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Radtour, Desert Agrigates

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Klettern an den Desert Towers in der Wüste bei Moab(Utah)

Es begann alles mit einem Foto, das Jürgen mir zeigte. Ein schlanker majestätischer Turm aus rötlichem Sandstein mit glatten senkrechten Wänden in einem Wüsten-Canyon war zu sehen. Der Moses Tower im Tayler Canyon im Canyonlands Nationalpark in Utah. Dieses Bild brannte sich ein und der Traum war geboren.

Irgendwann später: Wir (Jürgen und Krille) lagen in der Dämmerung im Schlafsack unterhalb des Castleton Towers. Der Typ im Kletterladen von Moab hat uns diesen ruhigen Campground empfohlen. Sehr ruhig war es dann auch, denn der Campground bestand im Wesentlichen aus einem Hinweisschild „keinen Abfall zu hinterlassen“. Aber wir haben sehr schön mit direktem Blick auf den Castleton Tower unter freiem Himmel genächtigt.
Der Castleton Tower war auch unser Ziel für den nächsten Tag.
Wegen der zu erwartenden Tagestemperaturen war frühes Aufstehen angesagt. Aufstieg im Dämmerlicht, die ca. 300 Höhenmeter den Schuttkegel hoch sahen aus wie „ein Schritt vor und zwei zurück“, es ging aber wesentlich leichter.
Nach einer Stunde standen wir am Einstieg der Route Kor-Ingalls (5.9 = 6/6+), eine der „50 classic climbs“ der gesamten USA. In 4 Seillängen an superhartem Wingate Sandstein mit herrlich griffigen Calcite Ablagerungen geht es über Verschneidungen, Rissen von Handbreite bis Offwidth (als Riss zu breit und als Kamin zu eng) und Kaminen in 2 Stunden zum Gipfel. Das waren 120 m schöne freie Kletterei, die sich super absichern ließen. Die Stände waren größtenteils gebohrt. Vom Gipfel bot sich ein herrlicher Blick auf das Castleton Riff mit den Felsgruppen „the Priest, the Nuns and the Rectory“, zum Colorado River und zu den schneebedeckten La Sal Mountains mit ca. 3800 m Höhe. Auf in die Abseilpiste über die Nordwand, und mittags um 12 Uhr waren wir wieder zurück beim Auto.

