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Christian am Bloc 7

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Klettern in der Sonne Teneriffas

Klettern in der Sonne Teneriffas - Nicht der beste Fels der Welt, aber garantiert das beste Wetter

Herbstwetter und verfrühter Wintereinbruch - also auf in sonnige Gefilde! Da war doch so ein Artikel in einer Kletterzeitschrift mit Fotos von roten sonnigen Basaltfelsen auf einer Insel. Na das klingt doch nach klettern in der Sonne, baden,  südlicher Gelassenheit, einfach nach Urlaub. Also auf nach Teneriffa dem Vulkangebirge im Meer.
So sind wir Mitte Oktober auf Teneriffa unterwegs ins größte Klettergebiet Arico. Selbiges liegt wie die meisten Klettergebiete im südlichen Teneriffa in einer Schlucht. Wir steigen hinab in die Schlucht, ah da sind schon die ersten Bolts und der Umlenker ist auch schon zu sehen. Na ja, das sind zwar bloß 6 - 7 Klettermeter, aber wir sind ja erst am Anfang der Schlucht. Ok, weiter hinten werden die Routen länger, aber mit unserem 70 m Seil sind wir doch deutlich überequipt. Für den oberen Teil der Schlucht von Arico reicht ein 40m Seil. Im unteren Teil sind die Routen etwas länger aber auch deutlich steiler. Unter 6b ist da nichts zu holen und gutes Hallentraining zahlt sich hier aus.  Der Basalt von Arico ist glatt und hat als spezielle Besonderheit viele Löcher aufzuweisen. Der Routenverlauf ist von weiten sichtbar durch die vielen Chalkspuren. Gutes Stehen ist angesagt und neu für mich war, dass Basalt auch abspecken kann.
Im Nachbargebiet El Rio über einem ausgetrocknetem Stausee sind die Routen länger und das typische Schluchtgefühl wird durch ein weiteres Blickfeld ersetzt. Leisten, Risse, Verschneidungen und Kanten prägen das Klettern. Ganzkörpereinsatz ist mitunter angesagt. Im Sektor Presa fanden wir für uns die schönsten Routen der Klettergebiete im Süden von Teneriffa.
Eine Schlucht weiter liegt das Klettergebiet Las Vegas.  Der Zustiegsbereich und auch der Wandfuß ist garniert mit üppiger Kakteenvielfalt. Routen bis 30 Meter, Kletterei an Leisten und Risse und viel "Autoprotection".  Hier muss für den "automatischen Schutz" selbst gesorgt werden, Friends sind im glatten Basalt neben dem einem oder anderem Keil das Mittel der Wahl. Der linke Bereich hat deutlich mehr Risse und ist leistiger strukturiert.

Bilder anklicken (2 von 10) © Krille
Arico, untere Schlucht El Hoyo

Die restlichen Gebiete in der Umgebung von Arico verteilen sich auf teilweise sehr enge Schluchten mit eher Klettergartencharakter. Das Gebiet el Hoyo, übersetzt die Grube, trägt diesen Namen zurecht.  Ein Besuch dieser kleineren Gebiete lässt sich gut mit einem halben Badetag kombinieren.

 

Am beeindruckendensten fanden wir jedoch das Klettern in der Canada del Capricho auf etwas über 2100 m Höhe. Immer mit  Blick auf den 3718 Meter hohen Teide und die rotbraunen Lavaströme, die dem Gebiet das Flair einer Mondlandschaft verleihen. Der Basalt ist goldgelb und bietet ein breites Spektrum an Felsstrukturen. Von extrem glatten Wänden bis zu skurrilen Verwitterungsformen ist alles vorhanden. Die Orientierung in diesem Klettergebiet erfolgt anhand von Fotos und stellt Anforderungen an den Spürsinn. Hat man dann aber Routen wie die "linea magica" gefunden, dann wird man mit super Kletterei im kaum zu überbietenden Ambiente belohnt. Wer einen Höhenbonus bei der Bewertung erwartet, der wird enttäuscht, die Einstufung ist nicht südfranzösisch sondern oldschool.
Das ist auch an der "La Catedral" dem Rest eines Vulkanschlotes so. Hier ist alpines Klettern und solider Umgang mit Friends und Keilen Voraussetzung. Die Routen sind komplett selbst abzusichern und auch für die Standplätze ist teilweise selber zu sorgen. Zur Orientierung gibt es nur ein Foto mit dem groben Verlauf der Routen. Dafür klettert man aber an den eigenwilligsten Strukturen und garantiert ohne Chalkspuren. Wir haben hier oben in den Canadas keine anderen Kletterer getroffen. In den Klettergebieten um Arico waren etliche freundliche Locals am Fels unterwegs.

