News

  • Zwei Boulder dazu am Schiessplatz
  • Neutour in Schriesheim 9+/10- clean
  • Baumsturz Ziegelhausen 2
  • Jakob Jorda klettert Den Arsch hingehalten....10- in Ziegelhausen 3
  • Sebastian Schulze 1. Wiederholung Superarsch of Highdelberg 10-, clean, Ziegelhausen 3

Bild aus Archiv

Krille in 7a, Kronthal

Neueste Kommentare


Newsfeeds dieser Seite einbinden

Leonidio - das neue Kalymnos?

Alle Bilder und Text by Krille

In den Klettermagazinen und im Internet wird taucht immer wieder mal das Klettergebiet Leonidio auf den Peleponnes in Griechenland auf. Es ist vom "neuen Kalymnos" die Rede und die Fotos zeigen hohe rötliche Felswände mit Meerblick.
Ein Blick ins Internet zeigt viel Bewegung beim Sektoren- und Routenerschließen. Als dann im Ende 2014 erschienenen Auswahlführer über Griechenland für Leonidio mehr als 300 Routen auf ca. 45 Seiten aufgeführt werden, steht der Entschluss fest: Im November 2015 geht es zur Sommerverlängerung inklusive klettern nach Griechenland auf die Peleponnes. Nach Athen gibt es um diese Jahreszeit recht günstige Flüge, auch unabhängig vom streikanfälligem Kranich, und mit dem Mietwagen sind es 3 bis 3,5 Stunden ab Flughafen bis Leonidio. Mit dieser stressfreien und wetterunabhängigen Anreise punktet das Klettergebiet schon mal im Vergleich mit Kalymnos. Wir hatten uns eine Ferienwohnung am Meer einige Kilometer vor Leonidio in dem kleinen gemütlichen Fischerdörfchen Sampatiki ausgesucht. Frühstück auf der Terrasse mit Blick in den Fischerhafen. Und dann ging es an die sonnigen Südwände.

Anlaufpunkt in Leonidio ist seit September 2015 das Cafe der Kooperative Panjika. Diese Kooperative wurde von 6 Kletterern aus Leonidio und den Berlinern Christian Wahle und Michael Schreiber zur Entwicklung und Förderung des Kletterns in Leonidio gegründet. Da geht es aber nicht nur um das Einbohren von neuen Routen und das Anlegen der Zustiegswege, sondern um Klettern als Lebensstil. Demzufolge ist das Cafe der Informationspunkt für alles rund ums Klettern. Ob es um Unterkunft geht - einige Mitglieder vermieten Zimmer und/oder Ferienwohnungen -, um kulinarische Spezialitäten - es gibt ein täglich wechselndes Essen und Snacks -, um neue Sektoren oder neue Routen - die Internetseite www.climbing-leonidio.com wurde von Christian initiiert und wird von Dini und Michael gepflegt -,  oder einfach nur um einen Erfahrungsaustausch beim täglichen Tourenabschlussbierchen, - es gibt spezielle leckere griechische Biersorten wie red beer - all dies ist im Panjika Cafe möglich. Und natürlich sind alle Mitglieder der Kooperative auch im örtlichen Kletterclub dem C.L.C. (Climbing Leonidio Community). Vom 24.12. - bis zum 03.01.2016  findet ein internationales Kletterertreffen in Leonidio statt, das vom C.L.C. organisiert wird und seinen zentralen Basispunkt im Panjika Cafe haben wird. 

Leonidio selbst ist eine gemütliche griechische Kleinstadt mit Atmosphäre. Sehr überschaubar mit vielen kleines Lädchen, in deren zum Teil unüberschaubaren Tiefen man den Eindruck gewinnt, es gibt hier alles. Am Ortstrand gibt es natürlich auch einen gut sortierten Supermarkt für den schnellen Einkauf. Man wird überall freundlich begrüßt und spürt, dass Kletterer als Gäste willkommen sind. Die Saisonverlängerung durch die außerhalb der griechischen Hauptsaison kommenden Kletterer tut dem gesamten Ort gut. Mittlerweile gibt es auch einen kleinen Laden mit Kletterausrüstung in Leonidio.  Und auch wenn mal in Athen der Generalstreik ausgerufen ist spürt man im beschaulichen Leonidio nichts davon, alle Läden und Tavernen  waren an diesem Tag normal geöffnet.

