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Kalkstein an den Waipu Caves

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Tage in den Dolomiten

Die Wetteraussichten sind gut, eine Woche frei genommen zusammen mit den Wochenenden macht das neun Tage.
Freitag Nachmittag, alles gepackt, schnell an die Tankstelle, vollgetankt, bezahlt und....
Das Auto springt nicht mehr an, nicht zu fassen - geht nicht mehr. Die Jungs von der Werkstatt hinter der Tanke haben sich dann noch ne Stunde bemüht aber den Grund nicht gefunden... im übrigen bis heute unklar. Danke hier nochmal an die Schaffer die sich in der Freitagnachmittag Feierabend Zeit abgezappelt haben. Ok nichts zu machen.

Da war erstmal ein Wochenende im Frankenjura angesagt. Sonntag abend dann zurück, da bietet mir Kletterkollege Andi - den muss ich jetzt namentlich nennen, sein Auto an. Drei Mal Kniefall, ich habs genommen.

Montag gings dann direkt in die Dolomiten zum Passo Giau. Für den nächsten Morgen war zum Eingewöhnen eine moderate Route im 7a Bereich ausgesucht. "Love my dogs" am Lastoni di Formin. Zur Route südseitig gelegen am Spiz de Mondeval ist ca. eine Stunde zu gehen, 9 SL, alle Haken sind solide Bohrhaken. In den schweren Seillängen stecken die dann auch auf angenehmer Distanz, obligat 7+ und die Qualität des Felsens ist für dolomitische Verhältnisse doch recht gut.Lediglich die Ausstiegsseillänge (5) ist dann wieder brüchig und bröselig mit einem Haken versehen. Aber wer mag kann hier schon vorher abseilen. Die zwei schweren Seillängen lassen sich super gut klettern, erstere (6c+) ist Ausdauer, letztere (7a) eher eine schwere Passage. Nur die sechste SL, eine Rissverschneidung mit abschliessender steiler Platte ist mit einer Länge von 48 - 50 Metern angegeben. Da hat unser 50 Meter Seil nicht von Stand zu Stand gereicht.
Der schnellste Abstieg vom Gipfelplateau ist dann wieder spannend. In einen bis zum Wandfuß eingeschnittenen Gully eher ne Schlucht wird dreimal abgeseilt und danach steigt man im steilen losen Schutt bis hinunter.
9 SL, 300 Meter, 7a / 6c obl.

Schon daheim beim Blättern in den Topos fiel mir die Linie an dem riesigen Pfeiler in der Westwand des Lastoni di Formin auf. Gente di Mare 8-/8 ebenfalls auch obligat, startet in einer großen Verschneidung und läuft vier Seillängen über einen vorgelagerten Turm. Von dem wird anschließend recht ausgesetzt 40 Meter in die Scharte zwischen Turm und Hauptwand abgeseilt um dann eine SL später wieder 10 Meter gegenüber in der Wand zu stehen. Die folgenden fünf Seillängen bis zum Ausstieg verlaufen rechts, nahe der linken Kante des Pfeilers ausgesetzt bis zum Ausstieg.
Gleich am Einstieg der Route sucht man vergeblich nach dem ersten Haken, erstmal einige Meter hochgemacht an der linken Seite der bröseligen Verschneidung sehe ich dann den ersten Haken fünf Meter rechts und vier Meter unter mir an der Wand, rechts der Verschneidung, na bravo guter Anfang.
Die folgende 6b+ Seillänge ist gut, wie letzten Endes alle Längen der Route aber ausdauernd kräftig und große graduelle Unterschiede der kommenden Seillängen zwischen 6b+ - 7a gibt es nicht. Die 4te SL war dann 55 Meter lang. Mit unserem 50 Meter Strick mussten wir dann an einem Bohrhaken einen Zwischenstand machen. Nachdem Abseilen in den Schlund, drüben wieder rauf und nach der 7a Seillänge wurden es dann leichter allerdings auch die Hakenabstände größer. Das Gestein war bis auf wenige Ausnahmen und dem Ausstieg fest. Abgeseilt haben wir dann über die Super Tegolina eine Route rechts daneben, die perfekt zum Abseilen eingerichtet ist. Generell wäre auch ein Rückzug oder ein Abseilen über die Gente di Mare gut machbar. Allerdings nur mit 60 Meter Doppelseil. Da es nicht mehr auf den vorgelagerten Turm zurückgeht, wird aus der Scharte abgeseilt und ein Zwischenstand nur mit 60 Meter Seil erreicht werden kann. Oberhalb der 7a Seillänge bietet es sich auch an zur Not in die Super Tegolina zu pendeln.
Auf alle Fälle ne Perle, hat mir gut gefallen.
10 SL, 350 Meter, 7a / 7a obl.

