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Bild aus Archiv

High on Céüse, Bild: B.Hampoelz

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Klettern im Frühling auf Korsika

Irgendwann geht endlich der Winter zu Ende. Da kommt die Frage nach Kletterzielen auf. Was sollte denn so ein Idealziel im Frühling außer Sonne und Wärme noch alles bieten:

- gut abgesicherte Sportklettereien in Klettergärten mit Sonnen und Schattenausrichtung in landschaftlich schönen Lagen
- Mehrseillängen sowohl gut abgesichert um sich wieder an das Metier zu gewöhnen aber auch was zum selber Legen
- natürlich mit moderaten Zustiegen
- verschiedene Gesteinsarten wären noch gut
- und für Ruhetage was zum biken und baden
- das Ganze nicht übervölkert
- und für den Geldbeutel im erträglichen Rahmen.

Dazu fällt mir spontan das Gebirge im Meer – Korsika- ein. Die Insel der Schönheit (île de beauté) hat neben hochalpinen Regionen, duftenden Kiefernwäldern, Gebirgsseen, Badegumpen in klaren Flüssen, sanften Hügellandschaften mit Olivenhainen, Badebuchten mit glasklarem, tiefblauen Wasser auch viele schöne Klettermeter zu bieten.
Vorbei die Zeiten in denen die Sportkletterer in Korsika nicht auf ihre Kosten kamen und nur diejenigen, die sicher mit Klemmkeilen und Friends umgehen konnten, lohnende Klettermeter fanden. Aber zur Beruhigung für den, der das Abenteuer sucht, man findet in Korsika noch genügend alpine Routen die neben Selbstabsicherung auch viel alpinen Spürsinn schon beim Zustieg und bei der Wegfindung in der Route erfordern. Der besondere Reiz der verschiedenen korsischen Klettergärten liegt dabei weniger in deren Größe, Anzahl oder besonderen Schwierigkeiten, als vielmehr in deren herausragender landschaftlichen Lage. Aber Granit-Liebhaber sollte man schon sein, denn die Mehrheit der Klettereien spielt sich im Granit ab. Wer allerdings der Meinung ist, Granit hat ja außer Rissen und Plattenschleichereien nichts zu bieten, der irrt. Dominierend für die Kletterei in Korsika ist die herrliche Tafoni-Kletterei (siehe auch wikepedia „tafoni“ und www.tafoni.com). In dieser Vielfalt und Menge kenne ich diese herrlichen Verwitterungsformen nur im korsischen Granit. Dieses verschwenderische Strukturangebot schaut oftmals sehr einfach zu klettern aus, erfordert dann aber im steilerem Gelände doch Fantasie und manchen Griff in die Klettertechnik-Trickkiste. Der Granit Korsikas verlangt andere Klettertechniken als Kalk, Technik bringt oft mehr als Kraft . Korsika bietet also genügend Potential für einen mehrwöchigen Kletterurlaub. Der aktuelle Sportkletterführer verzeichnet 1500 Routen in 45 Gebieten. Dazu kommen noch mehrere hundert Mehrseillängentouren.

Hier ein Überblick über die einzelnen Gebiete:

Balagne
In der Nähe von Calvi an der Nordwestküste Korsikas liegen 5 Klettergebiete mit ca. 90 Routen. Teils am Meer (les iles) und im Inland mit herrlichen Blick auf die Küste.

Bilder anklicken (2 von 6) © Krille
Krille klettert am Curiali Tafoni

Im Gebiet „Bonifatu“ gibt es Routen bis zu 4 Seillängen, das Gebiet „I Curriali“ lässt sich gut mit einem halben Badetag verbinden und im Gebiet „les iles“ kann man nach den kurzen Routen gleich ins Wasser gehen. Eigentlich eine gute Ecke für einen Korsika Einstieg. Campingplätze gibt es genügend und in der Vorsaison sind diese angenehm leer. Supermärkte in Calvi füllen die Küche oder man lässt sich in den zahlreichen Restaurants verwöhnen.

 
Rund um Corte
Das Restonicatal bei Corte mit dem tief in die Granitwände eingeschnittenen Fluss erinnert mich an das Tal des Merced River im Yosemite. Es geht nichts über ein Bad im kalten Fluss nach einem schönen Klettertag. Lange fiel die Kletterei im Restonicatal unter die Rubrik „Terrain d‘adventure , das heißt selber absichern.

