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Entspannung am Capo Pecora, Foto Martin L.

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Yosemite

 

 

Yosemite – selbst Nichtkletterer wissen damit etwas anzufangen. Ist das nicht der Riesenberg, an dem die zwei Brüder die außen lang zum Kühlschrank klettern so ein Schnellkletter-Rekord  aufgestellt haben? Tja der Kinofilm „Am Limit“ von den Huber Brüdern macht’s möglich.

Yosemite, das ist das Granit-Eldorado weltweit überhaupt. Doch die Kletterei spielt sich nicht nur im Valley – wie es die Amis nennen – sonder auch oben in den  Tuolumne Meadows ab. Doch Granit sollte man schön mögen und auch schon paar Klettermetern von Selbigem unter die Sohlen gebracht haben, sonst hält sich der Spaß in Grenzen. Denn wer auf Bohrhakendichte a la südfranzösischen Sportklettergebieten hofft, der wird sich enttäuscht abwenden. Es gibt Bolts an den Ständen und auf den Platten, die sich nicht selber absichern lassen. Ansonsten ist die Kletterei im Yosemite Nationalpark pures Trad-Klettern mit wenigen Ausnahmen. Trad steht für traditional und ist dem europäischen Alpinklettern gleichzusetzen, mit dem Vorteil das alpine Wetterrisiko gegen die stabile kalifornische Sonne einzutauschen. Das amerikanische  YDS = Yosemite Decimal System hat natürlich seine Wurzeln im Yosemite. Offiziell entspricht eine 5.10a ca. einer UIAA 6+. Abweichungen gibt es immer, in einigen Yosemite Führern locht eine 5.10a auch bei ´ner glatten 6 ein. Wie auch immer, für mich persönlich bewegt sich 5.10a im Yosemite irgendwo zwischen gefühlter 6+ und 7- mit deutlicher Tendenz zum oberen Ende des Toleranzbereiches hin. Auch viele 5.9 er brauchen sich nach meiner Einschätzung hinter der Götterverschneidung am Fladenstein (und die checkt mit satter 6+ ein) nicht zu verstecken. Speziell die Risse muss man sich ernsthaft erarbeiten. Also lieber erst mal gemäßigt starten.

Zuerst zum Valley wie es die Amis nennen. Außer den Big Walls (Mehrseillängen Routen für die Otto-Normal Kletterer mehr als einen Tag braucht und in denen je nach Kletterkönnen weite Passagen auch mit technischer Unterstützung überwunden werden müssen) am El Capitan und am Half Dome gibt es eine Vielzahl von Routen im Valley die Klettergenuss versprechen und die unsereins auch frei klettern kann. Hier mal meine subjektiven Vorschläge:

Den Einstieg in die Yosemite Kletterei sollte man am besten in den Klettergärten beginnen. Wie gesagt bitte nicht mit hiesigen Klettergärten verwechsel, aber hier kann man sich in Einseillängen-Routen an den Fels gewöhnen und auch mal das eine oder andere Toprope von oben einhängen.
Besonders lohnenswert für den Start ist der Sektor Church Bowl direkt über dem Ahnwahnee Hotel. Super kurzer Zustieg und schöne Routen. Am besten mal starten mit dem „Church Bowl Lieback 5.8“, um die Reibung des Granits zu testen. Wenn es klappt kann es gleich mit der „Bishop´s Terrace 5.8“ einem der schönsten Handrisse in diesem Grad weitergehen,  jedoch sollten auf diesen 55 Metern die selbst gelegten Sicherungen auch Seilreibungsfreundlich postiert werden. Aber keine Angst, die Risse saugen Keile und Friends nur so auf. Da man in Church Bowl und auch im Klettergarten Swan Slabs (nur wenige Meter vom Camp 4 entfernt) selten allein ist, gibt es auch die Möglichkeit Routen Toprope zu klettern. An den Swan Slabs findet man eine Reihe sehr leichter Routen von 5.4 bis 5.7 in denen man in aller Ruhe mit Keilen, Friends, der Reibung und den Rissen herum probieren kann.  Es gibt noch weitere Ecken, an denen man in leichten Routen herum Experimentieren kann und die in der Regel nicht so überfüllt wie die Sektoren Swan Slabs und Church Bowl, so die Sektoren Knob Hill (am HW 120 gelegen) und die unteren Längen am Cookie Cliff (am HW 140 gelegen).