Nach einem Pausentag gings an die Zinnen. Im Abendlicht noch die Nordwände bewundert. Den Klassiker an der westl. Zinne haben wir uns diesmal ausgesucht: Cassin-Ratti.
Am nächsten Morgen waren wir nicht die ersten am Einstieg, so mussten wir noch ne halbe Stunde warten. Je nach vorhandenem Topo hat die Route 16 - 20 Seillängen und verschieden Variationen im einigem Meter Bereich nach rechts oder links nach oben oder unten. Die Absicherung ist wild. Generell sind es rostige Normalhaken und davon nicht allzuviele, außer in den schwierigen Längen, da wurde nicht gespart. Es können dort durchaus mehr Rosthaken eingehängt werden als Expressen dabei, man will ja vorwärts kommen. Ca. drei bis vier vernünftige Bohrhaken gibts an versch. Ständen. Unklar ist wieviel Stände es gibt.... Da gibts den Stand mit Bohrhaken fünf Meter weiter der nächste auch mit Bohrhaken, fünf Meter darunter der Stand mit drei Normalhaken und so weiter. Zwischendurch hab ich noch zwei selbstgebastelte Bohrhaken gefunden die ich aber aufgrund ihrer Güte nun nicht zu den Bohrhaken zählen will. Wie habe ich es so nett gelesen: Was die Absicherung anbelangt herrscht ein regelrechtes Chaos.
Dieses Sammelsurium an Haken und Ständen häuft sich je näher die Schlüssellängen kommen bzw. in selbigen klettert. Dort hängen auch Schlingen um Schlingen wie Gebetsfahnen von der Wand. Nach den zwei Schlüssellängen oder je nach Topo werden die auch mal zu einer zusammengefasst, die Längen sind eigentlich auch keine Längen sondern die berühmte Traversierung, jedenfalls bin ich da volle 50 Meter traversiert, zum Ende zu nicht mehr schwer doch in den Unterarmen hab ichs doch gemerkt, kam wieder so ein maroder Stand. Ja hat gehalten, alles super aber so richtig vertrauenserweckend ist das manchmal nicht.

Sorry, Klassiker hin oder her aber in so einer Seillänge frage ich mich ob da nicht einige wenige Bohrhaken an den neuralgischen Stellen besser wären als der ganze Schrott der alle halben Meter steckt im Sinne von weniger ist mehr.
Wie dem auch sei, die Traverse war für die Nachsteigerin auch kein Zuckerschlecken und die vage Ankündigung "ich falle jetzt gleich" habe ich dann mit einem "Geht nicht" ignoriert.
Nach der Traverse gings dann wieder in guter Kletterei schräg nach links oben nahe an den schwarzen Streifen. Der hatte mir eigentlich etwas Sorgen gemacht. Die Querung des Streifens war dann auch richtig nass, eigentlich Wasserfalltraversierung, ich hatte die Regenjacke an, aber das ganze wird an einem breiten Band gequert was einfach leicht ist. Rechts und links der Wasserfallquerung gibts einen Stand. Wir sind direkt zum Linken Stand geklettert.

Von dort aus in direkter Linie über kl. Einstiegsdach nach oben. Wie ich erst später auf einem anderen Topo bemerkte hätten wir noch ca. 20 Meter traversieren müssen zu einem Stand und dann hoch. Das wäre auch wohl die leichtere Variante gewesen. So gings dann eben schwerer, recht wenig gesichert zum übernächsten Stand. Da war dann auch wieder die erste Seilschaft vor uns. In Verschneidungs- und Wandkletterei im fünften und sechsten Grad gings nun immer links des schwarzen Streifens nach oben. Hin und wieder pfiffen Steine von der vorhergehenden Seilschaft an uns vorbei, aufgrund des losen Materials konnten wir es ihnen nicht mal übelnehmen. In der letzten Seillänge vor dem Schuttfeld bzw. zum Großteil noch Schneefeld, daher auch das viele Wasser, gabs dann noch 3-4 geschlagene Haken in der Wand rechts von der Verschneidung in der man eigentlich klettert. Nach dieser Seillänge gabs dann auch keinen Stand mehr, hier dann noch schnell einen Stand gebaut. Langsam wurde es auch schon spät die Sonne war schon in der Wand. Die letzten beiden "Längen" gleichen eher einer nach oben gerichteten Traversierung auf Bruchmaterial, sind wir beinahe ungesichert gegangen. Ein Fehltritt hier würde eher ungute Ergebnisse nach sich ziehen. Am Ringband dann angekommen, Kletterschuhe aus Turnschuhe an, letzter Schluck aus der Flasche, dann einmal um den Berg rum bis zu einer Abseilstelle ca. 20 Meter abseilen, dann immer den Trittspuren hinterher. Die sind nicht immer deutlich und kurzzeitig hatte ich auch bedenken das es doch noch Nacht werden könnte, aber ich hatte mir Notizen gemacht und die waren recht verlässlich zudem ist der Abstieg zum Teil mit roten Strichen gekennzeichnet. Kurzum irgendwann waren wir dann in der Scharte zwischen westl. und großer Zinne dann gings noch eine geraume Weile über steilen Schnee und Schutt nach unten, die letzten Meter haben wir dann noch mit Stirnlampe absolviert. Schön wars.
Die Tour gehört zu den großen Erstbegehungen von Ricardo Cassin der sich geschickt 1935 in drei Tagen durch die Wand manövriert hat. Mit den damaligen Möglichkeiten  eine absolute Höchstleistung. Auch heute noch beeindruckend.
16 - 20 SL, 550 Meter 6+ A0 oder 7a

Zum Abschluß gings dann noch entspannt zum Sportklettern an den Burgkofel im Gneis bei Bruneck.

Einige der Bilder kommen aus der Kamera von Andreas Jenni (Bern/CH). Danke dafür.

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Kletterführer:

Dolomitenführer Nord

lobo-edition - "Dolomiten vertikal - Band Nord Kletterführer

Verlag: Lobo-edition; 4. Auflage 2010
Autor: Stefan Wagenhals
Seitenzahl: 608
Sprache: Deutsch
Preis: 32,80€

 

Topo bei bergfreunde.de

Dolomitenführer Süd

lobo-edition - "Dolomiten vertikal - Band Süd" Kletterführer

Verlag: Lobo-edition; 2. Auflage 2005
Autor: Stefan Wagenhals
Seitenzahl: 760
Sprache: Deutsch
Preis: 41,80€

 

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