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Caminito Del Rey - über die Zähmung des "gefährlichsten Wegs der Welt"

‹ Krille Betrachtung des Kletterschuhs Evolv Bandit SC ›

oder die verlorenen Kletterouten von El Chorro

 

Der gefährlichste Weg der Welt ist wieder begehbar - so schreibt die Tageszeitung "Die Welt" am 12.03.2015, so oder ähnlich ist es in vielen Medien zu lesen.
Nun zugegeben der Camino del Rey oder Caminito del Rey in der Schlucht bei El Chorro in Andalusien ist kein normaler Spaziergang - ausgesetzt ist der Weg, grandiose Blicke in die Tiefe der Schlucht hält er bereit. Nun ist der Weg gezähmt, der Tiger wurde zum Lamm. Der Spaziergänger kann sich nun getrost einen kleinen Schwindel anhand des Blickes in die Tiefe erlauben, der Boden hat keine Löcher mehr und das Geländer fängt den Geplagten auf. Nur das Speien übers Geländer könnte Konsequenzen nach sich ziehen - den sicherheitsrelevanten Aspekt gilt es hier zu berücksichtigen und wir befinden uns hier im Naturschutzgebiet.

Seit Anfang des Jahres gab es einen kurzen großen Medienhype um das "Weglein des Königs". Der Weg hätte, in seiner nach europäischen Maßstäben gemessener geringen Bedeutung weiterhin verharrt und wäre dem trittsicheren und schwindelfreien Publikum vorbehalten gewesen wäre es nicht Anfang 2013 zu einem Sanierungsbeschluss gekommen. Die Provinzregierung von Malaga, die Gemeinden von Ardales, Alora und von Antequera entschieden sich den Weg zu sanieren. Die Kosten von ca. 2,5 Mio Euro stellte die Provinzregierung zur Verfügung. Weitere 3 Mio Euro wurden in den Strassenbau investiert zur Verbesserung der Zufahrten.
Einer Sanierung hat es dringend schon seit Jahren nötig, wollte man den Weg weiterhin benutzen. Die Wiederherstellung dieses historischen Pfades wurde nun vollbracht. Der Verlauf ist der gleiche geblieben.
Eine Sanierung mit Einbezug des historischen Materials hätte den Weg reizvoller gemacht aber die Sanierung wohl nicht billiger. So wurde nun, ganz praktisch ein komplett neuer Weg aus Metall und Holz über den historischen Weg gelegt.
Einer gezielten Marketing Aktion ist wohl der frühjährliche Hype um den Weg zu verdanken. Die Ausgaben müssen wieder eingespielt werden.

Geschichte des Caminito del Rey

Der Anfang des an den Fels geklebten Wegleins über der Schlucht Los gaitanes in der Provinz Malaga geht auf das Jahr 1901 zurück. Der Weg wird gebaut als Versorgungslinie für die Bauarbeiter des Staudamms "Conde del Guadalhorce" und des Wasserkraftwerkes ausgehend von der Siedlung El Chorro. 1921 dann weihte König Alfonso XIII die Talsperre ein und schritt dabei den Versorgungsweg ab, dem nun sein Namen gegeben wurde. Zu dieser Zeit war der Weg in bester Verfassung mit Geländerabsicherung, teilweise mit Beleuchtung. Der Weg wurde zu dieser und kommender Zeit von den Bewohnern der Siedlungen diesseits und jenseits der Schlucht als schnellste Verbindung genutzt. Den Bewohnern der inneren Schlucht in einzelnen Häusern und in Höhlen war nun auch eine komfortable Möglichkeit gegeben schnell aus der Schlucht zu kommen. Selbst Esel wurden hin und an über den Weg geführt. Später verlor der Weg aufgrund besserer Verkehrswege seine Bedeutung. Der Weg wurde langsam marode, Teile davon brachen weg, die Geländer zumindest im vorderen Teil fehlten gänzlich auf dem nur ein Meter breitem Pfad. Die Lauffläche des zwischen zwei Doppel T-Stahlträgern gemauerte Lage aus Backstein wurde durch Steinschlag durchlöchert. Wo die gemauerte Lage fehlte gab es nur noch den Stahlträger zum Weiterkommen.

