen dem Massiv durch und kommt dann direkt gegenüber des Makinodromos heraus und das große Seitental ist dann zu queren, allerdings immer auf der Höhe bleibend. Diese Variante ist ebenfalls weiter.
Der aktuelle spanische Führer gibt dazu auch keine Auskunft außer "Try to find alternate paths".
Die in der Verlängerung der Frontales befindlichen Sektoren Escalera Arabe und Suiza, Serena, Rocca Bella können bequem mit dem Auto von oben über eine Piste erreicht werden. Dort gibt es einen Parkplatz vor dem Verbotsschild und dann noch ca. 10min gehen.

Klettersektoren in einer Karte

Anfahrt nach El Chorro

Am einfachsten und momentan auch am billigsten ist es mit dem Flugzeug zu kommen. Viele Gesellschaften fliegen Malaga an z.B.
Ryan Air, Condor, Air Berlin, Iberia, German Wings, Lufthansa

Mietwagen am Flughafen oder schon im Voraus können günstig gemietet werden.
Vom Flughafen zum Bahnhof Malaga fährt ca. alle 30 min. ein Zug entweder dort Umsteigen Richtung Alora oder der Zug fährt gleich durch bis nach Alora. Die Züge fahren durch El Chorro durch , halten dort aber meist nicht. Also entweder in Alora abholen lassen oder gleich den richtigen Zug nehmen.

- Mit dem eigenen Auto ist der Weg ca. 2300km (von HD) und dauert etwa 30 Stunden. Entweder über Paris, Madrid, Cordoba, Antequera oder die Mittelmeervariante.
- Mit der Bahn ist es nicht gerade kostengünstig bei 250 - 280 Euro einfach, dauert auch lange und ist in Paris und Madrid und kurz vor El Chorro umzusteigen. Dafür kann direkt vor Ort ausgestiegen werden. Auch interessant.
- Mit dem Linienbus (Eurolines) dauert es ca. 35 Stunden und kostet je nach Wochentag 150 - 160 Euro

Wann klettern

Die beste Jahreszeit ist von Mitte Oktober bis April. Damit ist es ein Winterklettergebiet. Im Sommer ist es zu heiß. Im Winter kann es auch kalt sein insbesondere Nachts, doch wenn die Sonne am nächsten Morgen kommt ist es immer angenehm zum klettern. Niederschläge gibts auch im Winter doch diese sind eher selten und wenn dann meist heftig. An heissen Tagen kann in das Gebiet Desplomlandia ausgewichen werden.

Verpflegung und Unterkunft

  • der Selbstversorger kauft am besten bei Ankunft in Malaga ein. Weitere Suprmärkte in Alora und Antequera. in El Chorro selbst gibt es einen kl. Laden am Bahnhof bei Isabelle (Bar).
  • Essen gehen im Restaurant Rocca Bella oder La Garganta
    Tapas an der Camping Bar
  • Kletterladen in El Chorro
  • Camping:
  • Direkt am Ort zwischen Bäumen. Hier gibts auch Holzbungalows zu mieten. [Edit: Gibt es nicht mehr!]
    An der Finca la Campagna kann ebenfalls gezeltet werden.
  • Schlafmöglichkeiten im Refugio, Vielbettzimmer mit Stockbetten

Persönlich habe ich mich in der Climbing-Lodge aufgehalten und kann diese auch nur weiter empfehlen. Über dem Tal gelegen bietet diese nicht nur ein tolles Ambiente sondern auch nette herzliche Atmosphäre. In der alten Finca gibt es Zimmer und Appartements zu mieten, die Gemeinschaftsräume/Küche sind gemütlich, der Swimming-Pool erfrischend und auf der Terrasse gibt es jeden morgen ein opulentes Frühstück, daß als Lunch Paket noch den ganzen Tag reicht.
Hier werden auch verschiedene Kletterkurse angeboten. Informationen über neue Sektoren und Routen gibts auch und kann zum Teil auch auf der Homepage eingesehen werden.

 

....und sonst

  • an Pausentagen
  • Kultur in Malaga, Tarifa,Ronda, Granada, Cordoba
  • Mountainbiken rund um und in der Sierra de Huma, es gibt auch einige wenige ausgeschilderte Strecken z.B. von Ardales nach El Chorro
  • Schwimmen an den Stauseen oder am Meer
  • Wandern
  • nichtstun

weitere Klettergebiete

Andalusien bietet eine Vielzahl von Gebieten. In nächster Nähe sind: Mijas, Túron, El Torcal, Villanueva de Cauche, Archidona, Loja.

Kletterführer

 

Titelbild Neuester Führer von Rockfax Dezember 2008

El Chorro (Rockfax Climbing Guide)

Titelbild Escalada en Malaga - El Chorro von Javier Romero Rubiols 11. Auflage 2007 (in El Chorro erhältlich).
Titelbild Kletterführer Spanien - Roca Espana Band Süd - Auswahlführer vieler Gebiete im Süden Spaniens, Katja & Stefan Wagenhals, Loboedition

Roca España - Band Süd: Die schönsten 115 Klettergebiete im Süden Spaniens

Titelbild Andalucía. Guía de escalada deportiva, David Munilla, Ediciones Desnivel 2007 ISBN: 978-84-9829-097-4