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Klettern in Sardinien, Mai 2016

Bilder und Text by Krille

Eigentlich waren wir ja fast alle der Meinung, Korsika sei landschaftlich abwechslungsreicher, vielfältiger und interessanter. Aber da gab es ja 2 neue dicke Kletterführer, je einen für das Sportklettern und für Mehrseillängen, die das Interesse für Sardinien weckten. Und da der letzte Besuch dieser Insel schon etwas zurück liegt, so hieß das Motto für den Mai "Auf nach Sardinen!". Mit einer Kabine in der Nachtfähre ab Genua kommt man ausgeschlafen an und über die neue Autobahn geht es rasch an die Südwestküste der Insel. Erstes Ziel ist die Region um Igelesias. Die rötlichen Abraumhalden am Stadtrand lassen unschwer erkennen, dass es sich um eine alte Bergwerksstadt handelt. Der Südwesten war reich an Mineralien und war Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ein Zentrum des Bergbaus für Zink und Blei-Mineralien. Ein Teil der Minen und Verarbeitungsstätten ist heute touristisch ausgebaut und so können Stollen und Industrieruinen von Interessierten besichtigt werden. Und wo es Bergbau gibt, da sind auch Felsen. In Masua klettert man über dem Meer und einem ehemaligen Bergbaugebiet. Der Stollen Porto Flavia, über den die abgebauten Mineralien mittels Förderbänder auf Schiffe verladen wurden, verläuft direkt in dem Fels an dem wir heute klettern. Es gibt dort schöne lange Sportklettereien und Mehrseillängen in festem weißen und rotgelben Kalk mit Tropflöchern. Nicht zu Unrecht wird die Wand Castello dell Iride bei Masua im Kletterführer als eines der schönsten Klettergebiete von Sardinien gelobt. Nicht nur das Klettern mit Meerblick, auch das gesamte Ambiente mit dem Blick zum Pan di Zucchero tragen dazu bei. Andere kleinere Gebiete rund um Igelias können da nicht mithalten. Nicht weit entfernt ist die Grotte von Domusnovas. Diese war früher mit dem Auto befahrbar, heute geht das nur zu Fuß oder mit dem Bike. Die Klettereien am Grotteneingang sind zwar regensicher aber durch die Hinterlassenschaften der unzähligen Tauben doch arg in Mitleidenschaft gezogen. Jedoch die Sektoren rund um die Grotte bieten lohnende Sportklettereien in allen Schwierigkeitsgraden.