Bilder anklicken (3 von 11) © Krille
Teide mit Roques de Garcia Bobo am Fraggel Rock in den Canadas Kletterer Suchbild La Catedral
 

 

 

 

 

 

Fakten

Ein Blick auf die Schwierigkeitsverteilung der über 600 Routen  (Arico und Canadas) zeigt, dass Teneriffa kein typisches Anfängergebiet ist.

 Bereich der Routen  - 6a  6a+ - 6b  6b+ - 6c+  ab 7a
 16%  18%  25%  41%

Zu beachten ist, dass die Bewertung zwar nach der französischen Skale erfolgt, die Einstufung sich aber eher an der der alten Schule als an Plaisiermaßstäben orientiert. Mit Pfälzer Bewertungsvorstellungen liegt man nicht falsch.
Für über 80 % der Routen in den Sportklettergebieten ist ein 50 m Seil ausreichend. Mit einem 60 m Seil geht fast alles. Für die alpinen Klettereien in den Canadas (Roques de Garcia und la Catedral) ist ein Doppelseil nötig um wieder zum Ausgangspunkt zurück zukommen.

Es gibt noch weitere Klettergebiete: Guia de Isora im Westen (Teilweise im rockfax miniguide), Martianez bei Puerto de la Cruz im Norden (rockfax miniguide), Tabares im Nordosten bei Santa Cruz (rockfax miniguide).

 

Kletterführer

"Escaladas en Arico" von 2007 beinhaltet über 500 Routen in 11 Gebieten und 2 Bouldergebiete rund um Arico auf der Südostseite von Teneriffa. Aktuell ausverkauft, eventuell Restexemplare auf der Insel. Leihexemplare bei Nick im Outdoorladen in Granadilla  (www.tenerifeoutdoor.com). Neuauflage ist geplant. Allgemein wird viel gebohrt, es entstehen ständig neue Routen und neue Gebiete werden erschlossen. Die aktuellen Informationen hat Nick im Outdoorladen in Granadilla.

"Principales Zonas de Escalada en Roca" (2004) ein Heftchen mit Fotos der Felsen in den Canadas mit eingezeichneten Routen. Die Profifotos sind sehr schön, der Informationsgehalt hat nur orientierenden Charakter. Das gilt besonders für die alpinen Routen. Derzeit vergriffen, Leihexemplare und Fotos zum kopieren für die Sportklettereien in den Canadas del Capricho bei Nick im Outdoorladen in Granadilla.

"Tenerife Mini Guide" von rockfax.com (www.rockfax.com) für 3,35 € zum downloaden. Stand 03/2003. Mit etlichen Fehlern bei den Namen und in den Bewertungen (etliche 6a sind dort als 6c bewertet). Vorteil Längenangaben für die Routen und hilfreiche Orientierungsübersicht für die Sportklettereien in den Canadas del Caprichio.

 

Unterkunft

Die Klettergebiete liegen im Südosten der Insel um Granadilla und in den Canadas de Teide.  Penny (die Frau von Nick) vermittelt günstige und stilvolle Unterkünfte rund um Granadilla (www.tenerifelodge.com) und günstige Mietwagen. Dort gibt es auch jede Menge praktischer Zusatzinformationen - kompakt und zuverlässig.

 

weitere Informationen

Klettern 04/2009 hat einen gut recherchierten Artikel, komplett auch unter www.klettern.de
CLIMB! 4/2009 hat ebenfalls einen Artikel, aber deutlich oberflächlicher.
www.roxtar.es  Informationen von Locals zum Klettern auf Teneriffa

Im Klettern 09/2002 (Seite 60 - 67) und im Rotpunkt 02/1999 (Seite 35 - 38) sind informelle Artikel aus den Anfangsjahren des Kletterns auf Teneriffa zu finden.