So eingeklettert kann man sich an die ersten Mehrseillängen wagen. Die meisten tun das am Manure Pile Buttress, deshalb ist es an diesem Stückchen Fels immer voll. Ok, die Routen „After Six“ 5.7 und „Nutcracker“ 5.8 mit ihren 5 – 6 Seillängen auf 200 m sind auch wirklich schön. Aber sie sind auch für viele Yosemite Neulinge die ersten Mehrseillängen-Routen in diesem Grad. So lernt man gleich eine Besonderheit des Kletterns in den Staaten kennen. Die Amis klettern nicht wie wir mit dem Doppelseil, sondern meist mit einem Einfachseil. Zur Sicherheit, falls man abseilen muss, oder ein Rückzug angesagt ist wird ein 2. Einfachseil hinterher gezogen. Die Aspiranten sind sicherheitshalber für diese 200 m mit Unmengen Friends und Keilen behangen, so dass das Klettern sehr langsam vonstatten geht. Ist der Vorsteiger am Stand angekommen, ertönt endlich das erlösende „Belay“. Ah, der Partner kann aussichern und gleich geht es weiter. Das was nun in den folgenden 15 – 20 min oben am Stand passiert, hat sich mir und vielen Europäern im Camp 4 nie erschließen können. Wir alle haben nächtelang am Lagerfeuer gerätzelt: „Was macht der Vorsteiger da oben bis er endlich das Kommando „You can climb“ an seinen Nachsteiger gibt?“ Da in den USA die Regel gilt „It is my Pitch“ und ein zwischen Reinsteigen, solange noch jemand in dieser Seillänge klettert unerwünscht ist, dauert es natürlich. Klar die haben ja die stabile kalifornische Sonne und plötzliche Wetterumschwünge a la Alpen sind so gut wie unbekannt. Mit diesem Hintergrundwissen sind wir mal erst nachmittags in den „Nutcracker“ eingestiegen, in der Hoffnung die Jungs sind schon alle durch. Pusteblume nach der 2. Seillänge liefen wir auf und starrten auf ner warmen Reibungsplatte am Stand liegend über mehr als ne Stunde irgend ein grünes Seil an, dass sich ab und an mal paar Millimeter bewegte. Am Ende des Tags war die Wartezeit mit 3 h länger als die Kletterzeit für diese 200 m.

