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Blick ins Yosemite Yalley

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Sommernachlese – Chamonix ist immer eine Reise wert

Klettereien im Granit von Chamonix

 

Wer die Kletterei im Granit mag der kommt früher oder später nicht am Granit von Chamonix vorbei. Speziell der rötliche, feste Granit mit vielfältigen Strukturen begeistert immer wieder. Also ging es diesen Sommer wieder ins Mont Blanc Massiv. Zuerst ins Val de Ferret.
Leo und Ralf kannten da einen guten Parkplatz am Ende des Tales als Anlaufbasis für die ersten Tage. So starteten wir am ersten Tag zu viert (Leo, Ralf, Hartmut, Krille) eine knappe Stunde in Richtung Dalmazzi Hütte an die Parete dei Titani.
Da gibt es gut gesicherte alpine Sportklettereien bis zu 10 Seillängen. Also die beste Art um wieder reinzukommen in die Granitkletterei. Platten, Reibung, Risse und Käntchen alles dabei. Wir hatten zwar kein Topo, aber die Klettereien ließen sich auch ohne Wissen der Schwierigkeitsgrade super spulen, so dass 15 Seillängen schnell zusammenkamen. Am 2. Tag starteten Leo und ich ein Konditionstraining in Form des Zustieg zur Dalmazzi Hütte (800 Höhenmeter) und dann noch weitere 400 Höhenmeter weiter hoch zum Klettern an die Monts Rouges de Triolet. Nachhinein ist man schlauer, statt des 2. Zustieges hätten wir die Höhe auch über eine der Routen am Vorbau erreichen können. Die Kletterei am Monts Rouges de Triolet (profumo prohibito) ist lohnenswert, schöne Plaisierkletterei im festen Granit. Beim Abstieg waren wir schlauer und seilten über eine Route am Vorbau ab.
Die Dalmazzi Hütte ist klein und übersichtlich, die Portionen beim Abendessen waren es ebenfalls. Ein angekündigter Wetterumschwung bescherte uns frühes Aufstehen. Die in Angriff genommene Piola Route entpuppte sich auch ernsthafter als die Routen der Vortage. In Anbetracht der Wetterlage entschieden wir uns, nachdem die Piola Route die klassische „Kermesse“ erreicht hatte, zum Abseilen und zügigen Abstieg ins Tal. Eine weise Entscheidung, denn bis auf die letzten 5min blieben wir trocken. Nun hieß es erst mal 2 Tage Regenwetter auszusitzen und den Abtrocken-Tag nach dem Regen mit alpinen Sportklettereien zu verbringen.

 

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 Blick vom Val de Ferret zur Dalmazzi Hütte Ralf in der Platte Blick zum Parkplatz

An Regentagen kann man auch träumen, von weiteren Zielen und was noch so alles gehen könnte in diesem Urlaub. Da ist zum Beispiel der Grand Capucin, der als am schwersten zu besteigender Berg der Nordalpen gilt. Mit seinen 3838m bricht er zwar keine Höhenrekorde aber der exzellente Granit wird gerühmt und zieht spätestens seit der Begehung durch Walter Bonatti 1951 Kletterer aus aller Welt an. Der Zustieg über den Glacier Geant und die ca. 500 m Klettermetern sind ein lohnendes Ziel und ein noch offener Traum.
Also auf geht’s, ein Schönwetterfenster ist da, mit der Seilbahn auf die Turiner Hütte. Da die neue Turiner Hütte voll belegt ist bekommen wir ein Nachtquartier unten in der alten Hütte. Aber erst mal ist eine Vortour angesagt. Über den Gletscher geht es zum Nachbargipfel des Grand Capucin dem Roi de Siam. Die Kombination Steigeisen/Seil beim Gletscherzustieg ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Auch das Hinüberwursteln und mit den Steigeisen Herrumscharren bis man den Bergschrund überwunden hat und am 1. Bolt ist, zählt gewiss nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Aber das Klettern im Granit macht Freude. Leo kannte an diesem Gipfel eine Route, aber letztendlich war es dann doch eine andere Tour, aber schön war es. Den Schwierigkeitsgrad kann man ja auch abends auf der Hütte erfragen.

