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Klettern in San Vito lo Capo, Sizilien

Zugegeben an Pfingsten zum Klettern in den Süden zu fahren, da kann nichts gehen, da ist es einfach zu heiß.
Richtig, aber manchmal ist man Zwängen und Zeitfenstern ausgesetzt auf die man wenig Einfluss hat .....und nach Sizilien wollt ich schon länger mal seit ich die Bekanntschaft mit einem der dortigen Erschließer gemacht hatte.
Im Nachinein muss ich sagen, die Hitze wird manchmal überbewertet. Es war nicht zu heiss wenn nicht in der prallen Sonne geklettert wurde. Also morgens, angenehmer Wind, raus im Schatten, angenehme Temperaturen bis ca. 14 Uhr dann war die Sonne da. Ok dann geht nichts mehr - dann erstmal Mittagspause.

Also erstmal hin mit der billigen, gelben, britischen Airline, die, da Ferienzeit nicht mehr billig war. Das Gepäck ausgewogen, von allem nur das Leichteste. Schließlich wollten wir campen, klettern, kochen und tragen mussten wir auch alles. Mit Minimalgepäck war ich schon lange nicht mehr unterwegs. Back to the roots.

Ankunft auf dem Flughafen Birgi bei Trapani, dann per öffentlichen Linienbus weiter nach Trapani von dort nach San Vito lo Capo.
Interessant das mit den Linienbussen. Vom Flughafen nach Trapani läuft alles Bestens. Prinzipiell gut ist das Netz der öffentl. Verkehrsmittel. Es gibt Haltestellen ohne Fahrplan - dort stoppen die Busse. Andererseits gibts Haltestellen mit Aushang - dort hält kein Bus. Meist macht jemand darauf aufmerksam das hier kein Bus hält, warum, wieso weiss niemand. Auch schwer zu enträtseln das Geheimnis am Terminal; kommt der Bus von rechts oder von links, hält er hinter oder vor dem Terminal, dies weiss mit Sicherheit nur der Ticketverkäufer der hat aber seine Öffnungszeiten. Der eine oder andere nichts ahnende Busreisende muss dann schon mal auf den nächsten Bus warten.
Ebenso lässt es sich nicht anraten an Sonntagen mit den Öffentlichen durch Sizilien zu reisen, da dann nur ein Restbestand selbiger fährt.
Doch flexibel sind die Fahrer schon. Auf Zuruf halten die schon auch auf freier Strecke. So wurden wir dann kurz vor dem Camping mitten auf der Straße aus dem Bus gelassen - das war schön so.

Hinter dem Camping, gelegen auf einer Ebene vor dem Meer steht direkt die Wand. Der Steilabbruch der Scogliera di Salinella zieht sich mehrere Kilometer zwischen der Bucht von Cofano und San Vito lo Capo am Meer entlang.
Auf den ersten Blick eine Spur Enttäuschung..... das direkte Großartige fehlt, das also soll das schon mehrmals gehörte neue "Kalymnos" sein? Ähnlichkeiten sind nicht wirklich vorhanden außer die Nähe zum Meer, mit Kalymnos hat San Vito nun tatsächlich nichts zu tun, welch Glück eigentlich -
Allerdings hat sich dieser erste Blick recht schnell geändert denn die Qualität und die Schönheit der Routen erschliesst sich auf selbigen genau so wenig wie das noch vorhandene riesige Potential.

Da wir uns auf dem Camping el Bahira etabliert hatten gings dann erstmal einige wenige Schritte zum großen Sektor "Salinella Camping", der teilt sich noch in einige kleinere Sektoren (El Bahira, Pietraia und Pineta.....). Die Routen im teilweisen recht scharfem Kalk sind lang, meist um 30 Meter, einige kürzere dazwischen. Was gleich positiv auffällt ist die Verteilung der Routen - leichte und schwere Routen in direkter Nachbarschaft. Super für Partner die unterschiedlich schwer klettern, das vereinfacht manches.
Neben schon erwähnten reibungsfreundlichen Klettereien an grauem, scharfen zerfressenem Kalk sind auch Löcher in allen Varianten zu finden oft auch mit richtig gutem "dahinter greifen". Die gibts dann auch neben Sintern in rotem überhängendem Kalk.