Der Zugang zum Camino wurde dann aufgrund eines Unfalls mit drei Toten von beiden Seiten geschlossen bzw. die jeweils ersten 20 Meter komplett abgerissen. Das Betreten wurde aber weiterhin über einen ursprünglich älteren Steig über Stahlstifte möglich. Zum tödlichen Unfall war der Weg nicht das Ausschlaggebende sondern eher die Verunglückten selbst. Über die Schlucht gespannt gab es ein Stahlseil welches den früheren Arbeitern als Versorgungslift von der einen zur anderen Seite diente. Einige Wagemutige rutschten dann von einer Seite, der Anziehungskraft folgend auf die andere Seite. Im Unglücksfall rutschten gleich drei Personen auf einmal übers Seil. Das altersschwache Seil bzw. die Verankerung hielt dem nicht stand...... das Stahlseil lag bis vor kurzem noch in der Schlucht.
Artikel von El Pais 12.08.2000 

Selbstverständlich wurde der Weg bei Strafe weiterhin benutzt um an die vielen Kletterrouten - Los Gaitanes liegt mitten im großen Klettergebiet El Chorro - die vom Weg aus starten, nach unten oder oben, zu gelangen. Der Weg war dann im ersten Teil der Schlucht durchgängig mit einem Stahlseil gesichert und für geübte und schwindelfreie Wanderer, ähnlich einem leichten Klettersteig, gut machbar. Also die Bezeichnung als "der gefährlichste Weg der Welt" war maßlos übertrieben. Es war eben kein Spazierweg, war sehr ausgesetzt und eindrucksvoll. Aber viele alpine Wanderungen sind ebenso ausgesetzt und "gefährlich". Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ist auch dort gefragt. 

Parallel zur Schlucht befindet sich die Eisenbahnlinie, die durch mehrere Tunnel durch das Massiv läuft. Kletterer nutzen diese Tunnel, um bequemer und schneller in das dahinterliegende Tal zu kommen. Das Betreten der Gleise und Tunnel mit einem Bußgeld von 6.000 € belegt. An Wochenenden warten in den Tunneln Sicherheitskräfte, die das Verbot durchsetzen. Einen sicheren aber längeren Weg gibt es über das Massiv um in die zwischen den Schluchten gelegenen Tälern zu kommen. In den Tälern sind viele Sektoren u.a. Makinodromo, Los Tigres, Los Cotos.... 

Jetzt 

Dies war der Stand bis Anfang 2013, als entschieden wurde den Camino zu sanieren. Ziel ist es den Tourismus im Gebiet zu fördern. So soll der Weg und dessen Vermarktung 181 Arbeitsplätze dauerhaft sichern. 20 Mio Euro sollen jährlich in die Kassen gespült werden. 250.000 Touristen jährlich erwartet die Provinzregierung im Naturschutzgebiet.
Nun können die Touristen das Juwel einer Naturlandschaft sicher besuchen. Die Vollendung der Instandsetzung wird ein Aushängeschild für das Gebiet, die Provinz und für Tourismus und Sport. So ist es auf der Webseite zum Camino zu lesen.
Aha der Sport - als Sport würde ich die Begehung des Holzdielenwegs nicht bezeichnen, aber den Sport betrifft hier eindeutig die Kletterer und nicht die 33.000 Kletterer (laut Süddeutscher Zeitung vom 18.03.2015)  die sich bis Mai angemeldet hatten, die dann im Brust! geschirr am Stahlseil angeseilt (Stern 12.03.2015) auf dem sicheren Brettersteig spazieren gehen.

Im Voraus gab es einige Gespräche mit der AAEE (Asociacion Andaluzo de Escaladores) den es lag auf der Hand das viele Kletterrouten die vom Weg aus anfangen bzw. aus der Schlucht am Weg enden in Mitleidenschaft gezogen werden.
Es wurde betont das eine Renovierung des Caminos nicht auf ein Verbot des Kletterns in der Schlucht abzielte. Dem AAEE wurde aber die Notwendigkeit einer touristischen Nutzung mit dem Klettern in Einklang zu bringen dargelegt. Daraufhin hat die AAEE Alternativen aufgezeigt um weiterhin die Kletterrouten zu nutzen bzw. zu Diesen zu kommen, ohne Erfolg.  Den von unten kommenden Routen die beklettert werden dürfen fehlt nun der Ausstieg. Die Routen oberhalb des Caminos dürfen nicht mehr beklettert werden, davon abgesehen fehlt nun jeder Route der originale Einstieg. Dies betrifft auch einige wichtige kletterhistorische Routen im Sektor El Recodo.
Zu den bekletterbaren Routen unterhalb des Weges zu kommen dürfte auch nicht einfach sein, da es ausdrücklich verboten ist sich vom neuen Camino abzuseilen. .....und man stelle sich bildlich vor hochklettern bis zum alten Steig dann ein bis eineinhalb Meter Abstand nach oben zum neuen Pfad, dazwischen der Kletterer und oben laufen die Massen von Touristen auf dem neuen Weg. 

Nach einer Phase von 6 Monaten wird der Camino kostenpflichtig sein.
Kletterer sollen nach der üblichen Registrierung seit Wiedereröffnung freien Eintritt zum Camino und zu den Kletterrouten haben, doch die Sache hat mehrere Haken.