Bilder anklicken (2 von 7) © Krille
Baden im Restonicatal Verschneidung Tavignanotal  Rossolino Ombre et Lumiere

Doch mittlerweile gibt es neben den vielen Klettergärten entlang der Restonica auch schöne gut abgesicherte Mehrseil Längentouren, wie zum Beispiel am Monte Leonardo. Ideal für heiße Tage, weil auf rund 2000 Meter gelegen, sind die 6 Seillängen der „Symphonie d‘Automne“ direkt über dem klaren Wassern des Lac du Capello. Im benachbarten, nur per pedes erreichbaren Tagvignanotal, ist die „Ombre et Lumiere“ am Rossolino mit der Bilderbuchverschneidung ein absolutes Muss. In der Nähe von Corte bei Francardu liegen auch die größten Kalk-Klettergebiete Korsikas. Hier ist einer der wenigen Orte für Freunde des stark überhängenden Kletterns in Korsika. Campingplätze gibt es mehrere im Umkreis von Corte. Wir nutzten den kleinen Platz „U Sognu“ gleich am Beginn des Restonicatals mit Zitadellenblick und guter hausgemachter Pizza. Ein großer Supermarkt in Corte schont das Portemonnaie.

 

Bavellagebiet
Rund um den Bavellapass (1.218 m) im Süden der Insel befinden sich die schönsten Felstürme mit den einzigartigen Tafoni-Strukturen. Eine solche Vielfalt auf engsten Raum bekommt man selten zu Gesicht. Und klettermäßig ist das Gebiet ebenfalls ein Juwel. Es locken mehr als 100 Sportklettereien direkt am Bavellapass und an die 50 Mehrseillängenrouten im gesamten Gebiet. Einige von diesen Mehrseillängenrouten erfordern längere Zustiege mit gutem Orientierungssinn. Von den Gipfelnadeln hat man einen herrlichen Rundblick bis zur Ostküste der Insel. Also genügend Potential für mehrere Tage.

Bilder anklicken (3 von 13) © Krille

Ca. 1 Stunde südwestlich vom Bavellapass befindet sich in der Region „Alta Rocca“ der Tan Alta mit Tafonis im Überfluss. Kurzer Zustieg zu 5 Routen mit bis zu 3 Seillängen in herrlichem Tafoni-Fels und herrlicher Rundblick vom Bavella bis zur Westküste.
Als Stützpunkt für das Bavellagebiet bietet sich der einfache, preiswerte aber sehr schön gelegene Camping „Municipal Zonza“ an. Manchmal kommt morgens das Bäckerauto vorbei. Ansonsten empfiehlt es sich den Proviant günstiger in den Supermärkten an der Küste einzukaufen. Im Bavellagebiet gibt es auch gute Mountainbiketouren, die an schönen Badegumpen vorbei führen.

 

Andere Gebiete
An der Westküste bei Ajacciu erhebt sich oberhalb des Örtchens Afa der Granitklotz des Monte Gozzi. Ist der ca. 50 minütige Maccia-Zustieg überwunden gibt es ca. 50 Sportkletterouten und 20 Mehrseillängenrouten mit ca 220 m.
Die kleinen Klettergärten auf dem Cap Corse eignen sich für die letzten Tage vor der Abfahrt mit der Fähre von Bastia. Uns gefielen besonders die Felsstrukturen im Gebiet Cape Sacru.

Bild anklicken (1 von 4) © Krille
Capu Sacru

Allgemein
Beste Reisezeit zum Klettern ist vom März bis zum Frühsommer oder im Herbst. Im Sommer ist es für die meisten Klettergärten zu warm, für die langen Routen kann man in die höheren Lagen ausweichen. Die Insel ist im Hochsommer voll, im Juli haben die Franzosen und im August die Italiener Ferien. Bei rechtzeitigem Buchen der Fähre bieten alle Fährgesellschaften Spezialtarife für die Vorsaison an. So konnten wir im Frühjahr 2009 für 100 € (2 Personen + Fahrzeug, hin und zurück) übersetzen. Korsika hat viele schöne Campingplätze, die Preise in den Supermärkte haben französisches Niveau, in kleineren Läden im Landesinneren ist es aber deutlich teurer.
Es lohnt sich das MTB mitzunehmen.
Auch wenn viele Schwarzkittel (verwilderte Hausschweine) frei durch die Gegend ziehen; ob aber alle auf den Speisekarten angegebenen Sangliers (Wildscheine) von der Insel stammen? Aber probieren sollten man das Nationalgericht zusammen mit Kastanien schon.

Aktuelle Literatur

Cover Kletterführer Falaises de Corse, FFME von 2008 Sportkletterführer mit 1500 Routen in französisch mit englischem Text pro Gebiet 
 Cover Topoguide Führer Corsica Kletterführer Korsika, Topoguide 2008 Auswahlführer mit 65 Mehrseillängen-Touren aus den schönsten Klettergebieten Korsikas.
  Bike Guide Korsika, Rother Bergverlag 2006, 29 MTB Touren gut recherchiert


Internet

http://escalade.corse.topo.free.fr/   - Seite des FFME Führers mit guten Übersichtsskizzen aller Gebiete und Aktualisierungen
http://www.topoguide.de/   - Seite von Topoguide mit Routenliste

Zusatzinfos http://www.abenteuer-corsica.de/klettergebiete.html   - gute Seite mit Gebietsübersicht und Quellenangabe