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Blick vom Moses in den Taylor Canyon

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Hasse-Brandler, Drei Zinnen, Dolomiten

Sieben Stunden gefahren, ca. 620 Kilometer, um 19:30 standen wir auf dem Parkplatz oberhalb der Aronzo Hütte direkt unter der Südwand der Drei Zinnen. Nach und nach füllte sich der Parkplatz mit Autos insbesondere solche in denen man nächtigen kann.
Es schien gerade so als ob alle in den Startlöchern standen schon seit Wochen um das allgemein gute Wetter am Wochenende zu nutzen um in die Zinnen einzusteigen. Der Parkplatz ist die schnellste und näheste Möglichkeit zu den Zinnen. So auch für uns. In knapp einer Stunde in die Nordwand der Grossen Zinne. Der Parkplatz hatte sich bis 22 Uhr so weit gefüllt, dass kein in der Nacht oder am frühen Morgen ankommendes Fahrzeug Platz fand. High Noon zum Sturm auf die Zinnen.
6.SL Hasse BrandlerMorgens um vier Uhr kam es dann auch zu einem Stirnlampengewitter am Parkplatz. Wecker klingelten, die Übernachtenden in den ehemaligen Bunkern am Fuß der Südwand kamen herunter, Kaffe wurde gekocht. Es ging los.
So standen wir kurz nach sechs Uhr am Einstieg der Hasse-Brandler. Der Route durch die Nordwand, erstbegangen in viertägiger Arbeit von Hasse, Brandler, Löw und Lehne auf der Suche nach der direkten Linie. Die klassische Route, durch Alex Hubers Solo Begehung nochmal einen Bekanntheitsgrad zugelegt.

Im Topo von Walter Lackermayr (siehe Verweis unten) ist die Route charakterisiert als: Begeisternd ausgesetzte und brutal anstrengende Kletterei im alpinen Circus Maximus. Der Fels ist "auch nicht überall fest wo's brüchig aussieht", die Absicherung birgt v.A. für Techniker Hochspannung.

Vor uns eine weitere Seilschaft wie zu erwarten. Also erstmal Schlange stehen. Nach einer halben Stunde, Einstieg. Der Fels ist glatt und nass. Es hat lange und viel geregnet immer wieder. In den Rissen und Verschneidungen drückt sich das Wasser durch, nass sind auch die Leisten der horizontalen Schichtungen. Die Bedingungen sind bei weitem nicht perfekt. Schon in der zweiten Länge passieren wir durch einen Verhauer die erste Seilschaft. In der dritten Seillänge gehts dann auch schon das erste Mal mit 6c über ein Dächlein etwas kräftiger zur Sache. Zum ersten Mal bereue ich den Rucksack auf dem Rücken zu tragen und nicht nach zu ziehen.
Die nächsten zwei SL hängen wir zusammen. Die weiteren Längen sind dann meist zu lang um aneinander gereiht zu werden. Nach einem 7er Quergang und einer brüchigen Verschneidung ist der Stand erreicht an der die Route "Phantom der Zinne" kreuzt. In dem Moment kommen dann da auch zwei im Klettergeschehen nicht ganz Unbekannte aus dem Phantom. Nach einem netten Plausch und einem Schluck aus unserer mitgebrachten Coca-Cola..... Coke ist gar nicht so schlecht in der Wand.... gings bei uns mit einem leichten 40 Meter Quergang weiter. Dann standen wir auch schon unter der Dachzone mit den vier Schlüsselseillängen.
Erbarmungslos steilt sich hier die Wand auf und was von weiten schon andeutungsweise sichtbar war - die Seillängen waren komplett nass. Hier nahm jetzt auch die Dichte der alten geschlagenen Haken zu. Trost gab uns der einzelne Bohrhaken an jedem Stand, die Alex Huber nach seiner Solo Begehung angebracht hat. Diese sind zu finden bis zum Biwakband oberhalb der Dachzone. Für die letzten Längen muss ohne die guten Haken ausgekommen werden.
Also los gings in die erste der vier Längen, trotz Nässe und Schlontz in den Griffen unterm Dach ging die noch gut. Noch die Füsse schnell hochgerissen auf einen Zwischenabsatz im Dach dann nach 30 Metern: Stand.
Hier gibts dann auch der einzig richtige Hängestand. Ausgesetzt ohne Ende weit weg vom Wandfuss mit gigantischem Blick in die ganze Nordwand hinüber zur Comici wo sich die Seilschaften an diesem perfekten Gutwettertag wie eine Perlenschnur hinaufziehen.
Hatte ich die meiste Zeit Jacke verflucht, weil zu warm war sie mir jetzt an diesem Stand ausgesprochen nützlich. Es regnete. Es regnete aus dem Dach über uns, aus der nun kommenden Länge, na toll. Hier gäbe es noch die Möglichkeit einen geordneten Rückzug anzutreten, mit abseilen und pendeln um einen der Stände des Phantoms zu erreichen. Das Dach wurde nun noch steiler und durch Wasser auf großen seifigen Griffen auf weite Strecken nicht mehr frei kletterbar, machte ich mich durch diese 25 Meter. Stand auf kleinem Band. 50 Meter neben uns zogen die Phantombesteiger ihre Bahn. Mein Seilpartner Krille flog dann im Nachstieg mit Rucksack aus den glitschigen Griffen und hing dann drei Meter unterm Dach und konnte erst nach mehreren Versuchen mit dem Prusik wieder an den Fels gelangen. Das kostet Kraft. Die nächste Länge war obwohl nicht ganz so steil ähnlich nass, doch die dann anschließende so gut wie trocken. Nach 40 Metern, Seilzug bis zum Anschlag endete diese an einem Stand in einer 6+ Verschneidung. Holdrio jetzt wirds leichter, doch nun sind die Arme lahm und beim nachziehen gibts einen Krampf im Oberarm. Jetzt muss nochmal die Psyche ran. Die Absicherung mit Rosthaken wird schlechter. auf dem Biwakband gibts dann das Wandbuch.

