News

  • Begehungen und Neutour
  • Neu: Kletterkalender "Zeit im Griff 2018"
  • Arbeitseinsatz Schriesheimer Steinbruch
  • Neue Außenkletterwand der Kletterhalle Heidelberg
  • noch ne Kombi-Erstbegehung

Bild aus Archiv

Roland in L'ecole buissoniere 7a, Kronthal

Neueste Kommentare


Newsfeeds dieser Seite einbinden

Klettern in Mexiko

Schneechaos in Europa und das vor dem Winteranfang, Meterologen munkeln schon von kleiner Eiszeit und klammheimlich wünschen sich schon einige die Klimakatastrophe. Kletterhallen mit Schwimmbad- oder Volksfestatmosphäre, da sehnt man sich nach Klettern an richtigem Fels in der Sonne.  Wie wärs denn da mit Mexiko? Hier also ein kleiner Überblick über die Klettergebiete im Norden Mexikos.

El Potrero Chico
Da ist zunächst einmal „El Potrero Chico“ in der Nähe von Monterrey (bitte nicht verwechseln mit dem Monterey südlich von San Francisco in Kalifornien). Monterrey liegt im Norden Mexikos und ist mit etwas über 3 Millionen Einwohnern die Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates  Nuevo Leon, der an Texas grenzt. Von dort sind es etwa 40 km nach Norden bis zum Städtchen Hidalgo und weitere 3 km bis in die Schlucht. Bei der Ankunft erinnert El Potrero Chico etwas an die Paklenica Schlucht in Kroatien, auch hier ziehen sich die Wände auf beiden Seiten mehr als 400 m in die Höhe.  Der Kalk ist griffig und gut strukturiert von leicht geneigt bis überhängend. Ein Kanadier, und die trifft man hier häufig, erklärte mir, dass hier nach knapp 3000 Meilen „boltless climbing areas“ endlich wieder „a real fun climbing area“ sei. Zugegeben in den USA überwiegt das „Trad-climbing“ aber einige Sportklettergebiete gibt es dort auch. El Potrero Chico ist ein reines Sportkletterbgebiet und auch die Mehrseillängen-Routen haben eindeutig Plaisiercharakter. Friends und Keile können getrost zu Hause bleiben. Ein 70 m Seil (Mindestlänge 60 m) und ca. 15 Expressen reichen aus. Mit über 600 Routen ist El Potrero Chico kein kleines Gebiet. Das Publikum ist international, es dominieren Amis und Kanadier, aber auch Mexikaner und Europäer trifft man am Fels. Wenn man die Zeit über den Jahreswechsel meidet, für die Amis „the big crazy party time“, ist man zwar nicht allein, aber auch nicht im Gedränge. Von Oktober bis April ist die beste Zeit zum Klettern. Wenn es zu warm wird, kann man je nach Sonnenstand von der Westseite auf die Ostseite der Schlucht wechseln. Der September ist der regenreichste Monat. Die Infrastruktur ist perfekt. Ein Dutzend Campgrounds, zum Teil auch mit Hütten in verschiedenen Preisklassen und genauso viele Kneipen direkt vor der Schlucht. Und 3 km weiter in Hidalgo gibt es etliche kleine Lädchen, Straßenstände, Bankomat etc. Also auf geht’s.

Bilder anklicken (3 von 22) alle Bilder © Krille
Homeros Campground Christian in Space Boyz Christian in Nemo 5.13b (9+/10-)

 

 

 

 

 

Hier noch aus meiner Sicht die besten Sektoren in El Potrero Chico:

Las Estrellas:
Viele schöne Sportklettereien von 5.8(6-) bis 5.11 (8-)meist 30m und mehr im unteren Teil. Die 12 Seillängen von Estrellita, 330 m, 5.10, (7-) an festem schönen Kalk sind ein Muss. Weiter oben an der Club Mex Wall geht es erst ab 5.12a (8+/9-) los.
Mini Super Wall:
Sehr schöne Sportklettereien im 6. und 7. Grad an Leisten im  Senkrechten mit nur 2-Minuten Zustieg.
Lower Sense of Religion (Motta Wall):
Große, nach Süden exponierte Wand mit ca. 50 Routen. Alles von 30 m Sportkletterei bis zu 220 m Mehrseillängen.
Die Spires:
Zwei Felsennadeln mit ca. 80 Metern Höhe, oben etwa einen Meter breit.
Outrage Wall:
Fast 200 Meter hohe überhängende Wand mit markanten Sinterstreifen, alle Routen im oberen Schwierigkeitsgrad, ab 8- geht es los, sehr imposant.
Jungle Wall:
Sehr schöne Mehrseillängen bis 450 m. Yankee Clipper 13 Seillängen (max. 7-) mit Gipfelerlebnis und die 11 Seillängen von Space Boyz 5.10d (7)sind zu empfehlen. Null Zustieg.
Central Scrutinizer:
Schöne Kletterei an löchriger Wand im 7. Grad mit Start direkt am Weg. Publikum garantiert.
Virgin Canyon:
Kurzer Zustieg, schöne Routen mit nur Morgen- und Abendsonne.

