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Klettern in Afrika, Marokko 2014

Anti-Atlas und Todra Schlucht

 

Am Anfang stand ein Anruf irgend wann im Frühjahr von Reinhard "Wir gehen nach Marokko zum Klettern, habt ihr nicht Lust mit zu kommen". Nach kurzer Suche im Internet über die potentiellen Klettermöglichkeiten haben wir uns auf das Anti-Atlas Gebirge geeinigt. Die von Briten verfassten Kletterführer zeigten viele Mehrseillängen im gut strukturierten  Quarzitgestein. An die ungewohnten Schwierigkeitsangaben als Kombination von Buchstaben und Zahlen werden wir uns Vorort gewöhnen und mit dem Hinweis, dass  das Gebiet traditionell erschlossen wurde und keine "bolt clipping area" sei können wir gut leben. Das kennen wir aus den Alpen oder anderen Ecken der Welt.

Und so befinden wir uns Ende September irgendwo auf der Autobahn zwischen Marrakesch und Agadir. Die immer wiederkehrenden Verkehrsschilder, die zum 70 m Abstand auffordern, wirken an der leeren Autobahn deplatziert. Der erste Aufreger wenig später kurz vor Agadir an einer Polizeikontrolle. Wir hatten ein am Straßenrand knapp über dem Erdboden  flüchtig aufgestelltes 30 km/h Schild übersehen. Aber Reinhards Kenntnis über marokkanische Fußballer in europäischen Vereinen reduzierte deutlich die Höhe der Strafe.

Ab Agadir ging es über immer schmaler werdende Sträßchen über das Anti Atlas Gebirge in das Ameln Tal auf der Südseite. Vorher halten wir auf der Nordseite an der fotogenen Kasbah Tizourgane. Diese Wehr- und Speicherburg wird als Stützpunkt für die Klettereien auf der Nordseite des Anti-Atlas Gebirges empfohlen. Vom kurzem Rundgang und den Übernachtungsmöglichkeiten waren wir angetan, es zog uns jedoch zuerst auf die Südseite, denn wir hatten in Tafraoute eine Wohnung reserviert. Also über den Pass ins Ameln Tal und das kleine Städtchen Tafraoute. Nach einigem Hin und her fanden wir auch unsere Wohnung in einem typischen marokkanischem Neubauhaus. Die untere Etage beherbergt Wirtschaftsräume, bei uns eine Garage, im Nachbarhaus den Ziegenstall, darüber wird gewohnt und das oberste Geschoss ist die Dachterrasse. Rund ums Haus ist ziegenfreundlicher Erdboden. Mit Sonnenaufgang weckte uns der nicht grad leise  Gebetsruf des Muezzins. Den nur ca. 15 Meter von unserem Ohr entfernten Turm einer Moschee war hatten wir am Abend nicht registriert. Gefühlt stand der Muezzin direkt am Bett und wir senkrecht in selbigem.