Spannend wurde es dann noch in der vorletzten Seillänge als vor mir dieser 15 Meter hohe komplett nasse, grüne Kamin auftaucht - no way, nicht mit mir. Es soll irgendwo eine Möglichkeit geben weit links zu traversieren. 15 Meter hin und her traversiert - nichts gefunden. Dann auf halb elf ca. 8 Meter entfernt Bohrhaken, was macht der hier, ok angeklettert fünf Meter drüber noch einer dann nichts mehr. Entscheide mich für Traversierung leicht ansteigend nach rechts. Nach Metern ohne Absicherung - jetzt nicht fallen - befinde ich mich oberhalb des Klemmblocks im Kamin. Absicherung an kleinem Felskopf, weiter noch zwei geschlagene Haken, dann mächtig Seilzug. Es geht nicht mehr weiter. Stand am Riss mit zwei Camalots und lange Schlingenverlängerung zum letzten Haken. Krille erreicht im Nachstieg den rettenden guten Griff im Quergang nicht und pendelt einige Meter. Der 2er und 3er Camalot passen perfekt, auch schön.
Auf den letzten 60 Meter Länge gibts dann einen geschlagenen Haken, die Kletterschuhe drücken, das Cola ist schon lange leer und dann ist es da, das Ringband. Ich spüre die Müdigkeit, Kletterschuhe aus Turnschuhe an, kein Sturz, kein Haken rausgerissen. Jetzt noch 300 Meter auf dem schmalen Ringband entlang zur Abseilstelle. Geduldig seile ich den Normalweg ab, die Spannung ist vorbei. Die Dunkelheit ist schon da als wir in die Schotterrinne am Fusse der Grossen Zinne ankommen.

Daten:
600 Meter Kletterlänge bis zum Ringband, 550 Meter Wand, 8+/9- frei, ca. 15 Exxen, Keile, Camalots bis Größe 3, mind. 4 Schlingen.

Bilder anklicken (3 von 19)
Traversierung in 6. SL,   Photo: Krille Krille in 11.SL, Hasse Brandler Drei Zinnen

 

 

 

 

 

Bericht und Topo von Walter Lackermayr auf der Seite von Markus Stadler 

 

Es war ein Kletterhighlight für mich

Diese Ausgesetztheit und überhaupt das Feeling in dieser überhängenden Wand fand ich einmalig. Leider kommt das auf den Fotos nicht so raus. Am besten den Bildschirm schnappen, über den Kopf halten und dann die Bilder betrachten. So sind die Fotos in der Dachpassage auch entstanden, mit der Kamera 90° über dem Kopf. Ich war ganz glücklich, dass wir die Wechselführung für die 4 Seillängen in der Dachzone ausgesetzt haben und diese an Roland gingen. Danke Roland.
Für mich war dies eine der spannendsten aber auch kräftezehrendsten Alpintouren bislang. Mit 17 Stunden von car to car auch eine der längsten biwakfreien Touren. Ich glaub das liegt nicht nur am Alter.
@Nils und Hannes
Durch die erfrischende Teamarbeit beim Abseilen und Abklettern im Dunkeln sind wir alle schneller zum ersehnten Bier gekommen.

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