Der eigentliche Ort San Vito lo Capo ist vom Camping ca. drei Kilometer zu Fuß entfernt. da es am Nachmittag, außer im Sektor Grotta zu warm zum Klettern war,  sind wir die Strecke öfter gelaufen um an den schönen Strand mit ganz hellem Sand und klarem Wasser zu gehen als auch unsere Versorgung mit Lebensmittel sicher zustellen. Ein kleines Problem stellte sich uns mit der Gasversorgung zum Kochen. Die Gaspatronen für den Schraubaufsatz sind schwer zu finden. Fündig wurden wir in einer "Ferreria". Dort gabs leider nicht die schönen grauen Dosen sondern die waren blau, die Hälfte drinnen dafür ganz schmal und ein Drittel höher und der Preis der gleiche wie hier. Hm so hatten wir uns das nicht vorgestellt. Beim Kochen konnte dann abwechselnd die Kartusche festgehalten werden....
Nach einigen Tagen hatten wir einiges in Laufnähe erklettert und nun war Zeit auch in entferntere Sektoren zu gehen. Mittlerweile hatten wir uns auch einen besseren Überblick verschafft und naja das Angebot ist groß, das noch brach liegende Potential ebenfalls.
Zu diesem Zeitpunkt ergab es sich dass der schon erwähnte Haupterschließer mir über den Weg lief bzw. eigentlich ich Ihm. Über diesen Zufall hab ich mich dann richtig gefreut. So kamen wir dann auch zu einem abendlichen Barbecue bei Daniele zusammen mit einigen anderen Locals und einem phantastischen Sonnenuntergang über der Bucht von Cofano.
Nächsten Tag gings dann gemeinsam an den Rocca di Cerriolo in Scurati. Der halbisoliert stehende Fels mit teilweise neu eingebohrten Routen wirkt beinahe unwirklich im Zusammenspiel der Farben des roten Kalks im Vordergrund und dem Blau des Himmels. Der eher südl. ausgerichtete senkrechte Teil des Rocca ist mit scharfen Griffen bestückt, der überhängende westlich ausgerichtete teil mit Löchern und Sintern. Jede Tour am Fels einfach gut.

Nach einigen Tagen sind wir dann zum Sightseeing über die Insel aufgebrochen, dazwischen sind wir noch mit Sergio aus Messina zum Klettern an den Felsriegel oberhalb von Castelmola, ca. 20 Minuten von Taormina entfernt. Der meist graue Kalk dort ganz anders, eher senkrecht und nicht so griffig.

Stand am Anfang des Urlaubs und des Klettergebiets auch nicht der große OOH-Effekt sind dann aber die kleinen ooh-Effekte vermehrt aufgetreten. Insgesamt war mit der Auswahl des Klettergebiets der Urlaub gelungen auch wenn wir es uns mit unserer Basics Ausstattung nicht einfach gemacht haben - aber vielleicht bleibt ja gerade das hängen - mir hatts gefallen. Die Klettereien sind durchweg alle super unabhängig welcher Sektor (die von uns gesehenen). Das Potential um neue Routen zu erschließen ist noch lange nicht ausgeschöpft und viele Mehrseillängen Routen sind auch noch drinnen.
Nicht nur in San Vito gibt es noch Potential, sieht man all die Wände Richtung Palermo an denen so gut wie nichts eingebohrt ist, so könnte gleich mit der Bohrmaschine im Gepäck hingefahren werden um die Wände aus Ihrem Dornröschenschlaf herausreisen um dann auf Lebenslang eine Beschäftigung zu haben....

 

Bilder anklicken (3 von 26)
Sektor Pineta Sonnenuntergang in der Bucht von Cofano Rocca di Cerriolo

 

 

 

 

 

 

 

Ankommen
Mit dem Auto fahren durch ganz Italien über Messina nach Palermo und weiter nach San Vito ca. 1600km, alternativ nach Genua und dann mit der Fähre nach Palermo (ca. 20 Stunden) weiter nach San Vito ca. 100km oder mit dem Flugzeug Ryan Air fliegt ab Baden-Baden nach Trapani. Außerhalb der Saison sind Ryan-Air Flüge günstig.

Reisezeit
eher die kühleren Monate, will man schwer klettern und möglichst den ganzen Tag und an vielen verschiedenen Sektoren sind die Wintermonte die Besten. November - April.
im Schatten ist es auch noch danach möglich. Die Sommermonate sind auszuschließen.

