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Christian am Bloc 2

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Spartacus

Herbst Klettern in Kalymnos

Rhein-Neckar Team zum Ausflug auf der Insel der 1000 Motorroller

Bienengleich schwärmen morgens hunderte von Motorrollern aus der kalymnischen Kletterhochburg Massouri. Mit dem Ziel zum besten Sektor, zur besten Tour. Kletternektar....
Meist zwei Kletterer auf einem Roller, ein Rucksack auf dem Rücken der andere zwischen den Beinen des Fahrers.
Oktober ist der Peak der Klettersaison auf Kalymnos. Nach meist einigen Minuten Fahrt ist der Abstellplatz für die Roller erreicht. Weiss-blaue Pylonen am Strassenrand kennzeichnen den Aufstieg zum Fels.
Wir entscheiden uns für einen der vielen leicht abdrängenden bis überhängenden Sektoren. Dort im bräunlich-orangen Kalk finden sich alle Formen von Sintern und Stalaktiten. Kletterei die es hierzulande so nicht gibt. Sinterfahnen neben schlanken Stalaktiten, nach unten oder immer wieder in sich verdickte Gebilde hängen vom Dach, Hand grosse Knubel zieren die Wand. Öfter sind die Gebilde zusammen gewachsen, bilden riesige Sanduhren, beim Klettern ein Bein durchgefädelt, der No-hand-rest ist perfekt. Oder weiten sich aus zu kleinen Plattformen, mit etwas Geschick findet sich eine Ruheposition - Stalaktiten reiten unterm Dach.

Damit ist die Kletterei, die viele in Kalymnos fasziniert schon charakterisiert. Lange anhaltende Ausdauerrouten an skurrilen Kalksteingebilden. Meist 35 Meter lang oft noch mit Extension.
In den mittlerweile 65 Sektoren mit ca. 1700 Routen - jeden Monat kommen neue Routen hinzu - gibt es nicht nur überhängende Kletterei - es gibt einfach alles. Graue Platten mit Leisten und Löchern, auch mal scharf, orangene senkrechte Wände an Leisten, zwischen den Graden 3 - 9a findet jeder sein Glück - aber alles lang.
Der graduelle Schwerpunkt des Kletterns liegt mit ca. 1150 Routen unter dem franz. siebten Grad. Es gibt ganz viel Potential für den Genusskletterer. Von der örtlichen Verwaltung werden auch einige Anstrengungen unternommen die Kost für den Kletterer reichhaltig und leicht verdaulich zu gestalten.
Gelder für Bolts werden jährlich zur Verfügung gestellt und die Wege zu den Sektoren werden geschaffen und markiert. Es gibt Empfehlungen für maximale Bohrhakenabstände und für die Umlenkungen, die eingehalten werden sollen. Weitere Bolts werden durch den Glaros Bolt Found, durch den Verkauf der aktuellen Updates zum Topo finanziert - eine Privatinitiative der Glaros Bar (Interview von Klettern.de)

Angekommen am heutigen Sektor der "Grande Grotta", ein absolutes Muss, sieht es so aus als hätten auch einige andere Kletterer die Idee gehabt. Das Publikum ist international. Die Mehrheit kommt aus Europa von Finnland über Bulgarien nach Spanien- Griechen sind eher seltener am Fels zu sehen. Doch auch Kletterer aus Amerika und aus Fernost sind immer wieder zu sehen.

Im riesigen Dach der Grotta gibts nichts zum einklettern, wohl aber in den übergehenden Sektor "Panorama", diese Routen sind dann leider besetzt. So gings dann gleich in die Trella 7a die eh ein Highlight in dieser Kategorie ist. Nach einer weiteren 6c+ und einer 7b+ ging es dann in einen Versuch der Zawinul Syndicat 7c+. Die Route zieht sich wie Aegialis oder Priapos ca. 35 Meter an der linken Seite der Grotta hoch und wird nach oben immer steiler. Absolute Super Touren. Nach diesem Versuch beliessen wir es auch dabei denn die Sonne schien nun direkt in die Grotta und gingen um die Ecke 300 Meter weiter zum Sektor Spartacus. Die Routen im Sektor sind auch alle machenswert, der Sektor auch gigantisch. Lange 6b's, Lange 6c's bis zu 8a. Nicht zu verpassen: Spartacus 7b+ super Loch- und Sinterkletterei. Hatte dann noch zwei Versuche in einer 7c (Arena?) an der linken Seite des Sektors die nach dem unteren Drittel eine recht boulderlastige kleingriffige Stelle hat, alles andere eher leicht, nach dem ausbouldern eigentlich nichts mehr ging und dann doch noch schnell den Gladiator 7b geklettert bin.

Nach einem solchen Tag mit super guten Touren, Aussicht aufs Meer und angenehme Wärme gings dann zum Essen in eines der vielen Restaurants um sich bei Bier, Wein und Ouzo durch die griechische Küche zu kosten.

