News

  • Begehungen und Neutour
  • Neu: Kletterkalender "Zeit im Griff 2018"
  • Arbeitseinsatz Schriesheimer Steinbruch
  • Neue Außenkletterwand der Kletterhalle Heidelberg
  • noch ne Kombi-Erstbegehung

Bild aus Archiv

Sunset

Neueste Kommentare


Newsfeeds dieser Seite einbinden

Klettern in der Agiofarago, Kreta

 

Nach einem klettertechnisch eher anspruchsvollen September ging es denn im Oktober auf die griechische Insel Kreta.
Wie im Voraus schon klar eher zum extrem entspannen und weniger zum Klettern. Kreta ist auch keiner der Hotspots und auch nicht ganz bekannt zum Klettern.
Doch unweit unseres "Basecamps" in Pitsidia im Süden Kretas gibt es die Agiofarago (Schlucht) eines der noch immer
wenigen Klettergebiete auf der großen Mittelmeerinsel. In Sachen Klettern etwas unterentwickelt wenn man den kleinen
"großen" Bruder Kalymnos betrachtet. Zugegeben die Dichte auf engstem Raum ist hier nicht möglich und die Zugänge zu den Gebieten sind nicht so komfortabel aber es bestehen weit mehr Möglichkeiten als momentan vorhanden. Auf alle Fälle hat es mich dann doch einige Male in die Schlucht gezogen.

Kreta - Jahrtausende alte Kultur, große Insel im Mittelmeer, Handelsknotenpunkt in der Antike, Raki trinken bis zum Abwinken, schon die Römer haben die Insel abgeholzt seit dem geben die allgegenwärtigen Ziegen ihr Bestes dazu, die Landschaft karg zu erhalten und lassen auch den Kletterer besser einen Helm tragen da die Ziege immer oben steht - in der Wand.
Kreta - geologisch ein Span an tektonischer Grenze, im Süden nordafrikanisches Klima am Lybischen Meer. Dutzende von Schluchten durchschneiden die Insel von den fast 2500 Meter hohen Bergen bis zum Meer. Viele Schluchten für den Kletterer nicht erschlossen, viele nicht mal begehbar.
Wildes Kreta - die Vendetta ist noch wach, 100 000e unregistrierter Waffen, unbeugsame Gesellschaft, verschlossen,
freundlich und stolz, traditionell und stoisch. Viele hundert Jahre Fremdherrschaft und Unterdrückung haben Spuren
hinterlassen. Veränderungen abseits des Tourismus gehen langsam, die Staatsmacht in Athen ist weit.
Spiegel: 1985
www.20min.ch - 2009

Der Anfahrtsweg zur Agiofarago geht über eine Piste. Je nach Zustand kann auch ein Allrad von Nutzen sein, doch in der Regel reicht ein normaler PKW. Die Anreise zu Fuß ist zu weit. Mit dem Auto kann gefahren werden bis das Tal dann tatsächlich enger und zur Schlucht wird. Zwischendurch muss der Beifahrer aussteigen um ein großes Gatter zu öffnen und schliessen. Parken geht auch schon vorher wenn der Bedarf besteht etwas weiter zu laufen. Doch sollte auf alle Fälle bis nach dem angebundenen Hund gefahren werden, da dieser bei aufkommender Dunkelheit Gesellschaft von zwei frei laufenden noch größeren Hunden bekommt und da möchte ich nicht zu Fuß vorbei.
Auf dem Parkplatz angekommen sieht man auch schon die Wände, graue, kompakte Platten und orangefarbene überhängende oft versinterte Bereiche.

 

Klettern
Die Schlucht hat die grobe Ausrichtung Nord-Süd und ist nicht besonders breit, gibt es den ganzen Tag Sektoren die im
Schatten sind. Es existieren 18 durchnumerierte Sektoren mit ca. 110 Routen - also nicht wirklich viele - im Bereich von 4 - 8c.
Die ersten Routen wurden Ende der 80er Jahre gebohrt. Einige Routen  im eher leichtem Gelände sind selbst abzusichern und es gibt auch einige Mehrseillängen Routen. Der meiste Teil der Routen sind zum Sportklettern ausgerüstet und es werden nur Expressen benötigt.
Die fast senkrechten Platten sind einfach super rauh, unverbraucht und kleingriffig. Die Schwierigkeiten in den grauen Platten bewegen sich bis ca. 6c.
In den leicht überhängenden Bereichen des orangenfarbenen Kalks sind die Griffe dann entgegengesetzt eher glatt dafür gibts mehr Löcher zum Greifen. Die stark überhängenden Bereiche der Höhlen oder deren Ränder sind großteils versintert und in der Verlängerung über den Höhlenwänden meist recht grifflos. Daraus resultieren dann auch Grade > 8a.
Eine Besonderheit im Fels sind die grau-braunen Bereiche, die werden sobald sich gegen Abend die Luftfeuchte etwas erhöht absolut glatt. Vielleicht ist das zu anderer Jahreszeit besser. Selbst große Griffe sind dann absolut schwer zu halten, eventuell in Verbindung mit dem Salzgehalt der Luft in Meeresnähe.
Generell sind die Routen alle lang und ein 70 Meter Seil ist gut. Die Bewertung der Routen ist teilweise inhomogen.
Vorsicht ist bei der Auswahl der Routen bzgl. der Haken geboten. So sind einige Sektoren bestens mit Klebehaken
ausgestattet, andere dagegen mit Expansionshaken. Insbesondere die Routen in den überhängenden Bereichen sind mit Expansionshaken ausgestattet die zum Teil korrodiert und verrostet sind. Das macht das Klettern nicht sicherer und es ist eine Frage der Zeit wann hier der Haken bricht wie auch schon in anderen Meersnahen Gebieten geschehen. Eine Sanierung betroffener Routen ist von Vorteil.
siehe auch: http://myclimb.de/artikel/absturz-am-meer