Die Frühstückzeiten auf der Turiner Hütte werden mit 2:00, 4:00 und 6:00 Uhr angesetzt. Wir entschieden uns für die Mitte. Nach dem Aufstehen war erst mal Frühsport in Form der ca. 200 Stufen hoch zur neuen Turiner Hütte angesagt. Im Dunkeln ging es den nun schon bekannten Weg über den Gletscher. Auch die Dunkelheit macht mir die unbeliebte Verbindung Steigeisen/Seil nicht sympathischer. Am Fels angekommen tauchte die Sonne den Gipfelbereich schon in leuchtende Farben. Wir stiegen über die „Flagrant Deliere“ ein, um uns dann nach links in Richtung des Beginns der Bonattibänder zu halten, bei denen die eigentliche Schweizerführe beginnt. Weiter geht es in herrlicher Verschneidungskletterei in die Höhe. Das Wetter spielt auch mit, Sonnenschein und fast kein Wind also super Bedingungen. Die Stände sind gebohrt und zwischendurch lässt sich die Route sehr gut selber absichern.
Der Trident Gipfel nebenan eignet sich super als Orientierung über die eigene Kletterhöhe. Irgendwo im oberen Drittel jubele ich mich einen schönen Doppelriss hinauf um dann festzustellen, dass dieser in einer glatten Platte endet. Mist! Ein Blick nach rechts unten verschafft Klarheit, der Strand liegt ca. 10 m unter mir. Also im Abklettern die Friends wieder raus und immer unter mir wieder rein. Aber den guten roten Einser Cam hab dann doch zu blöd unter mich gesetzt. Der liegt am Anschlag und muss da bleiben. Ein Seil durch gefädelt und nach rechts zum Stand gependelt. Weiter geht es in doch etwas anstrengender Fingerriss-Kletterei nach oben. Kurz vor dem A0 Dach biegen wir dann nach links über einen Riss in die „O sole mio“ ab. Das war eine richtig gute Empfehlung von einem Bergführer und der Alex Huber hat es bei seiner Solo Begehung wohl auch so gemacht. Dort zur Abwechslung mal eine Platte mit Bolts, dann noch die 2 leichten letzten Längen zusammengehängt und wir sind nach 15 Seillängen oben am schmalen Gipfelgrat. Hinter uns der Mont Blanc und vor uns auf gleicher Höhe die Aiguille du Midi und das ganze Panorama des Glacier du Geant bis zum Mer de Glace.
Über den schmalen Gipfelgrat geht es bis zur Abseilstelle und über die „Echos des Alpages“ hinunter. Die Abseilerei ist eindrucksvoll und spannend zugleich, denn einen Seilverhänger wollen wir in diesem steilen Gelände unbedingt vermeiden. Die Szene und die Unmengen an exzellenten Granit erinnern mich an den El Cap, auch wenn´s da wärmer war. Im unteren Drittel verlangsamt sich das Tempo drastisch, eine italienische 3er Seilschaft kämpft mit sich und ihrem Seilsalat. Aber alle kommen gut unten an und noch rechtzeitig zum Abendessen auf die Hütte. Knappe 15 Stunden sind seit dem morgendlichen Abmarsch im Dunkeln vergangen. Am nächsten Tag geht es runter ins Tal und durch den Tunnel nach Chamonix. Hygiene-Tag auf dem Camping ist angesagt.

 

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 auf zu den Satelliten des Montblanc du TaculGipfel Roi de Siam, links der Grand Capucin Gipfelgrat

Am Ruhetag wachsen gleich die nächsten Träume. Wie wär es mit dem Cordierpfeiler an der Aiguille des Grands Charmoz?
Den Biwakplatz kenne ich und da hängt noch ein Sack vom Vorjahr von der Umkehr am falschen Einstieg. Dazu noch 800 selbstabzusichernde Klettermeter in Riss und Verschneidungskletterei. Also alles gepackt, mit der Seilbahn zur Mittelstation Plan de l´Aiguille und von dort ins Biwak am oberen Ende der Moräne. Als Vortour hatten wir uns eine Route am Pilier Rouge de Blaitiere ausgesucht. Die ersten 6 Seillängen der „ L Eau Rance de Arabie“ kannte ich schon, aber die Route ist schön und es lohnt sich eine Wiederholung. Für die letzte Seillänge ist ein Friend 4 obligat. Haben wir nicht, es ging wie schon andernorts auch ohne.

