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L´ecole buissonniere 7a

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Salbit Westgrat - ein Traum aus Granit

38 Seillängen mit insgesamt 1340 Klettermetern unterbrochen von 7 mal abseilen, das  ganze verteilt auf 6 Türme und garniert mit herzhaften Rissen und gewürzt mit etlichen schwierigen Passagen und nicht wenigen Seillängen im 6. Grad. Das sind die nüchternen Fakten vom Salbit Westgrat.  Etwas Vergleichbares in dieser  Felsqualität in den Alpen zu finden ist schwer.

Mit etwas Glück haben wir (Leo + Krille) ein passables Wetterloch für dieses Vorhaben gefunden. Montagnacht bei Regen im Göschener Tal übernachtet. Dienstag mit aufsteigendem Nebel 1000 m Aufstieg zur Salbit Hütte und dann noch die 2 Stunden weiter zum Biwak. Aha, wir waren nicht allein. Das Biwak war mit 8 Leuten belegt und eine italienische Seilschaft turnte in der 1. Seillänge des Westgrates herum.  Auch wir fixierten die 1. Seillänge für den kommenden Morgen.

Wir ließen den Südländern den Vortritt und standen Punkt 6:00 Uhr im Dämmerlicht am Einstieg. Das harte Kopf an Kopf Rennen von Stand zu Stand wurde in der 5. Seillänge durch einen Verhauer der Kollegen zu unseren Gunsten beendet. Und schon ging es nach 9 Seillängen vom Turm 1 abwärts in die erste Scharte. Zwei schöne Risslängen folgten, vom Fingerriss bis zum Offwidth im sogenannten Holzkeilriss  (damals waren Sicherungsmittel noch brennbar)  ist alles vorhanden. Das folgende Gelände ist leichter, aber dafür unübersichtlicher.  Die Standplätze sind ab jetzt nicht mehr mit den schönen großen Muniringen ausgerüstet und müssen das eine oder andere Mal nachgebessert werden. Wieder abseilen vom großen Gipfelplateau von Turm II und hinauf zum  ca. 30 m niedrigen Turm III. Die Nebel wallen und ab und an kommt die Sonne durch. Es ist mittlerweile 13:00 Uhr und wir haben schon 20 Seillängen hinter uns. Erste Erschöpfung macht sich breit.
Aber schöne Seillängen am Turm IV bauen uns wieder auf (wenn man so ein Zwischending von Kamin und Riss mag). Vom Gipfel des Turmes IV sehen wir unsere italienischen Kollegen auf Turm II. Das riecht nach Biwak. Am Turm V leisten wir uns einen Verhauer, der mich als Nachsteiger zu einem unplanmäßigen Pendelquergang zwingt. Es folgen sehr luftige Seillängen und die letzte Abseile. Nun der obligate Pendelquergang zum Erreichen eines rechts liegenden Risses und anschließend die A0 Bohrhakenleiter.  Weiter geht es sehr luftig am Grat entlang. Den krönenden Abschluss bildet die Besteigung der Gipfelnadel.
Es ist geschafft um 19:00 Uhr nach 13 Stunden Kletterei  stehen wir erschöpft aber zufrieden  auf dem kleinen Grat der Gipfelnadel. Die Sonne wirft unsere Schatten auf die aufsteigenden Nebel. In ca. 1,5 Stunden geht es die 900 Höhenmeter hinunter zur Salbit Hütte, wo schon mindestens ein  Bierchen auf uns wartet.

Zusatzbemerkungen zum Westgrat:

Für mich eine der schönsten langen Granittouren im Alpenraum. Der alpine Charakter wurde trotz einiger Bohrhaken beibehalten. Die Kletterei ist meist klassisch an Riss und Verschneidungssystemen und muss häufig selbst abgesichert werden. Neben guter alpiner Orientierung, einer guten Psyche um auch Schwierigkeiten im 6. Grad deutlich über den Sicherungen zu meistern muss auch eine gehörige Portion Ausdauer mitgebracht werden um ein Biwak zu vermeiden.

Bilder anklicken (4 von 14)

Westgrat Türme 1 bis 5 Seillänge 7 erster Turm Holzkeilriss am 2. Turm Leo am Turm 4

 

 

 

 

 

Nach einem halben Ruhetag (wir kletterten die 6 Seillängen der „Me-Mo“ an den Gemsplanggen) gönnten wir uns noch die „Via Hammerbruch“ am 2. Turm des Westgrates. Zehn anstrengende, hart bewertete aber sehr schöne Seillängen in bombenfestem Granit entlang von Rissen und Verschneidungen. Leos Motto für dies Tour „ Geschenkt schreibt sich anders!“. Mich hat diese herrliche Risskletterei an den Serenity Crack  im Yosemite erinnert. Auch hier muss trotz Bohrhaken kräftig selbst abgesichert werden.
Den Abschluss unserer 4 Tage Salbit bildetet am letzten Tag die „Incredibile“ an den Gemsplanggen. Die sieben Seillängen in moderaten Schwierigenkeiten waren ein herrliches  Flowerlebnis . So kamen in 4 Tagen etwas mehr als 2200 sehr schöne Klettermeter zusammen.

 

Bilder anklicken (3 von 7)

Turm 2 Hammerbruch Einstieg Hammerbruch Seillänge 2 Hammerbruch Seilänge 4