Weitere Informationen:
www.potrerokrew.com  dort gibt es den Kletterführer „The Whole Enchilada“
www.potreroclimbing.com  gute Seite mit vielen Infos
www.elpotrerochico.com  eine Unterkunftsmöglichkeit

Umgebung von Monterrey
Weitere Klettergebiete in der Nähe sind „Culo de gato“ (Katzenarsch)ca. 30 Minuten westlich von El Potrero Chico mit Routen meist ab 7+/8- bis 10+ und das Hardmovergebiet El Salto ca. 2 Stunden von Monterrey mit überhängenden Sinterstrukturen. Beide Gebiete sind im Kletterführer „The Whole Enchilala“ enthalten.

Direkt am Stadtrand von Monterrey liegt das Klettergebiet „La Huasteca“ mit knapp 200 Routen in weißem Kalk. Die schmalen Felsscheiben ragen imposant in den Himmel und die Kletterei am zum Teil pockennarbigem Kalk ist technisch sehr interessant und lohnend. Die Sektoren „La Navaja“ und „Las Cazuelas“ sind empfehlenswert, aber auch an Wochenenden nicht gerade leer. Dort trifft man fast nur Locals von denen man meist weitere Tipps über lohnende Klettereien in La Huasteca erhält.

Bilder anklicken (3 von 7) alle Bilder © Krille
La Huasteca  Repo in Grande Disenos 5.12a Christian

 

 

 

 

 

 

Realejo
Gut 480 km weiter südlich zwischen  Matehuala und San Luis Potosi: Wir schrauben uns in Günters VW Bus durch die Kurven der Sierra la Trinidad in die Höhe. In der Nähe der kleinen Ortschaft Realejo geht es noch ein Stück über Schotterpisten, dann halten wir vor einem Zaun. Ich wundere mich: Wo ist der Fels, nur Kakteen und Agaven ringsum. Hinter dem Zaun etliche Stufen hinab und wir sind in der Gruta de las Candelas. Eine richtige Grotte mit bis zu 2 Meter langen Stalaktiten von der Decke und ebensolchen Stalakmiten am Boden. Wow, dass man hier klettern kann! Im rechten senkrechten Teil gibt es etliche kurze einfache Routen. Im Mittelteil ziehen sich Routen bis 5.13b (10-) durch die Zapfen der Decke. Links ist die Grotte offen und im stark überhängenden sehr griffigen, mit Sintern strukturierten Kalk gibt es super Routen bis 8+. An die 20 Routen gibt es in der Grotte. Eingerichtet wurden sie alle von Christian und Günter Ehlert aus San Luis Potosi. Günter ist mit seinem Vater vor fast einem halben Jahrhundert nach Mexiko ausgewandert. Sein Sohn Christian, einer der besten Kletterer Mexikos, betreibt in San Luis Potosi eine Kletter/Boulderhalle, das Kaya(www.Kaya.com.mx). Beide engagieren sich aktiv in der mexikanischen Kletterszene. Ein Stück weiter hinter dem Ort Realejo liegt der Riegel „Joya de Salitre“ mit 20 bis 25 Routen an bis zu 30 Meter hohem Kalk. Schwerpunkt hier von 5.9 (6) bis 5.12 (9-). Auch an einer anderen Wand in der Nähe von Realejo werden durch Christian Ehlert neue Routen eingebohrt. Da die Wände auf Privatgrund liegen und sich in Sachen Routen immer was tut, empfiehlt es sich über Kaya Kontakt zu den Locals aufzunehmen.
Westlich von San Luis Potosi gibt es in der Nähe eines Stausee noch einige Routen an vulkanischem, kleingriffigem Rhyolithgestein und einige Boulder an bis zu 3 Meter hohen Kugeln.

Bilder anklicken (3 von 13) alle Bilder © Krille
Paseo Escular 510c  Joya del Salitre Boulder el Potosino

 

 

 

 

 

 