Da wären:

  • Die Öffnungszeiten: 1. November bis zum 31. März (Winter) 10:00 – 14: 00 Uhr, 
    1. April bis zum 31. Oktober (Sommer) 10:00 – 17:00 Uhr
    jeweils von Dienstag bis Sonntag
  • Die Anmeldung: geht über das Internet schon weit im Voraus
  • Es sind nur bis zu 600 Personen pro Tag zugelassen
  • Große Rucksäcke sind nicht erlaubt da die auf dem schmalen Pfad hinderlich sein sollen.
  • Es wird daran gedacht zu kontrollieren ob die Kletterer Alpenvereinsmitglieder oder ähnlichen Verbänden angehören.
  • Der Nachweis einer Haftpflichversicherung. Besucher des Camino die ganz normal eine Eintrittskarte lösen sind mit dieser automatisch
  • Haftpflichtversichert, da aber der Kletterer freien Eintritt haben soll wird dieser nicht automatisch versichert. 

aus der Benutzerordnung:

"Die Personen, die das Steilwandklettern betreiben möchten, können die Einrichtung des Caminito del Rey während dieser sportlichen Betätigung kostenfrei nutzen. Dafür müssen sie an den Kontrollhäuschen den Nachweis für eine eigene Haftpflichtversicherung vorzeigen, sich einschreiben, sich mit den Nutzungsbestimmungen des Caminito del Rey und den Vorschriften des Naturschutzgebiets bei einer solchen Tätigkeit einverstanden erklären.
Das Steilwandklettern ist an den Felswänden gestattet, die vom Umweltministerium freigeben wurden. An den Felswänden des Caminito dürfen nur die vorgegeben Kletterwege unterhalb des Klettersteigs genutzt werden. Kletterwettbewerbe sind strengstens untersagt, es sei denn, diese sind vom Umweltministerium bewilligt. In jedem Fall müssen die Kletterer den Empfehlungen, Verpflichtungen und ausgeschriebenen Verboten der Nutzungsbestimmungen nachkommen. Es ist ausdrücklich verboten das Geländer des Klettersteigs zu überqueren, um zu den vorgegebene Steilwandstrecken zu gelangen, die sich unter dem Caminito der Rey befinden sowie das Sicherungsseil am Klettersteig anzubringen oder diesen als Verankerungspunkt zu benutzten." 

Nun die oben genannten Bedingungen sind praktisch unvereinbar mit dem Klettersport oder überhaupt mit den doch mehrheitlich Freiheit liebenden Kletterern. Denn wie schaut es denn, als Beispiel, aus im Sommer um 17 Uhr das Klettern zu beenden, wo doch dann erst mal der Schatten kommt und es lange hell bleibt und ich weiss jetzt noch nicht wo ich mich an welchem Sektor nächste Woche bewegen werde. Und überhaupt trage ich einen großen Rucksack, den brauch ich eben, schlafe morgens aus und gehe frühestens um 13 Uhr klettern auch Montags. Eine Haftpflichtversicherung besitze ich nicht und bin vielleicht auch kein Mitglied in irgendeinem Verband. ABER Klettern gehe ich gerne, immer und überall.

Der Andalusische Kletterverband hat zu diesen und einigen mehreren strittigen Punkten klare Forderungen gestellt, Vorschläge dazu unterbreitet, hätte gerne ein klares Konzept. Allerdings gibt es darauf noch keine Antworten. Es bleibt spannend.

 

Bilder anklicken

 

 

Videos:

Film von Daniel Ahnen, der 2011 am Arwa Spire als Bergfilmer in einer Gletscherspalte umgekommen ist. Daniel Ahnen war auch begeisterter Slackliner.

Sprung in die Schlucht

Trailer von Spielfilm Ryans Express gefilmt in der Schlucht (1965)


Links und Quellen

http://www.caminitodelrey.info/de/ - Die offizielle Webseite des Caminito mit vielen Infos
http://www.escaladoresandaluces.com/aaee/index.php/noticias/59-la-aaee-y... - Die AAEE und der Caminito del Rey
http://de.wikipedia.org/wiki/Caminito_del_Rey - Wikipedia
http://www.welt.de/reise/article138313773/Der-gefaehrlichste-Weg-der-Wel... - Die Welt
http://www.sueddeutsche.de/reise/caminito-del-rey-sicher-ueber-den-gefae... - Süddeutsche Zeitung
http://www.stern.de/reise/europa/caminito-del-rey-auf-dem-gefaehrlichste... - Stern
http://www.spiegel.de/reise/europa/wanderpfad-caminito-del-rey-in-spanie... - Spiegel online
http://desnivel.com/escalada-roca/accesos/los-escaladores-andaluces-nego... - Desnivel
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1533426856885461.1073741886.13... eine Sammlung alter Bilder von El Chorro
http://myclimb.de/eintrag/feb/klettern-el-chorro-andalusien-spanien - Klettern in El Chorro
http://myclimb.de/eintrag/feb/el-chorro-winterziel-im-sueden - Klettern in El Chorro