Wer dies vermeiden will, dem empfehle ich die drei Seillängen der „Commitment 5.8, 5.7, 5.9“ an den Five Open Books als Einsteiger-Mehrseillängentour. Nach der 2. Seillänge darf dort auch ein Stand selbst gebastelt werden.
So eingeklettert kann es an weitere Ziele gehen. Wie wär´s mit einem Ganztagesausflug auf den Half Dome? Die 8 Seillängen der „Snake Dike“ im Grad 5.7 R (R steht für runout) sind nur ein Teil dieser Aktion. Erst mal sind ca. 1000 Höhenmeter Zustieg vorbei an den beiden schönen Wasserfällen Vernal Fall und Nevada Fall zu bewältigen. Je nach Windlage kann eine kräftige Dusche angesagt sein. Nach etwas über 3 Stunden am Einstieg angekommen ist man wie üblich nicht allein. Wo kommen die Kletterer auf einmal her. Die Amis machen den Half Dome oft als 3 Tagestour, 1. Tag Anmarsch ins Higher Yosemite Valley, dort mit Permit Campen, 2. Tag Gipfel und zurück zum Camp, 3. Tag Abstieg ins Tal. Also heißt es erst mal Warten. Wir haben letztens neben vielen wartenden Amis 3 Franzosen (mit denen wir am Vortag am Fels waren) und 2 Schweizer getroffen. Unser Gespräch, wie viel Personen die drei am Stand vorhandenen Bolts aushalten muss die vor uns wartenden 2 Ami-Seilschaften etwas schockiert haben. Diese ließen uns bereitwillig vor. So waren an den ersten 2 Ständen bis sich die Sache etwas entspannte tatsächlich 7 Europäer eng ineinander verknäult. Die Kletterei kann mit leichtem Gepäck erfolgen, Maximum 2 Friends für die erste Seillänge und 2 Expressen reichen. Ab der 3. Seillänge heißt es eh: 25 m klettern, den einzigen Bolt clippen und weitere 25 m zum Stand. Nach 8 Seillängen ausbinden und zuerst mit Kletterschuhen, später mit Turnschuhen den langen weg zum Gipfel hinauf. Oben herrlicher Rundblick und ab geht es über die Kabel wieder runter und die ca. 8,5 Meilen zurück ins Tal. Das wichtigste bei dieser Tour ist es genügend Wasser dabei zu haben. Nach 10 bis 12 Stunden ist man zufrieden nach einem erlebnisreichen Tag wieder zurück im Tal.
 

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Blick ins Yosemite Yalley Royal Arches mit Half Dome El Capitan

Und da gibt es noch genügend Kletterziele. Alpiner Spürsinn ist zum Beispiel für den Zustieg der „Braile Book“ (5.8 220m 6 Seillängen) am Higher Cathedral Rock gefragt. Der Zu- und Abstieg hat alpinen Charakter, aber man ist mit hoher Wahrscheinlichkeit allein. Belohnt wird man mit homogener Kletterei, die alles bietet, Wand, Riss, Offwidth und ein Ausstieg an riesen luftigen Henkeln. Ein sehr schöner beeindruckender Weg, mit einem Superblick vom Gipfel auf den El Cap.  In die gleiche Kategorie fällt der „East Buttress“ am Middle Cathedral Rock (5.9 AO, 370 m 11 Seillängen). Diese Route gehört zu den 50 classic Climbs of North America. Der Blick zum El Cap ist atemberaubend. Die Bohrhakenleiter in der 5. Länge kann frei geklettert werden und die Hauptschwierigkeit ist definitiv das Finden des Abstieges über den Kat walk. Hier kursieren im Camp 4 etliche Gerüchte über Biwaks beim Abstieg Also früh starten und vorher über den Abstieg informieren. Mit alpinem Spürsinn gut Machbar. Am gleiche Felsen sind auch die 5 Seillängen des „Central Pillar of Frenzy“ zu empfehlen. Risskletterei vom feinsten wird hier geboten. Da über die Route abgeseilt wird, ist es eine schöne Route für einen halben Tag.

Nach diesen Klassikern ist es Zeit für den „East Buttress“ am El Capitan (5.10b, 450 m 13 Seillängen). OK, die Route ist noch kein Big Wall, aber immerhin geht es bis ganz oben auf das El Cap Plateau, wenn auch ganz am rechten Rand. Lohnenswert ist die Route allemal und natürlich auch begehrt. Also Früh aufstehen um ein „Early Bird“ zu sein. Hat man erst mal den seltsamen Kamin der 1. Seillänge hinter sich gebracht wird es von Seillänge zu Seillänge genussvoller. Der Quergang in der 11. Seillänge mit viel Luft unterm Hintern verleiht echtes El Cap-Gefühl. Der Abstieg über die East Ledges gilt für alle El Cap Routen und ist nicht zu unterschätzen. Ganz schnelle Seilschaften können auch noch die 4 Seillängen vom „Moratorium“ (5.11b) vorschalten.
Last but not least sind noch die Routen an den Royal Arches zu empfehlen. Von den 16 Seillängen der „Royal Arches“ (5.7 AO 450 m) über die „Super Slide“ (5.9, 200 m, 5 Seillängen) und die herrliche Kombination aus „Serenity Crack“ (5.10d, 3 Seillängen) und „Sons of Yesterday“ (5.10a 6 Seillängen, zusammen über 300m). Hat man sich erst mal die ersten ca. 6 m des „Serenity Cracks“ an den Pin Scar-Löchern bis zur ersten vernünftigen Sicherung hochgekrallt, folgt eine herrlichere Seillänge nach der anderen.

