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Fitz Roy und Cerro Torre in 5 Tagen

Von Dörte Pietron erhielt ich vor einigen Tagen eine persönliche Zusammenfassung der Ersteigung von Fitz Roy über die Supercanaleta und des Cerro Torres über die Kompressor Route:

Text: Dörte Pietron, Photos: Rolando Garibotti

Das Wetter in Patagonien ist bekanntermassen fast immer scheußlich. Mitte Oktober habe ich bei meinem täglichen Studium der Wetterkarten jedoch ein außergewöhnlich starkes Hochdruckgebiet über Neuseeland entdeckt. Nachdem ich es eine Woche lang auf seinem Weg in unsere Richtung beobachtet hatte, ließ ich mich zu der Prognose "in zwei Wochen kriegen wir gutes Wetter" hinreißen. Dann zwei Tage vor seiner lang ersehnten Ankunft fiel plötzlich über Nacht ein halber Meter Schnee und alles war weiß. Da war guter Rat teuer, was kann man wohl Klettern bei diesen Verhältnissen?

Nach viel Hin und Her entscheiden wir uns für einen Versuch am Fitz Roy über die Supercanaleta, die einzige Route die bei diesen Verhältnissen Sinn macht. Für den Zustieg fügen wir vorsichtshalber dem ohnehin schon schweren Rucksack noch ein paar Ski hinzu und machen uns auf den Weg.

Sieben Stunden später am Einstieg der Supercanaleta eine kleine Überraschung: wir hatten ja mit zu viel Schnee in der Route gerechnet, aber bestimmt nicht mit zu wenig Eis im Couloir. Nun gut, nach einer genaueren Inspektion mit Hilfe der Kamera können wir immerhin feststellen, dass das Eis zwar an einigen Stellen sehr dünn aber durchgehend vorhanden ist. Also stellen wir den Wecker auf ein Uhr und machen es uns auf unserem Biwakstein bequem.

Die ersten 300m im Couloir sind steiler Stapfschnee, dann geht es in den Eisschlauch und nach 1000m perfekter Eiskletterei erreichen wir pünktlich zum ersten Tageslicht den 'Bloque Empotrado' wo die 'eigentliche' Kletterei losgeht. Hier macht sich jetzt der viele Neuschnee bemerkbar, so dass uns sogar Kletterstellen im fünften Grad mit Steigeisen und schneebedeckt so einiges abverlangen. Endlich am Grat angelangt  nimmt die Kletterei immer noch kein Ende, es geht über einen Turm drüber, um einen herum und durch einen hindurch. Noch 300Hm leichtes Klettergelände und um 17 Uhr stehen wir endlich auf dem Gipfel.

Wegen des vielen Schnees hatten wir uns schon im Vorhinein entschieden über die 'Supercanaleta' abzuseilen und nicht wie sonst üblich über den 'Normalweg', die 'Franco-Argentina'. Uns erwarten also ca. 40 mal Abseilen in 1400m Eiscouloir, schön in der Nachmittags/Abendsonne. Das ganze entpuppt sich als Canyoning mit komplett steif gefrorenen Seilen, die entweder gar nicht oder viel zu schnell durch das Abseilgerät laufen wollen und während wir abseilen schmilzt das letzte bisschen Eis dahin.

Exakt 24h später sind wir wieder auf unserem Biwakstein angekommen und am nächsten morgen schwingen wir genußvoll mit den Ski ins Tal. (okay und tragen sie dann noch auf dem Rücken 1000m hinab und 2h talauswärts).

Zurück in Chalten stellen wir fest, dass noch zwei weitere perfekte Tage vor der Tür stehen. Wir sind ziemlich erschöpft, denn die erste Tour der Patagonien Saison ist immer anstrengend. Die Berge erscheinen so hoch und abweisend und so fällt es etwas schwer die Motivation aufzubringen gleich wieder los zu starten. Den einen Ruhetag, den wir uns gönnen verbringen wir mit Rucksack aus- und wieder einpacken. Da die Verhältnisse immer noch ziemlich winterlich sind und wir auf die Schnelle keine bessere Idee haben, entscheiden wir uns für den Cerro Torre via Südost Grat (Kompressor Route), was uns nach dem Fitz Roy als logische Folgerung erscheint.

Am nächsten Tag marschieren wir sieben Stunden das Torre Valley hinauf ins 'Noruegos' Camp und stellen den Wecker wie gewohnt auf ein Uhr. Im Dunkeln klettern wir auf die sogenannte 'Schulter' und dann weiter eine wunderschöne Seillänge nach der anderen. Perfekter Fels, ein bisschen Eis, warum nochmal wird immer über Maestri's Kompressor Route geschimpft?

Dann geht es los mit Maestris Bohrhakenleitern. Wir klettern simultan, um Zeit zu sparen, hunderte Male derselbe 'Move' von Haken zu Haken, ca. 450 mal. Richtig, das war also der Haken an dieser Tour. Während ich mich etwas gelangweilt von Haken zu Haken hangele muss ich an die Cerro Torre Westwand denken mit ihrem Märchenland aus Eispilzen, natürlichen Tunneln und keinem einzigen Bohrhaken, die ich vor zwei Jahren geklettert bin. Dagegen kommt mir das hier wie reine Arbeit vor.

Das Wetter ist komisch, immer mehr Föhnwolken erscheinen am Horizont und immer stärkerer Wind kommt auf. Als wir um 17 Uhr das Plateau direkt unter dem letzten Gipfel Eispilz betreten bläst es uns fast um. Die 30m auf den Gipfel Eispilz sind zum Glück unproblematisch, aber da oben ist die Hölle los, an Aufstehen für's Gipfelfoto ist nicht zu denken und auf allen Vieren machen wir uns schnellstens an den Abstieg.
Die letzten drei Abseilen auf die 'Schulter' machen wir im Dunkeln und dort angekommen beschliessen wir eine Pause zu machen, denn wir haben seit über zehn Stunden nichts getrunken. Wir graben uns eine Terasse in den Bergschrund, dem einzigen windgeschützten Ort und machen es uns dort bequem. Mein Kletterpartner will weiter in den Bergschrund hinein, aber da ich nur ein schwarzes Loch unter uns sehen kann, bin ich von der Idee wenig begeistert. Das Loch stopfen wir mit Schnee voll und setzen uns drauf. Ob das wohl hält??? Es fängt an zu schneien und da die Abseilstellen unterhalb der Schulter teilweise schlecht zu finden sind beschließen wir auf Tageslich zu warten. Immerhin haben wir einen Biwaksack, aber keinen Schlafsack und es ist KALT!

Als es endlich hell wird machen wir etwas heißes Wasser - ach, wie schön wäre jetzt ein Teebeutel! - und seilen weiter ab. Wieder in Noruegos angekommen schlafen wir eine Stunde, packen unsere Sachen zusammen und marschieren die sieben Stunden zurück nach Hause. Was für eine Woche!

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Im oberen Teil der Supercanaleta, copyright Rolando Garibotti Auf dem Gipfel des Fitz Roy, copyright Rolando Garibotti Abstieg vom Gipfel des Fitz Roy, copyright Rolando Garibotti Am Suedost Grat des Cerro Torre, copyright Rolando Garibotti