Bilder anklicken (3 von 10) © Krille

Es ging zurück nach Moab, wo die Suche nach einem Jeep begann. Denn unser nächstes Ziel der Moses Tower im Nationalpark Canyonlands, erforderte zwingend ein „high clearance vehicle“. Auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bedarf es etwas Überredungskunst einen Jeep für einen längeren Zeitraum als von Morgens um 6 Uhr bis Abends um 6 Uhr ausgeliehen zu bekommen. Aber nichts ist unmöglich. Also Eis in die Kühlbox, Wasser und Bier aufgefüllt und ab geht es die ca. 40 Meilen in Richtung Moses Tower. Nach dem Verlassen der offiziellen Zufahrt zum Nationalpark, ging es über eine Staubpiste durch eine mit Macchia bewachsene Hochebene bis wir an den steilen Abbruch zum Green River kamen. In Kehren ca. 1200 feet (ca. 370 m) hinunter und immer am Green River entlang. Kurz hinter der Grenze des Nationalparks zweigt dann der Taylor Canyon ab. Von nun an geht es durch ein Trockental, rechts und links ca. 150 bis 200 m senkrechter roter bis schwarzer Sandstein und darunter noch mal die gleiche Höhe Schuttkegel. Der Weg verläuft zum Teil neben, manchmal auch im ausgetrockneten Flussbett. Es ist unglaublich ruhig und kein Lüftchen regt sich. Eine eigenartige fast surreale Stimmung während wir im Abendlicht immer weiter in den Taylor Canyon hineinfahren. Und endlich nach einer Kurve tauchen sie auf, die etwa 150 Meter steil in den Abendhimmel ragenden Nadeln von Moses, Zeus und Aphrodite.
Der Weg ist zu Ende und ein Holzpfahl mit der Aufschrift „Campground“ lässt unseren Blick in die Runde nach einer halbwegs ebenen Fläche schweifen. Bevor die Sonne untergeht, starte ich noch schnell zu einer kurzen Wanderung zum Einstieg und um die Felsgruppe herum. Beim Abendlicht und mit dem Bewusstsein hier völlig allein zu sein fühlt man sich wie in einem „Marlboro Poster“. Träume ich oder ist das alles wahr. Dann aber schnell in die Waagerechte, denn die Verschneidung die wir klettern wollen liegt auf der Südseite und die angekündigte Temperatur soll die 100 ° Fahrenheitgrenze (37,8°C) überschreiten. Die Nacht ist warm, die Sterne blinken und irgendwie kribbelt es im Bauch, denn die Route „Primrose Dihedrals“ ist mit 5.10+ (7/A1) schon sehr hart an unserem Limit.
Aufstehen in der Dämmerung, in etwas mehr als einer halben Stunde zum Einstieg. Da der cleane originale Einstieg mit 5.11+ (8) doch deutlich über unserer Leistungsgrenze liegt, wählen wir den Seiteneinstieg, einen sehr luftigen dafür aber machbaren Quergang der sich um den halben Felsen von der Nordseite auf die Südseite schlängelt. Dann geht es für Jürgen gleich hart zur Sache, er muss voll in die Trickkiste greifen, steile, mit Überhängen durchsetzte Risse im Niveau 5.10+, laut Führer „very steep hand jams“. Da ist schon mal die eine oder andere Rast in den Friends angesagt, da das Ganze doch sehr pumpig ist. Der rötliche Wingate Sandstein ist so hart und unter Spannung, dass ich deutlich hören kann wie Jürgen etliche Meter über mir Klemmkeile und Friends in den Riss schiebt. Zwei Seillängen weiter oben geht es am Ende eines Rissüberhanges mittels Pendelquergang sechs Meter nach unten, um durch einem Fingerriss zum Grund einer langen Verschneidung zu gelangen. Da wir kurzzeitig in gleicher Höhe sind ergeben sich gute Fotomöglichkeiten. Die große Verschneidung geht es in herrlicher, aber anstrengender Piazkletterei in zwei Seillängen im siebenten Grad, die das ganze mitgeschleppte Sicherungsmaterial nur so verschlingen, bis unter das „Ohr“, einer riesigen abstehenden Schuppe, die in freier Kletterei als ein glatter Achter zu piazen ist. Wir freuen uns über die 5 vorhandenen Bolts, die technische Kletterei ermöglichen. Noch 2 Seillängen mit Riss und Wandkletterei und wir stehen nach insgesamt 8 Seillängen, ca. 160 Klettermetern und 7 Stunden klettern um Punkt 12 Uhr auf dem kleinen Gipfelplateau und blicken wieder auf die Macchia bewachsene Ebene aus der wir kamen. Das Wissen, das dies der bislang schwerste und auch schönste, aber auch einmaligste Weg in unserer Kletterlaufbahn war erfüllt uns mit Freude. Doch die jetzt erbarmungslos brennende Sonne treibt uns nach unten. Der Fels glüht wie eine heiße Herdplatte. Entgegen dem Vorschlag im Führer entscheiden wir uns für das Abseilen auf der Nordseite. Der Wunsch nach Schatten ist stärker und wir finden eine passable Abseilstrecke über die Route „Pale fire 5.12c (9-/9)“. Dann hocken wir erst mal ein paar Stunden am Wandfuß im Schatten und genießen dank deponierter Wasservorräte die unheimliche Ruhe und aber auch die Schönheit des Taylor Canyons. Erst jetzt wird uns bewusst, dass wir trotz Schwitzen und Schnaufen nie Schweiß auf der Haut gehabt haben. Das kommt durch die extrem trockene Luft. Auch ist erst jetzt der Blick so richtig frei für die Vielzahl an Farbschattierungen von hellrot bis fast schwarz und die surrealen Felsstrukturen. Aber irgendwann treibt uns der Durst zurück zum Jeep, da wartet noch die Kühlbox mit halbwegs kühlen Getränken auf uns und es geht zurück nach Moab, der Jeep muss wieder abgegeben werden. Bei der Rückgabe erfahren wir, das heute “a very hot day with over 104°“ (Fahrenheit, das sind 40°C) war. Na Klasse.
Auch wenn es jetzt schon fast 5 Jahre her ist, die Kletterei war für Jürgen und mich sehr beeindruckend und einprägend.

Bilder anklicken (3 von 17) © Krille

 

 

 

 

 

Fakten:
Unsere Begehung der beiden Trad-Routen (US Ausdruck für alpine Kletterei mit der Notwendigkeit größtenteils alles selbst abzusichern) war am 21.und 22.05.2005. Ideal für die Kletterei im Wüstengebiet rund um Moab ist die Zeit von Oktober bis April.

Kor-Ingalls Route am Castleton Tower
4 Seillängen mit insgesamt ca. 120 Metern, maximal 6/6+, 2 Stände gebohrt, insgesamt 4 Zwischenbolts, Keile und Friends zwingend

Primrose Dihedrals am Moses Tower
8 Seillängen mit insgesamt ca. 160 Metern, 7/A1 oder 8, Stände gebohrt, insgesamt 12 Zwischenbolts, Keile und Friends zwingend

Quellen:
Romain Vogler USA die schönsten Klettergebiete München Bruckmann Verlag 1987. Das Buch mit dem auslösenden Foto beschreibt die schönsten Classic Climbs in den Staaten.

E-Book von Supertopo „Southwest Desert Towers Select” http://www.supertopo.com/topostore.html

Topo von der „Primrose Dihedrals“ am Moses Tower unter http://www.supertopo.com/disclaimer.html?f=topos/primrose.pdf

Mehr Informationen und Bilder unter http://www.rockclimbing.com/routes/North_America/United_States/Utah/Moab...
http://www.rockclimbing.com/routes/North_America/United_States/Utah/Moab...

Weitere Informationen zur Geologie der Canyonlands
http://de.wikipedia.org/wiki/Geologie_der_Canyonlands