Doch jetzt zum Klettern. Insgesamt waren wir an 10 Klettertagen jeden Tag in einem anderen Klettersektor und haben dabei nicht alle Sektoren besucht.  Die Hardmover Sektoren wie Elona (Routen ab 7b), Panorama (ab 6b, Schwerpunkt 7a bis 7c) , la Maison des Chevres (ab 7c), Adrspach Wall (ab 6b, mit Schwerpunkt 7a - 8a), Limeri (ab 7a), el Perpati (ab 6b, Schwerpunkt 7a bis 7c), Gerevrachos (ab 7a+), King of Throne ( 6c bis 7a+), Golden Dusk (ab 7b), Nifada (ab 7a)und Balcony (ab 6c+) haben wir gar nicht besucht. Auch in den Sektoren rechts oberhalb vom St Nicholas Kloster  und auf der linken Seite dieses Tales waren wir nicht. Leider gibt es in Leonidio nur wenige Sektoren die alle Schwierigkeitsgrade abdecken, die moderaten für Ihn und die höheren Grade für Sie.

Im Sektor Twin Caves klappt dies. Links im grauem Kalk gibt es plattige moderate Routen und rechts steile Sinterkletterei. Auch der große Sektor Mad Wall/Cave of Panagia bietet sowohl grauen Kalk als auch rötlichen Kalk mit Sintern und damit Routen von 5b bis 7b. Ebenso die nebeneinander liegenden Sektoren Douvari und Rocspot mit Routen von 5a+ bis 7a. Der Sektor Rocspot wurde erst im Januar 2015 von den Remys eingebohrt und ist demzufolge noch sehr rauh und  muss noch etwas abgeklettert werden. Sehr schön ist auch der Sektor Hot Rock mit schönen langen, lohnenswerten  Routen von 6a+ bis 7a+. Im steilen Hardmover Sektor Hada dagegen geht es erst ab 6b+ los. Beim Zustieg zu diesem Sektor durch ein Seitental kann man die Kraft des Wassers, das dieses Tal erschaffen hat, erahnen. In den benachbarten Sektoren Hospital  und Red Rock ist ein 80 m Seil das Optimale, da die Routen meist 40m lang sind. Notfalls, mit etwas abklettern, klappt es aber auch mit einem 70 m Seil. Im Sektor Red Rock ist der Fels tatsächlich dunkelrot und deutlich fester als er aussieht. Die Schwierigkeiten sind homogen zwischen 5c und 6b verteilt und es kommt ein Flow-Gefühl beim Routenspulen auf. Die Routen sind eher großzügig bewertet, das Ego freut sich. Das ist bei den etwas weiter im Landesinneren liegenden Sektoren Berliner Mauer, X-mas und Kindergarten nicht der Fall. Die Routen wurden von den Berlinern eingebohrt und sind real bewertet und manchmal nicht ganz so leicht zu lesen. Ein absolutes Muss ist der relativ neue Sektor Mars mit Routen ab 6a+ und vielen schönen Sintern. Links super Wandkletterei und für die Sinter rechts ist ein Vergleich mit Kalymnos gerechtfertigt. Das wiederum gilt nicht für den Sektor Grande Cuckoo. Der graue Kalk dieser Platte mit vielen runden Dellen und Löchlein erinnert an die Kalkkletterei in unseren Gefilden. Über einen Mangel an Vielfalt braucht man sich also in Leonidio nicht zu beklagen. Und last not least gibt es auch noch Mehrseillängen-Touren an der großen Wand Kokkinivrachos oberhalb von Leonidio. Für die Leichteste, den markanten Pfeiler Pillar of Fire, ist aber ein kompletter Satz Friends und Keile notwendig.  Die im April 2015 von den Remys eingerichtet Route Mira im rechten Teil der großen Wand ist dagegen recht üppig mit Bolts bestückt (100 Bolts auf ca. 200 Klettermetern). Es war noch einiges an Bohrstaub in der Route und etliches wird besser wenn mehrere Seilschaften durch die Tour sind. Die unheimlich raue Platte aus rötlichem Kalk in der 6. Seillänge ist super. Dazu noch der Tiefblick auf Leonidio.