Nach dem Frühstück ging es ab zum Klettern. Das Hochtal von Anergui direkt unter dem 2375 Meter hohem Gipfel des Jebel el Kest war unser Ziel. Das kleine enge Sträßchen bis hoch ins ca. 1470 Meter hochgelegene Anergui war schon ein Erlebnis für sich. Gegenverkehr darf hier nicht kommen. Wir begannen in einem 40 Meter hohem Sektor mit Routen zum Eingewöhnen, um zu testen was nun HS und HVS wirklich für Schwierigkeitsgrade sind. Die Beschreibung laut Führer " rock and protection are excellent" kommt hin, die cleanen Routen ließen sich gut absichern. Ein Umlenker war zwar im Topo eingezeichnet, aber nicht existent, dafür lief oben so eine Art Reepschnur in Richtung des Abstiegsweges. Ooops..., am Ende der vermeintlichen Reepschnur klemmt über einem Steilabfall ein großer Lautsprecher. Aha, es ging also darum, dass die Rufe des Muezzins auch im Seitental gehört werden können. Aber uns rufen doch die höheren Wände. Auf zur Black Crag, dort warten ca. 125 m lange Routen auf uns. Auf dem Foto im Topo  sah die Sache gut aus, dann direkt unter dem Fels auch noch machbar. Vermutlich direkt unter dem Beginn der gut sichtbaren Verschneidung könnte der 1. Stand sein. Auf geht's, nur leider ist das Gestein hier nicht ganz so sicherungsfreundlich wie am ersten Felsen. Ich höre Reinhard in der Nachbarroute nach seinem vermeintlichem Standplatz suchen und finde selber auch keine Spuren von einem Standplatz. Ein Block mit Schlinge drum muss genügen.
In beiden Routen ging es bis oben so weiter, keine Spur von Standplätzen  auf den über 120 Metern. Im Führer stand was von "popular climb".  und wir hatten extra wie empfohlen genügend Schlingen mit um die von den UV-Strahlen der  Sahara-Sonne  zermürbten eventuell vorhandenen Schlingen auszuwechseln. Unser Resümee des Klettertages  "very britisch". Eine Einladung zum Tee bei einem der wenigen Dorfbewohner mit sehr interessanten Gesprächen über Land und Leute rundete diesen Tag ab. Für den nächsten Tag suchte ich mir in einem anderen Seitental eine 4 Seillängenroute mit Längenangaben der einzelnen Seillängen. "Good climb with reasonable protection and fine positions" Erste Seillänge 30 m Wandkletterei.  Verdammt wie bringe ich hier Sicherungen unter. Da fällt mir ein, dass die Briten gerne Keile hinten Schuppen legen, na ja, es  bremst auf alle Fälle.  Aha, da haben wir schon den Unterschied zwischen "good und reasonable protection". Die angedachten Standplätze habe ich gefunden aber keine Spuren von irgendwelchen Vorgänger-Standplätzen in Form von Schlingen oder Ähnlichem. Und der eigentliche Standplatzbau wich an einigen Stellen doch deutlich von der Lehrmeinung ab.

Da es Reinhard in seiner Route ähnlich erging wandten wir uns ab sofort  offensichtlichen klassischen Risslinien zu. Da war die Linienführung klar, die Absicherung und der Standplatzbau auch super. Ob man eine 120m Route in 2 oder 3 Seillängen klettert bleibt der eigenen Wahl überlassen. Wir haben in keiner Route irgendwelche Spuren von Standplätzen gefunden. Dies veranlasste uns die Kommentare im Kletterführer genauer zu studieren. Die da sind "the line in the topo may be wrong," oder  "a sense of humour  is advised". Ok, und erst im ca. 3 Stunden entfernten Agadir existiert die nächste medizinische Versorgung für ernste Fälle. Durch die angestiegenen Tagestemperaturen waren Schattenseiten angesagt. Südlich von Tafraoute gibt es einige Granitgebiete mit Einseillängen. Die Black Wall mit schönen cleanen 30 Meter Rissen  und einigen gebohrten Routen war ein Tagesziel. Insgesamt reifte aber nach einer Woche der Entschluss, noch in ein anderes Klettergebiet zu reisen. Wir kletterten noch einige schöne cleane Riss- und Verschneidungsrouten im Quarzit, sowie einige kurze Granittouren, schauten uns die blauen Felsen südlich von Tafraoute an, kauften den obligaten Teppich und beschlossen dann in die Todraschlucht zu fahren.

 

 