Die Rückseite des Mehrseillängenführers zeigt Kletterfelsen am Meer mit irrer Struktur. Ich war zwar noch nie dort, aber so muss die Kletterei an Englands Küsten aussehen. Und so grandios wie sie ausschaut ist die Kletterei an den Granitfelsen beim Capo Pecora dann auch. Der Granit bietet eine Unzahl von Rissen und Strukturen, da macht das selber Absichern Spaß. Es sind nur Stände und Umlenker an den bis zu 50 m hohen Granittürmen gebohrt, der Rest ist zum Selbstabsichern. Aber wie gesagt, das geht problemlos und die Kletterei direkt am und über dem Meer ist super. Bei stärkerem Westwind und Wellengang geht hier aber nichts. Das hochgelobte Klettergebiet bei  Punta Pilocca haben wir wegen des doch sehr heftigen Windes leider nicht besucht. Der Wind und das nicht ganz so beständige Wetter waren es auch, die uns auf die Ostseite nach Cala Gonone wechseln ließen. Die Vielfalt der vielen Klettergärten rund um Cala Gonone machen natürlich den Reiz dieses Ortes für Kletterer aus. Der aktuelle Kletterführer listet über 30 Klettergärten auf. Egal ob es die Plattenklettereien in Poltrona, die schönen langen Routen mit Meerblick in Margheddie,  Routen am Meer mit anschließendem Bad  in Cala Luna oder Cala Fuili, die herrliche Wand von Buchi Arta mit der spannenden Zufahrt, oder die Klettereien an der griffig strukturierten Wand über Dorgali sind, alle bieten sie jede Menge Klettergenuss. Direkt am Meer zwischen den Grotten Biddiriscottai und Millennium gibt es einige Mehrseillängen.  Sehr außergewöhnlich ist die Route "Zanahoria". In 5 Seillängen startet die Route  direkt am Meer und in der 3. Seillänge verschwindet man  durch röhrenartige Kamine im Fels und steigt in diesen Tubes  nach oben. Wenn man wieder ans Licht kommt, kann man direkt zum Einstieg runter schauen. Aber Achtung die Schlüsselstelle ist obligat und schwer abzusichern! Ein Stück im Landesinneren in der Umgebung der Gorroppu Schlucht  im Supramontegebirge - ja,  die Schlucht in der die bekannte Extremroute "Hotel Supramonte" startet  -  gibt es eine Vielzahl von Mehrseillängen-Routen.  Gegenüber dem Parkplatz der als Startpunkt für  Wanderung in die Gorroppu Schlucht dient, steht die nach Osten ausgerichtete Wand des Monte Oddeu mit zahlreichen gut abgesicherten  alpinen Sportkletterouten bis zu 300 m Länge. Oder man zweigt vom gleichen Parkplatz ins Surtana Tal ab, dort sind die Klettereien am beliebtem 6. Pfeiler zwar kürzer und etwas leichter, aber genau so schön und lohnend. Na und dann ist da noch die Aguglia Goloritze! Wer einmal auf dem nur tischplattengroßem Gipfel dieser Nadel stand und von dort die türkisenen Farben des Meeres unter sich bewundert hat, wird dies nie vergessen . Es muss ja nicht unbedingt der schwerste Normalweg Italiens  mit dem schon etwas abgespecktem Riss als Aufstiegsroute sein, denn mittlerweile gibt es mehrere gut abgesicherte Sportkletterrouten auf den Gipfel.  Nicht minder spektakuläre Blicke auf das Meer bietet die Kletterei an der Pedra Longa bei  Baunei. Gut abgesichert, klettertechnisch etwas leichter als die Goloritze und interessante Wegführung mit Traversen übern Meer. Leider reichen die üblichen 2 - 3 Wochen Urlaub nicht aus alle Kletterziele in Sardinien zu besuchen. Da sind noch die athletischen Überhänge bei Isili, die Granitklettereien im Norden von Sardinien und vieles mehr. Bei der Rückfahrt auf der Fähre war uns allen klar, wir waren nicht das letzte Mal in Sardinen.

 

 

Bilder anklicken

 

Informationen:

Kletterführer:
Pietra di Luna Klettergärten  5. Ausgabe von 10 2011 von Maurizio Oviglia in deutsch mit ca. 4.000 Routen in 200 Klettergärten

Pietra di Luna Trad & Multipitches 12 2015 von Maurizio Oviglia in deutsch mit über 650 Routen in 66 Gebieten
Wer nur in Cala Gonone  klettern will, für den reicht der Führer "Arrampicare a Cala Gonone" von Corrado Conca,  Edition 2013

Unterkunft:
diverse Campingplätze  --> http://www.campingsardinien.de/camping/
viele Agriturismo bieten bed&breakfast einige wenige auch Campingmöglichkeiten
--> www.agriturismo.it
Wer im Bus oder Camper schlafen will, für den bietet Sardinien eine Unzahl von Möglichkeiten           
--> campersardo.de

Anreise:

per Flug oder Fähre, es gib mehrere Portale zum Vergleicher der Fährzeiten und Preise.  Wir fanden die Nachtfähren ab Genua mit Kabine optimal. Bei frühzeitiger Buchung ist die Hin- und Rückfahrt für  2 Personen mit Kabine und Auto um die 300 € zu haben. Tirrenia belegt die 4 Mann Kabinen mit Dusche  nur mit 2 Personen.