Wie schon angedeutet kommt es bedingt durch die unterschiedlichen Erschließer der Routen auch zu Schwankungen bei der Schwierigkeitsbewertung. Einige Routen wurden egofreundlich im Kalymnos-Stil bewertet, andere real. Ein Blick auf die teilweise korrigierten Bewertungen auf der Webseite www.climbing-leonidio.com lohnt sich. Die Zustiege zu den einzelnen Sektoren sind gut beschildert und markiert. In Anbetracht der vielen neuen Routen ist die Empfehlung aus dem Kletterführer, einen Helm zu benutzen, nicht verkehrt.

Zum Essen laden in Leonidio zahlreiche Tavernen ein. Persönlich fanden wir das Mitropoli (ein Stück hinter dem Panjika Cafe), die Pizza in der urigen Scheune und die Taverne direkt am Hafen von Plaka empfehlenswert. Aber es gibt noch viel mehr Kulinarisches zu entdecken.
Ach ja, ist nun Leonidio das neue Kalymnos? Die derzeit ca. 500 Routen erscheinen zu den 2.700 Routen in Kalymnos gering, sind aber ausreichend für zwei oder mehr Wochen Kletterurlaub.  Auch so besondere Sinterklettereien ala Ghost Kitchen gibt es in Leonidio nicht. Punkten kann Leonidio mit seiner familiären Atmosphäre, der Vielfalt der Klettereien, seiner Ursprünglichkeit und seiner Erreichbarkeit. Ich glaube Leonidio will und braucht kein neues Kalymnos zu sein. Es wird seinen eigenen Weg gehen und wir werden wiederkommen.

 

 

Bilder anklicken

 

 

Informationen:

Kletterführer:

Auswahlführer Greece sportclimbing the best of von Aris Theodoropoulos 2014. Dort sind auf 45 Seiten 18 Sektoren mit ca. 300 Routen beschrieben. Unter http://www.climbingleonidio.com/images/downloads/leonidio.pdf kann man sich einen pdf Kletterführer mit ca. 270 Routen herunterladen. Diesen älteren vergriffenen Führer kann man sich auch im Panjika ausleihen.
Aauf http://www.hatzipanayiotis.gr/en/climbing-leonidio/ sind derzeit alle Sektoren mit Topos und Routen incl. der neuen Remy Routen von 2015 recht aktuell (Stand 12/2015) aufgelistet.
Aauf http://climbing-leonidio.com/topos.html sind die meisten Sektoren und die Routenauflistung recht aktuell zu finden.
http://climbgreece.com/leonidio/ hat ebenfalls eine Routenauflistung von Leonidio mit Sternchenvergabe. http://climbgreece.com/crags/ zeigt die Klettergebiete in Griechenland.

Unterkunft:

Auf http://climbing-leonidio.com/info.html gibt es einen Link mit der Auflistung von Unterkünften (https://drive.google.com/file/d/0B8Ug9fKyP0LUOVlGZ01wbF9VLUU/view?pli=1).
Den Camping in Plaka findet man unter http://www.camping-semeli.gr/en .
Wir haben uns in Sampatiki (auch Sabatiki) sehr wohl gefühlt http://sabatikistudios.gr/de/apartments.php.

weitere nützliche Links im Internet

http://walk4fun.gr/de/ --> Adresse des relativ neuen Kletterladens in der Hauptstraße von Leonidio.
https://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2015/10/ein-deutsch-griechisches-wintermaerchen.html --> Ein Beitrag über die Panjika Kooperative

Artikel in Klettern 04/2014 und 09/2014