Der Nachmittagsnebel nahm uns leider die Sicht auf Chamonix und die Temperatur ging auch nach unten. Die folgende Biwaknacht war kühl und die erste Morgensonne beschien die Wolkendecke unter der im Tal Chamonix lag. Der Einstieg war vom Vorjahr bekannt und so ging es mit klammen Fingern los. Da hilft nur schneller klettern. Die Route hat auf der gesamten Länge nur 3 Bolts, die meisten Stände sind mit Normalhaken und Blockschlingen eingerichtet. Alpines Gespür ist wichtig, da auch rechts und links in Varianten Normalhaken stecken. Die Kletterei spielt sich meist in Verschneidungen und Rissen ab, die die Friends bereitwillig aufsaugen und zügiges Klettern erlauben. Im oberen Teil wird der Granit rötlich und es beginnen die knackigen Risse. Einen herzhaften 40m Fingerriss muss ich wegen eines kurzen Formtiefs an Leo abtreten. Die Seillänge 22 bietet einen cleanen Handriss mit dem Kommentar Friends 4 nötig. Na das ging doch gestern auch ohne. Also schrubbe ich mich getreu des Mottos „Riss ist Leben“ das Ding hoch.
In Anbetracht des uns jetzt umwabernden Nebels verzichten wir auf die letzte Seillänge und seilen ins graue Nichts ab. Das Gelände ist prädestiniert für Seilverhänger. Und prompt klappt es auch 2 mal. Da der obere Teil des Gipfels jetzt mit der späten Nachmittagssonne beschienen wird, rauschen von dort zum Teil mikrowellengroße Brocken herunter und illustrieren eindrücklich warum der Gletscher im Einstiegsbereich tiefschwarz ist. Also runter in die Randkluft und schnellstmöglich weg vom Fels in den Bereich wo der Gletscher seine natürliche Farbe hat. Aus etwas Entfernung kann man dann einen beruhigten Blick zurück werfen. Das letzte Tageslicht sieht uns dann nach 15 Stunden fertig, aber zufrieden ins Biwak eilen. Das kalte Taboule ist zwar nicht der Hit, füllt aber die Kalorienspeicher wieder auf. Am nächsten Tag ging es ins Tal und es ist ein schönes Gefühl in Chamonix in der Sonne zu sitzen, beim Kaffee die Leute zu beobachten und ab und an mal einen Blick nach oben in die andere Welt zu richten. Klettern rund um Chamonix ist immer wieder schön und eine bleibende Erfahrung.

 

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im Biwak mit Blick auf die Aiguille de I`Müber Chamonixim oberen Teil

Die Fakten

Infos zu den alpinen Sportklettereien an der Parete dei Titani im Internet:
http://www.camurrilamberto.it/bianco/pareti%20dei%20titani/pareti%20dei%20titani.html
http://matteo-giglio.blogspot.de/2012/07/parete-dei-titani-13-ans-de-ref...
http://www.gulliver.it/itinerario/10975/ Routen am rechten Nachbarpfeiler

Klettereien rund um die Dalmazzi Hütte
http://www.rifugiodalmazzi.com/ unter Vie di Scalata

Grand Capucin
Ein aktuelles komplettes Topo mit allen Routen von Capucin gibt es derzeit weder käuflich noch im Internet. Der Kletterführer von Romain Vogler Chamonix Granit von 1990 ist nur für eine grobe Übersicht geeignet. Die Schweizerführe ist dort mit 5c obl. gelistet. Für etliche Seillängen wird dort 4b ausgeworfen. Achtung dies ist eine klassische Chamonix Einstufung. Es wird etwas mehr gefordert (Laut Internet 6a+ obl.). Topo der Schweizer Führer im Eberlein Führer. Abseilpiste im Topoguide Band 1 Führer.
Mit Einstiegslängen ca. 500 Klettermeter in 15 – 16 Seillängen 6a/6a+ obl.; Stände gebohrt, vereinzelt Normalhaken als Zwischensicherungen, Friends bis Cam 3 und Keile obligat, Verlängerungsschlingen; Steigeisen und Pickel für Zustieg.

Grands Charmoz
Gute Topos (Cordierpfeiler und Blaitiere) im Topoguide. Ansonsten sind die alten Piola-Führer noch aktuell.
Ca. 800 Klettermeter in 23 Seillängen, Stände Normalhaken und Blockschlingen, Normalhaken als Zwischensicherungen, nach oben deutlich weniger, Friends bis Cam 3 (für Seillänge 22 Cam 4) und Keile obligat, Verlängerungsschlingen, Steigeisen und Pickel für Zustieg.

 

 

 

 

Neuer Kletterführer Dalmazzi Hütte Stand 05 2016


Für alle Klettereien rund um die Dalmazzi Hütte gibt seit Mai 2016 einen 81 seitigen pdf Kletterführer mit Topos, Zustiegsinfos und Fotos zum kostenfreien downloaden.

siehe --> unter http://www.rifugiodalmazzi.com/risorse/Arrampicare_al_Triolet.pdf.

Enthalten sind sowohl die Routen

rund um die Hütte (Contrafforti del Rifugio Dalmazzi),

an den Gipfeln Monts Rouges de Triolet, Gemelli de Triolet, Aiguille Savoie, Aiguille de Leschaux

und die Routen im Zustiegsbereich an der Parete dei Titani.

 Ist gut gemacht das Teil.

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