Pena de Bernal
Nochmals etwas über 200 km weiter südlich liegt im Bundesstaat Queretaro der Pena de Bernal. Dieser 360 Meter hohe Felsklotz soll der drittgrößte Monolith der Welt nach Mount Augustus und Ayers Rock in Australien sein. Nur erheben auch andere Felsen wie der El Capitan, Devils Tower und Zuckerhut diesen Anspruch. Der Pena de Bernal besitzt nach Meinung der einheimischen Bevölkerung magische Kräfte und verleiht ein langes Leben. Deshalb wird der Felsen jedes Jahr von mehreren tausend Mexikanern besucht. Doch die meisten kommen nur bis zur Schulter, denn ab da beginnt ein steiles Stück mit Eisenklammern. Das erhoffte lange Leben ist ein Grund mehr diesen imposanten Klotz zu erklettern. Da bietet es sich an den Pena de Bernal über eine der Mehrseillängen Routen zu besteigen. Die leichteste ist die Bernalina mit 7 Seillängen (max. 5.8 = 6-), schöner sind die 3 Routen rechts davon, z.B. „el lado obscuro de la luna“ 5.10a( die dunkle Seite des Mondes 6+). Durch den gut strukturierten Basalt lässt es sich herrlich klettern. Die Absicherung ist ok. Auf der Nordseite zieht mit „Gondwana“ 5.12d (9) ein schweres Teil mit 7 Seillängen nach oben. Der Abstieg erfolgt über die Eisenklammern (grapas). Nur leider schafft den nicht jeder an einem Tag. Ich war Zeuge eines unfreiwilligen Biwaks kurz unter dem Gipfel. Was in den Alpen ziemlich eisig sein kann, ist hier trotz 2500m Höhe mit so um die 15°C eigentlich doch angenehm. Dumm nur dass der mexikanische Kletterfreund mit freien Oberkörper eingestiegen war und dann die Biwaknacht im Seil eingewickelt überstehen musste.

Bilder anklicken (3 von 8) alle Bilder © Krille
Pena de Bernal  Gewimmel am Fels Blick in die Nordseite des Pena de Bernal

 

 

 

 

 

 

Jilotepec
Im Abenddämmern rumpeln wir einen Feldweg durch einen Laubwald bergauf. Es ist kühl im Wald, denn wir sind auf ca. 2400 Metern Höhe. Die Konturen verschwimmen und man hat das Gefühl jeden Moment könnte ein Chupacabra (die mexikanische Version des Wolpertingers) aus dem Wald herausspringen. Endlich ein freier Platz zum Zelt aufbauen. Die Felsen stehen mitten im Wald, im Halbdunkeln wirkt es wie in der Fränkischen. Doch beim Betrachten der Felsen am Morgen erinnern diese an einen vertikalen Kartoffelacker. Die Kletterei an vulkanischem Konglomeratgestein ist zu Anfang gwöhnungsbedürftig, macht aber dann viel Spaß. Die Routen sind sportklettermäßig abgesichert, ein 60 Meter Seil ist ein Muss. Wir sind hier in Jilotepec im Bundesstaat Estado de Mexico, ca. 100 km nördlich der Hauptstadt, schon im Einzugsgebiet von Mexiko City. Mit über 120 Sportkletterrouten zwischen 5.8 (6-) und 5.14a (10+) ist Jilotepec ein großes Gebiet. Doch nicht nur die Ultrahardmover finden hier ihr Tätigkeitsfeld, auch für Kletterer im 7. Grad gibt es hier eine Vielzahl von schönen Routen. Es überwiegt technisch anspruchsvolle „tricky“ Kletterei. Manche Lösung erschließt sich erst im 2. Anlauf. Bedingt durch die Nähe zu De Effe (District Federal = Mexiko City)ist man am Wochenende garantiert nicht allein. Der Spaßfaktor ist garantiert, als Gringo wird man mit reichlich Tipps versorgt. Es findet sich meist irgendjemand der ein paar Worte deutsch spricht, oder jemand kennt der dies kann. Kommunikatives Klettern ist angesagt.

Bilder anklicken (3 von 8) alle Bilder © Krille
Camp Jilotepec  Rundblick von oben auf Jilotepec Miguel

 

 

 

 

 

 

Informationen über die Klettergebiete erhält man im Netz unter  www.escalando.net (in spanisch)und nach mexikanischen Bundesstaaten geordnet bei  www.rockclimbing.com/routes/North_America/Mexico/
Unter  www.petzl.com/en/page/roctrip-mexico-2010#Jilotepec_climbing_info  Informationen über Jilotepec.

Die hier vorgestellten Klettergebiete zeigen nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus dem gesamten Kletterspektrum das Mexiko zu bieten hat. Es gibt noch viel zu entdecken, vamos!

Information zur Sicherheit
Auch wenn ich in der Zeit von 2005 bis 2009 in den Klettergebieten nie Probleme mit Kriminalität hatte, so ist die Sicherheitslage derzeit in Mexiko variabel. Speziell in den großen Städten (Mexiko City und Monterrey) ist Aufmerksamkeit geboten. Eine gesunde Skepsis und Distanz zu Polizei und anderen Uniformierten ist angebracht.
Aktuelle Informationen unter:
www.auswaertiges-amt.de
www.eda.admin.ch/eda/de/home/reps/nameri/vmex/rhmex.html