Dies sind meine persönlichen Empfehlungen fürs Valley, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Wem das Tal zwischendurch zu eng wird, dem sei ein Tagesausflug  hoch zu den Tuolumne Meadows zu den runden Domen empfohlen. Der erste Gipfel wenn man vom Valley kommt ist der Stately Pleasure Dome gleich neben dem Tenaya Lake. Die Riesenverschneidung vom „Great White Book“ (5.6R, 150 m, 5 Seillängen) und die riesige auf dem Fels aufliegende „Hermaphrodite Flake“ (5.8, 4 Seillängen) sind legendär. Auch der „West Crack“ am Daff Dome (5.9, 230 m, 5 Seillängen) oder die Routen entlang der Quarzadern am Pywiack Dome sind zu empfehlen. Und wer es länger mag, dem seien die 12 Seillängen der „Regular Route“ (5.9, 300m) am Fairview Dome ans Herz gelegt. Aber auch wer nicht klettern will sollte mal abends die Schräge am Lembert Dome hochlaufen soweit er kommt, um dann den Sonnenuntergang in dieser mysteriösen Landschaft zu bewundern.
Insgesamt genügend Kletterstoff für mehr als einen Kletterurlaub.

Und wo nächtigt der Kletterer? Natürlich im legendären Camp 4. Selbiges ist abends, wenn man nach ca. 4 Stunden Fahrt von San Francisco kommt, meist voll. Also Schlafsack raus und sich in die Reihe vor dem Kiosk gelegt. Am Morgen geht immer was auf irgendeiner Campsite. Allerdings ist der Aufenthalt offiziell von Anfang Mai bis September auf maximal 7 Tage begrenzt. Da muss man sich halt ein 2. Mal anmelden. Die Bär-Warnungen der Ranger sind ernst zu nehmen. Ansonsten ist die Infrastruktur im Tal vorbildlich. Kostenloser Bustransfer zum Yosemite Village (einkaufen, Visitor Center) und zum Curry Village (duschen, einkaufen, Pizza und Sportgeschäft, Wlan). Wer mit einem RV (Recreation Vehicle = Wohnmobil) anreist sollte dringend vorbuchen.
Regeln unter --> http://www.nps.gov/yose/planyourvisit/campground.htm.

Beste Jahreszeit fürs Klettern sind im Frühjahr die Monate April und Mai oder im Herbst der September und Oktober. Im Sommer ist es meist zu heiß und auch zu voll im Tal.
Ach so Bouldern kann man im Tal natürlich auch. Und nicht nur am berühmten „Midnight Lightning Boulder Fb 7b+“ mitten im Camp 4. Sehr amüsant an Ruhetage zu beobachten wenn sich Aspiranten an den „Midnight Lightning“ wagen. Ruck zuck tauchen auf einmal etliche Chrashpads und Zuschauer auf. Freundliche Asiaten rücken bergeweise die Crashpads zurecht und jeder Versuch wird angefeuert. Die Bouldergebiete liegen beim Camp 4, am Ahwahnee Hotel und am Cathedral Rock.

 

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Tenaya Lake Gipfel Daff Dome Pywiack Dome

Weitere Informationen

Auf den Seiten des Yosemite Nationalparks http://www.nps.gov/yose/index.htm
Umfassende Infos übers klettern im Yosemite NP unter http://www.supertopo.com/climbingareas/yosemite.html
Dort kann man sich auch die aktuellen Kletter- und Boulderführer gegen Gebühr herunterladen und erhält Unmengen von Zusatztipps.