Routen/Sektoren meinerseits als gut befunden
Sektor 1 gleich zu Beginn der Schlucht auf östlicher (linker) Seite. Große Höhle versintert und schwer. Dort Route: Jacques Mesrine 8a+, hat nicht oft beklettert ausgesehen, nach starkem Anfang große Griffe in langem Überhang.
Sektor 2 auf der gleichen Seite etwas weiter, leicht abdrängend, interessante Touren zwischen 6c und 8a, die Bolts teilweise korrodiert. Routen: Daminator 7b+
Sektor 4,5,6 ist eine große 40-50 Meter hohe Höhle mit Routen von 6a am Rand bis 8c im Inneren bzw. darüber hinaus. Routen: Fear factory 7b und Cathedral Wall (L1) 6b+
Sektor 16 graue Platten von 4 - 6c sind alle super, die haben Spaß gemacht vor allem wegen der Rauhigkeit.
Sektor 18 leicht überhängend mit Sinter und oben graue, scharfe Platten. Zu machen: Pipila und Choco Blum beide 7a und 40 Meter lang vom feinsten

Strand
Der Weg durch die Schlucht endet an einem Kiesstrand mit super klarem Wasser, eingerahmt durch die endenden
Schluchtwände, super um zwischendurch ins Wasser zu springen. Ok, im Winter vielleicht zu kalt.
Auch direkt am Strand gibt es einige Routen zu machen.

 

Bilder anklicken (3 von 21)
Der Anfang der Agiofarago Goumenospilios Cave, Sektor 4, Bild: Axel Schlucht mit Kapelle Agios Antonis, Bild: Axel

 

Jahreszeit
Sommer geht gar nicht. Mitte Oktober hatten wir noch jeden Tag 30 - 31 Grad. Also eher danach. Im Winter kann es dann auch mal gut regnen und wochenweise auch recht kühl sein.
Zwischen dem Norden und dem Süden Kretas gibt es immer einige Grade Unterschied und die Sonnentage im Süden sind mehr.

Unterkunft/Verpflegung
Der nächste Ort ist Sivas oder Pitsidia. Hier gibt es alle Arten von Unterkünften, viele Tavernen, Cafes und kleine
Lebensmittelläden. Als Selbstversorger sollte man mindest in Agia Deka einkaufen da hier die Auswahl größer ist und der Preis ca. ein Drittel weniger. Generell sind die Lebenshaltungskosten momentan etwas höher als hierzulande, die Restaurantbesuche dafür günstiger.

Hinkommen
Mit dem Flugzeug nach Heraklion, dann am Besten mit dem Mietwagen weiter. In den Süden geht es auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut allerdings besteht keine Möglichkeit mit diesen ins Klettergebiet(e) zu kommen.

Andere Gebiete
Malia, Plakias, Therissos, Kofinas, Dikti, Kapetaniana und mehr

Sonstiges
Kreta gibt natürlich mehr her als nur zu klettern.
Dort vor Ort kann ausgedehntes Wandern auch recht schön sein, das Meer bietet sich zum Beachen und Schnorcheln an. Legt man den Radius etwas größer an dann bieten sich Wanderungen im Ida-Gebirge oder kulturelle Besuche an.

Fazit
Ein ausgedehnter Kletterurlaub nur an diesem einen Ort lohnt nicht. Doch in Verbindung mit anderen Aktivitäten und wer sich auch mal entspannen will lohnt es sich alle Mal in der schönen Landschaft.
Interessant dürfte auch der Besuch und Wechsel zu verschiedenen Klettergebieten auf Kreta sein.

Topo

Topo Kreta 

Crete - From North to South
19,00 €

Autor: Philippe Bugada
Sprache: Französisch/Englisch
128 Seiten
Jahr: 2009

 

Links
http://www.climbincrete.com/ - Kretische Kletterseite, dort auch viele Infos zu den einzelnen Gebieten und Auflistung der Routen.
Weitere Bilder: http://www.flickriver.com/groups/1338525@N20/pool/interesting/
Unterkunft: http://www.pension-pitsidia-kreta.com/

 

 

 


Klettern in der Agiofarago (Schlucht) auf einer größeren Karte anzeigen