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Für die ca. 600 km auf Nebenstraßen und Sträßchen hatten wir zwei Tage eingeplant. Aber als wir nach der ersten Stunde Fahrzeit grad mal 25 km hinter uns hatten, kamen nicht nur leise Zweifel auf ob das angepeilte Tagesziel Quarzazate erreichbar wäre. Wir sahen uns schon am Straßenrand, eingerollt in die frisch erstandenen Teppiche biwakieren. Die Landschaft war und blieb auch stundenlang sehr steinig. Abwechslung   in Form von Gegenverkehr oder anderen Fahrzeugen gab es auch nicht.  Wir redeten dem Mietwagen gut zu, denn aufkommende  Gedanken in Richtung Autopanne waren nicht so prickelnd. Irgendwo zwischen Anti-Atlas und Hohem Atlas wurden die Straßen besser, die Durchschnittsgeschwindigkeit und auch die Zahl der Verkehrsteilnehmer stieg deutlich an. Kurz vor Quarzazate standen ein rauchender alter Daimler und ein winkender Berber. Wir nahmen ihn mit in den Ort, als Dank empfahl er uns ein Hotel und lud uns zum Tee ein. Beim Tee stellt sich heraus das der Berber viele Kamele hat und Kameltouren in der Wüste organisiert. Tja , gibt es wirklich keine zufälligen Begegnungen in Marokko?
Auch die angebotene Oasenbesichtigung am  nächsten Morgen wollten wir lieber allein unternehmen. Da aber der Tipp mit dem Hotel gut war, merkten wir uns zumindest das von ihm empfohlene Guesthouse in der Todra-Schlucht. Die Todra-Schlucht ist deutlich touristischer, es gibt einige Ausländer und viele marokkanische Touristen. Demzufolge wimmelt es dort von Händlern - "nur gucken, nichts kaufen, alles gut und nicht teuer" - und selbst ernannten Guides, die natürlich alle die beste Unterkunft kennen. Aber die Kommunikation funktioniert und in dem von unserem neuem Bekannten in Quarzazate empfohlenem Guesthouse waren wir schon angekündigt. Den kurzen Disput zwischen einem hartnäckigem selbsternanntem Guide und dem Chef des Guesthouses verstanden wir zwar nicht, aber er war nicht überaus freundlich. Für uns begann das übliche Prozedere: gemütlich hinhocken, Tee trinken und den Preis für eine Woche Übernachtung und Essen aushandeln.

Da wir ursprünglich den Besuch der Todra-Schlucht nicht eingeplant hatten, hieß es erst mal Kletterführer organisieren. Der handgezeichnete Führer von Hassan Mouhajir sieht auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig aus, ist aber sehr  detailtreu und exakt. Der rote Fels in der Todra-Schlucht sieht aus wie Sandstein, ist aber bombenfester Kalk. Es gibt viele gebohrte Sportkletterrouten und Mehrseillängenrouten, für die Keile und Friends nötig sind. Man kann wählen zwischen einsamen Sektoren in der Petit Gorge oder noch weiter hinten im Sektor Festival oder Sektoren mit sehr viel Publikumsverkehr direkt vom Parkplatz aus, es gibt sonnige und schattige Sektoren, und alle Schwierigkeitsgrade.
Nach der cleanen Kletterei im Anti-Atlas tat es gut, mal wieder Bolts zu klinken und solide Standplätze zu haben. Auch in den Mehrseillängen folgt auf eine cleane Seillänge ein solider Standplatz mit Bolts. Unser Guesthouse lag in Laufentfernung zur Schlucht so zogen wir jeden Tag an den uns ein "Gooood Claimbing" wünschenden Händlern vorbei.  Es ist schwer einzelne Routen hervor zu heben, da alle irgendwie gut sind. So gibt es weit links vom Schluchteingang die 6 Seillängentour "Tifighra" in sehr rauem Fels. In den ersten Seillängen  ist man total begeistert, in den Mittleren greift man deutlich vorsichtiger und in den letzten Seillängen sehnt man sich nach abgespeckten handschmeichlerischen Arco Routen. Schön sind auch die 5 Seillängen des direkt vom Schluchteingang sichtbaren Pilier du Guetteur oder der imposante Pillier du Couchant mit der super 9 Seillängentour "Voie Abert" mit einem herrlichen Tiefblick in die Schlucht. Mal einen Nachmittag direkt über dem Parkplatz an der Dalle Hollandais mit viel Publikumsverkehr zu klettern hat auch seinen Reiz. Aber auch die Routen in der ca. 3 - 4 km vom Schluchteingang entfernten Petit Gorge sind lohnenswert.
In dieser einen Woche haben wir nicht an allen Sektoren klettern können, speziell an den südseitig ausgerichteten war es zu warm. Die Abende in unserem Guesthouse Dar Ayour verbrachten wir mit lustigen Gesprächen mit den jungen Berbern bei "moroccan champagne" (Mineralwasser) und Berber Whisky (Minzetee). Nach einer Woche ging es über den Hohen Atlas zurück nach Marrakesch. Zwei Tage in dieser quirligen Stadt mit vielen Eindrücken beendeten unseren Urlaub.