In den folgenden Tagen waren wir noch in einigen Sektoren unterwegs doch fehlen bei weitem noch einige der 65. Besonders gefallen hat mir noch die Sikati Cave. In diesem riesigen Loch in der Landschaft, entstanden durch den Einsturz einer Höhle finden sich auch gigantische Überhängende Ausdauerrouten bis zu 70 Meter Höhe - anbei ein schöner Strand.

Bilder anklicken (5 von 26)
Telendos Die Sikati Cave Krille 7a in Arginonta, Bild: Krille Roland in Priapos 7c, Grande Grotta Roland in Eros 7b+, Sektor Arhi, Bild: Krille

 

 

 

 

 

 

Anreise
Am besten mit dem Flugzeug nach Kos, dann mit der Fähre (schnell ca. 25Min, langsam ca. 40 Min) nach Pothia dem Hauptort von Kalymnos. Von dort mit Taxi oder Bus ca. 10 Km weiter nach Massouri. Möglich auch mit Flugzeug nach Athen dort Inlandsflug direkt nach Kalymnos. Alternativ Flug nach Rhodos von dort etwas länger mit der Fähre nach Kos. Ebenfalls möglich mit der Fähre von Bodrum zwei Mal die Woche nach Kos.

Unterkunft
In sogenannten Studios für 2-3 Personen, mit Bad und Kochmöglichkeit. Zwischen 7 - 13 Euro/Pers./Tag. Campingplätze gibt es keine.

Essen und Trinken
Viele Restaurants in denen es griechische Fleisch und Fischspeisen gibt. Immer auch einen offenen Rotwein und zum Nachtisch gibts meist gebackene Teigbällchen in Honig und Zimt. Preise sind ähnlich wie hierzulande.
Da in den Studios auch eine kleinste Küchenzeile existiert kann auch selbst gekocht werden. Doch wenns nicht nur Pasta mit roter Soße geben soll ist es dank der Insellage auch nicht günstig. Im Hauptort Pothia kann etwas günstiger eingekauft werden.

Motorroller
....die können gemietet werden für ca. 10,- Euro/Tag. Die sind für die weiter entfernten Sektoren oder wer nicht im Massouri wohnt, notwendig. Viele Sektoren um Massouri sind per pedes zu erreichen. Für den Roller kann auch ne Zusatzversicherung abgeschlossen werden für 4,- Euro/Tag, falls der mal bei Wind umfällt :-)

Notfall
Die Routen in Kalymnos sind sehr gut abgesichert, das ist so gewünscht und wird auch eingehalten. Ist eine Route länger als 35 Meter wird ein Zwischenstand gebohrt. Da aber der Mensch an sich Fehler macht kommt es auch hier zu Abstürzen. Dann wird es kritisch - den die Rettung oder Erstversorgung von Verletzten ist praktisch nicht existent. Griechenland liegt in Europa aber in diesem Punkt weit entfernt von mitteleuropäischen Standards.
Angefangen von der Notrufnummer an dessen anderem Ende erstmal niemand englisch kann, 3x weiterverbunden bis jemand versteht: ja schickt eine Ambulance. Hubschrauber oder ähnliches gibt es nicht. Der/die Verletzte, egal wie schwer muss irgendwie bis an die Strasse gebracht werden das kann je nach Sektor ein mehrstündiges Unternehmen sein - Gnade wenn man alleine am Sektor ist. Die Ambulanzfahrer sind reine Fahrer, die trinken Cafe bis der Verletzte gebracht wird. Es gibt auch keinen Notfallkoffer, Sauerstoff oder ähnliches. Es gibt nur die Liege im Auto, es ist auch kein Arzt dabei. In Pothia gibt es dann ein Hospital, es sollte aber nichts kompliziertes sein, Röntgen gibts, Sonogramm nur manchmal.
Ist mir immer noch so nah vor Augen, dass ichs hier erwähnen muss. Also Knoten ins Seil.

Reisezeit
eigentlich das ganze Jahr. Im Winter kanns mal recht kalt sein insbesondere der Wind, Im Sommer kann nur im Schatten geklettert werden hier geht dann der kombinierte Bade-Kletterurlaub. Beste Zeit ist der späte Frühling und der Herbst.

Sektoren
Grande Grotta - bizarre Stalaktiten in der grossen Grotte
Spartacus - fast den ganzen Tag Schatten jede Tour besser als die andere
Odysee - auch lange Schatten, lange und mittellange Touren an Löchern und kleinen Sintern für jeden was dabei ab 6a
Poets - graue Platten mit kleinen Griffen
Kalydna - beinahe senkrechte Wandkletterei an Leisten, Löchern und Sinter, lang.
Sikati Cave - Loch in der Landschaft darin gigantische Sintertouren neben Grande Grotta das Highlight
Ghost Kitchen - bizzare Stalaktiten, nicht zu steil
Arhi - überhängendes und viele graue Platten lange Touren direkt oberhalb der Bucht von Arginonta

Sonstiges
....gibts nicht viel, bisschen baden, wandern, Ausflug nach Telendos dort auch klettern

Topo

Der Neue Kletterführer von Kalymnos ist gerade erst Ende Oktober erschienen.