Klettereien
wie schon gesagt - Kalk grau bis rötlich meist senkrecht bis überhängend oft an scharfen Strukturen und auch Löcher in der Senkrechten oder meist Löcher in allen Variationen und/oder Sinter im abdrängenden bis überhängenden Bereich. Vorteil: leichte Routen oft in direkter Nachbarschaft zu schwereren Routen.
Insgesamt sind die Routen in allen Schwierigkeitsbereichen oft recht inhomogen bewertet.
Die meisten Routen sind bestens abgesichert oft 13-14 Expressen bei 30 Meter. Allerdings ist das nicht bei den Mehrseillängen der Fall, hier bitte auch noch Equipment mitbringen.Für die Sportklettereien ist ein 70 Meter Seil gut aber mindestens 60 Meter. Die Routennamen sind oft angeschrieben.
Viele Sektoren rund um San Vito und den nächsten Orten Custonaci, Scurati, Castelluzzo
Zu empfehlen: Crown of Aragon, Rocca die Cerriolo, Cala Mancina und einiges oberhalb des Campings

Unterkunft
Da San Vito eine Hochburg des Tourismus, zumindest in den sommermonaten ist, bestehen alle Möglichkeiten unterzukommen.
Camping: Es gibt zwei Campingplätze.
Camping La Pineta, direkt am Rand von San Vito in nächster Nähe zum Monte Monaco mit Mehrseillängen und zum Sandstrand.
Camping El Bahira der befindet sich direkt vor dem Felsriegel Scogliera di Salinella, allerdings 3 - 5km von San Vito entfernt ohne Sandstrand. Vier Sterne mit Animation wer drauf steht, Kletterer sind begünstigt. Hütten und Mobile Homes gibts auch.
Appartements, im Winter günstiger
B&B meist um die 25 Euro mit ital. Frühstück
Hotels in verschiedenen Kategorien

Essen und Trinken
San Vito ist voll von Möglichkeiten fürs leibliche Wohl. Viel aus dem Meer, traditionell wird auch Cous Cous angeboten, Sizilien war längere Zeit unter arabischer/maurischer Herrschaft.
Allerdings gibts für Selbstversorger nur einige kleinere Supermärkte, wenn mit Auto unterwegs dann am besten schon in Palermo einkaufen.
Leckeres gibts in der Trattoria Lo Stagnone http://www.ristorantelostagnone.com/

Tipps
Will man im Winter für eine Woche klettern dann ist man mit einem Flug, Leihauto und Appartement gut dabei. Sind mehr als zwei Personen unterwegs wirds auch noch günstiger.
Soll der Urlaub länger gehen und/oder Sizilien als ganzes besichtigt werden ist man mit dem eigenen Auto gut dabei. Besonders wenn es dann schon wieder Richtung Saison geht.  Die Art der Anreise macht preislich nicht viel Unterschied und Leihautos in Italien sind teuer. Außerdem kann dann auch mal an einem abgelegenen Winkel übernachtet werden. Spielt der Etat keine Rolle ist es egal.
Es gibt kein Kletterladen in San Vito. Alles Notwendige mitbringen.

Allgemeines
Baden, schwimmen, wandern, Fahrad fahren, Kayak kann alles auch unternommen werden.
In der Nähe gibt es den Zingaro Naturpark, anschauen von verschiedenen Städten und Altertümern.
Die Palette andere Dinge zu tun außer klettern ist reichhaltig.

 

Topos

 

Versante Sud - Klettern auf Sizilien
28,50

Verlag: Versante Sud; 1. Ausgabe 2008
Autor: Massimo Cappuccio, Guiseppe Gallo
Seitenzahl: 348 Seiten
Sprache: deutsch  

 

Gebro-Verlag - Sicily-Rock - Kletterführer 24,80

Kletterführer für den Nordwesten Siziliens - San Vito lo Capo

Verlag Gebro-Verlag; 1.Auflage, 2011
Autor: Karsten Oelze, Harald Röker
Seitenzahl: 160
Sprache: deutsch, englisch, italienisch
Extras: 120 Bilder
bei Bergfreunde

Links
Climbing Festival vom 10-14 Oktober 2012 - sanvitoclimbingfestival.it 
camping - El Bahira www.elbahira.it
bolt-products.com - viele Infos vom Erschließer James Titt
Schönes B&B in Taormina - Villa Giannina - falls zum Sightseeing in Taormina oder zum Klettern in Castelmola