 

Fazit
Die Todra-Schlucht lohnt auf alle Fälle einen Kletterurlaub von einer Woche oder mehr. Für die Gebiete im Anti-Atlas sollte man wissen, worauf man sich einlässt. Es ist sicher von Vorteil die Erschließer zu kontaktieren und nach lohnenden, öfters wiederholten Routen und Zusatzinformationen zu fragen. Insgesamt waren wir 2014 mit unserer Reisezeit von Ende September bis Mitte Oktober ca. 2 Wochen zu früh dran, da es südseitig zu heiß zum klettern war. Ach ja und die britischen Schwierigkeitsangaben, so richtig kapiert hab ich es nicht. Ich bin etliche cleane HVS 5a geklettert, die Kletterschwierigkeit lag im mittleren 6 UIAA Grad, die Möglichkeiten des Absicherns und Standplatzbaus schwankten von super in Rissen und Verschneidungen bis dürftig in Platten und Wänden.

 

 

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Fakten

Gebiete im Anti-Atlas
Quarzitgestein und südlich von Tafraoute auch Granit. Die Nord und Südseite des Anti-Atlasgebirges wurde von Briten als "traditional climbing area" erschlossen, also "no bolt area".  Auf der Nordseite gibt es knapp 1000 Routen an ca. 100 Wänden,  Südseitig sind es ca. 2000 Routen, davon ca. 100 teilweise geboltet im Granit südlich von Tafraoute. Die Quarzitrouten sind nach der britischen Skala und die Granitrouten nach der französischen Skala bewertet.

Kletterführer für die Südseite des Anti-Atlas Gebirges
Tafraout Rock Climbing in Moroccos Anti Atlas von Steve Broadbent Volume 1 (2013) verlegt vom Oxford Alpine Club,
Tafraout Pocket Guides Band 1 bis Band 3 (2014) verlegt vom Oxford Alpine Club (Auswahlführer)
für die Nordseite des Anti-Atlas Gebirges
Tafraout Rock Climbing in Moroccos Anti Atlas von Steve Broadbent Volume 2 (2010)  verlegt vom Oxford Alpine Club,
Morocco Rock Jebel el Kest & Tasa North von E. Alsford und P. Donnithorne (2012) verlegt von Crack Addicts
alle Führer über: www.climb-tafraout.com zu beziehen

Weitere Infos
www.climb-europe.com/RockClimbingAfrica/Morocco.html     - Kurzinfo
www.climb-tafraout.com  - sehr gute Seite mit vielen umfassenden Infos
www.ukclimbing.com/articles/page.php?id=3430

Todra-Schlucht
Kalk mit ca. 450 Routen in 40 - 45 Sektoren (je nach Zählweise), davon etwas mehr als 100 Routen mit mehr als 4 Seillängen bei einer Wandhöhe von maximal 300 Metern.

Kletterführer
derzeit (01/2015) nur der handgeschriebene Führer von Hassan Mouhajir vor Ort erhältlich Ansicht unter todraclimbing.blogspot.de
für Frühjahr 2015 in Planung : Todra Topo vom Oxford Alpine Club; Info unter: www.climb-tafraout.com/guidebook-and-download-store
im Oktober 2014 war ein Führer " Guidebook in Todra Gorges" im Druck, Autor ist der Inhaber des Sportladens " Aventures verticales" in Tizgui village 400 Meter vor der Schlucht (www.escalade-au-maroc.com) aktuelle Infos zum Stand unter www.facebook.com/climbing.guidebook.morocco

weitere Infos
climbmorocco.com/
todraclimbing.blogspot.de/
abert.fr
www.escalade-au-maroc.com/

Unterkunft
Direkt in der Schlucht gibt es zwei Hotels und vor der Schlucht etliche. Wir waren im Guesthouse "Dar Ayour" in Laufentfernung zu den Klettergebieten sehr zufrieden.  www.darayour.com oder www.facebook.com/pages/Riad-Dar-ayour-Todra-Gorges-Tinghir

 

Super Vorschlag. Die

Super Vorschlag. Die Kletterorte in Afrika sind noch nicht so stark kommerzialisiert wie in anderen Regionen. Da fühlt man noch das echte Abenteuer.

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